Odermennig: Wirkung, Anwendung & Dosierung
Odermennig (Agrimonia eupatoria) ist eine Heilpflanze, die traditionell bei Verdauungsbeschwerden, Entzündungen und Hautproblemen eingesetzt wird.
Wissenswertes über "Odermennig"
Odermennig (Agrimonia eupatoria) ist eine Heilpflanze, die traditionell bei Verdauungsbeschwerden, Entzündungen und Hautproblemen eingesetzt wird.
Was ist Odermennig?
Odermennig (botanischer Name: Agrimonia eupatoria) ist eine ausdauernde Heilpflanze aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die Pflanze ist in Europa, Westasien und Nordafrika heimisch und wächst häufig auf Wiesen, an Wegrändern und in lichten Gebüschen. Sie hat eine lange Geschichte in der Volksmedizin und wird seit Jahrhunderten zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt. In der Phytotherapie werden hauptsächlich die oberirdischen Pflanzenteile – Blätter, Stiele und Blüten – als getrocknetes Kraut verwendet.
Wirkstoffe
Odermennig enthält eine Vielzahl von bioaktiven Verbindungen, die für seine heilkundlichen Eigenschaften verantwortlich sind:
- Gerbstoffe (Tannine): insbesondere kondensierte Tannine und Ellagsaure-Derivate, die adstringierende und entzündungshemmende Wirkungen besitzen
- Flavonoide: wie Luteolin, Apigenin und Quercetin, die antioxidativ und entzündungshemmend wirken
- Bitterstoffverbindungen: fördern die Verdauung und regen die Gallenproduktion an
- Schleimstoffe: schützen Schleimhäute im Mund- und Rachenraum
- ätherische Öle: tragen zur antimikrobiellen Wirkung bei
- Vitamin K: in geringen Mengen enthalten, relevant bei der Blutgerinnung
Traditionelle Anwendung
In der Volksmedizin wurde Odermennig seit der Antike vielfältig eingesetzt. Schon die antiken griechischen und römischen Heiler setzten die Pflanze bei Wunden, Lebererkrankungen und Schlangenbissen ein. Im Mittelalter galt Odermennig als wichtiges Heilkraut für Verdauungsbeschwerden und Hautleiden. Typische traditionelle Anwendungsgebiete umfassen:
- Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden
- Entzündungen im Mund- und Rachenraum (z. B. Gurgellösungen)
- Wundheilung und Hautreizungen (als Umschlag oder Waschung)
- Leberbeschwerden und Gallenprobleme
- Harnwegsinfektionen
Medizinische Anwendung und wissenschaftliche Evidenz
Die moderne Phytotherapie unterstützt einige der traditionellen Anwendungsgebiete durch wissenschaftliche Untersuchungen. Die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat Odermennigkraut für die innerliche Anwendung bei leichten, unspezifischen Durchfallerkrankungen und Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut zugelassen. Auch das ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) bestätigt diese Indikationen.
Verdauungsbeschwerden
Die enthaltenen Gerbstoffe wirken adstringierend auf die Darmschleimhaut, was bei leichtem Durchfall helfen kann, die Stuhlkonsistenz zu festigen. Bitterstoffverbindungen regen zusätzlich die Verdauungssekrete an.
Entzündungen im Mund- und Rachenbereich
Odermennig-Tee oder -Extrakte eignen sich zur Anwendung als Mundspülung oder zum Gurgeln bei Entzündungen der Mundschleimhaut, Zahnfleischproblemen und Rachenentzündungen. Die adstringierende und entzündungshemmende Wirkung der Tannine und Flavonoide ist wissenschaftlich belegt.
Hautanwendungen
Als Umschlag oder Waschung kann ein Odermennig-Aufguss bei leichten Hautentzündungen, schlecht heilenden Wunden und übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrose) an Händen und Füßen angewendet werden.
Dosierung und Anwendungshinweise
Odermennig wird üblicherweise als Tee (Aufguss) oder in Form von Fertigpräparaten (Tinktur, Extrakt, Kapseln) angewendet:
- Tee (innerlich): 1–3 Teelöffel (ca. 3–4 g) getrocknetes Kraut auf 250 ml heißes Wasser, 10–15 Minuten ziehen lassen, 2–3 Tassen täglich
- Tee (Gurgeln/Spülen): Konzentrierterer Aufguss (ca. 5 g pro 250 ml), mehrmals täglich anwenden
- Tinktur: Dosierung gemäß Herstellerangaben oder Empfehlung einer Fachperson
Die Anwendung sollte in der Regel nicht länger als 2–4 Wochen ohne ärztliche Rücksprache erfolgen.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Odermennig gilt bei bestimmungsgemäßer Anwendung als gut verträglich. In seltenen Fällen kann es zu:
- Allergischen Reaktionen (insbesondere bei Rosengewächs-Allergie)
- Verstopfung bei übermäßiger innerlicher Einnahme aufgrund der Gerbstoffe
- Fotosensibilisierung (erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut) durch enthaltene Cumarine bei äußerlicher Anwendung
kommen. Bei Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren sollte die Anwendung nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin erfolgen.
Wechselwirkungen
Aufgrund des Vitamin-K-Gehalts könnte Odermennig in hohen Dosen die Wirkung von Antikoagulantien (Blutverдünnern) wie Warfarin beeinflussen. Bei Einnahme von Blutverdünnern ist eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin ratsam.
Quellen
- European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP): ESCOP Monographs – Agrimoniae herba. 2nd edition, 2003.
- Kommission E (BfArM): Monographie Odermennigkraut (Agrimoniae herba). Bundesanzeiger Nr. 43, 1986.
- Wichtl M. (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka. 5. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2008.
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