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Atropin – Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Atropin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Anticholinergika, der u. a. bei Bradykardie, als Prämedikation und in der Augenheilkunde eingesetzt wird.

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Wissenswertes über "Atropin"

Atropin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Anticholinergika, der u. a. bei Bradykardie, als Prämedikation und in der Augenheilkunde eingesetzt wird.

Was ist Atropin?

Atropin ist ein natürlich vorkommendes Alkaloid, das ursprünglich aus der Pflanze Tollkirsche (Atropa belladonna) gewonnen wird. Es gehört zur Gruppe der Anticholinergika und hemmt gezielt den Neurotransmitter Acetylcholin an muskarinischen Rezeptoren. In der Medizin wird Atropin als Arzneimittel in verschiedenen Bereichen eingesetzt, darunter Notfallmedizin, Anästhesie und Augenheilkunde.

Wirkmechanismus

Atropin wirkt als kompetitiver Antagonist an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren (M1–M5). Durch die Blockade dieser Rezeptoren werden parasympathische Nervensignale gehemmt. Die wichtigsten pharmakologischen Wirkungen umfassen:

  • Erhöhung der Herzfrequenz (positiv chronotrope Wirkung)
  • Hemmung der Speichel-, Schweiß- und Drüsensekretion
  • Erweiterung der Bronchien (Bronchodilatation)
  • Erweiterung der Pupillen (Mydriasis) und Hemmung des Akkommodationsreflexes
  • Entspannung der glatten Muskulatur im Magen-Darm-Trakt

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Atropin wird in verschiedenen klinischen Situationen eingesetzt:

  • Bradykardie: Bei lebensbedrohlich verlangsamtem Herzschlag, z. B. im Rahmen der Reanimation
  • Prämedikation: Vor operativen Eingriffen zur Hemmung übermäßiger Sekretionen
  • Vergiftungen: Als Gegenmittel (Antidot) bei Vergiftungen mit Organophosphaten (z. B. Nervengasen oder Pestiziden) und Pilzgiften (Muscarin)
  • Augenheilkunde: Zur Pupillenerweiterung (Mydriatikum) bei Augenuntersuchungen und zur Behandlung von Entzündungen des Auges
  • Spasmolytikum: Zur Entspannung bei Krämpfen im Magen-Darm-Trakt oder der Harnwege

Dosierung und Anwendung

Die Dosierung von Atropin richtet sich nach der jeweiligen Indikation und muss individuell angepasst werden:

  • Bradykardie/Reanimation (Erwachsene): 0,5–1 mg intravenös, ggf. wiederholbar bis zu einer Gesamtdosis von 3 mg
  • Prämedikation: 0,3–0,6 mg subkutan oder intramuskulär
  • Augentropfen: 0,5 %–1 % Lösung, je nach Anwendungsgebiet
  • Kinder: Dosierung nach Körpergewicht, nur unter ärztlicher Aufsicht

Die Anwendung sollte stets unter ärztlicher Kontrolle erfolgen, da Atropin ein enges therapeutisches Fenster besitzt.

Nebenwirkungen

Typische Nebenwirkungen von Atropin spiegeln die anticholinerge Wirkung wider und lassen sich als anticholinerges Syndrom zusammenfassen:

  • Mundtrockenheit und trockene Haut
  • Beschleunigter Herzschlag (Tachykardie)
  • Erweiterte Pupillen, Sehstörungen (Akkommodationsstörungen)
  • Harnverhalt
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Hautrötung und Wärmegefühl
  • Bei Überdosierung: Verwirrtheit, Halluzinationen, Krampfanfälle, Koma

Kontraindikationen

Atropin darf nicht oder nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden bei:

  • Engwinkelglaukom (grüner Star)
  • Myasthenia gravis
  • Prostatahyperplasie mit Harnverhalt
  • Tachyarrhythmien
  • Schwerer Herzinsuffizienz

Wechselwirkungen

Atropin kann mit zahlreichen Arzneimitteln interagieren. Die anticholinerge Wirkung wird verstärkt durch andere Anticholinergika, trizyklische Antidepressiva und Antihistaminika. Die gleichzeitige Anwendung mit Metoclopramid kann dessen Wirkung abschwächen.

Quellen

  1. Aktories K, Förstermann U, Hofmann F, Starke K: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 12. Auflage. Urban & Fischer Verlag, 2021.
  2. European Resuscitation Council (ERC): Guidelines for Resuscitation 2021. Resuscitation, 2021.
  3. Fachinformation Atropinsulfat B. Braun 0,5 mg/ml Injektionslösung. Stand: 2022.

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