Resorptionsbarrieremarker – Bedeutung & Diagnostik
Resorptionsbarrieremarker sind diagnostische Parameter, die Aufschluss über die Funktion der intestinalen Barriere und die Nährstoffaufnahme im Darm geben.
Wissenswertes über "Resorptionsbarrieremarker"
Resorptionsbarrieremarker sind diagnostische Parameter, die Aufschluss über die Funktion der intestinalen Barriere und die Nährstoffaufnahme im Darm geben.
Was sind Resorptionsbarrieremarker?
Resorptionsbarrieremarker sind diagnostische Messparameter, die dazu dienen, die Integrität und Funktion der intestinalen Schleimhautbarriere sowie die Fähigkeit des Darms zur Aufnahme von Nährstoffen, Medikamenten und anderen Substanzen zu beurteilen. Die intestinale Barriere übernimmt eine zentrale Schutzfunktion: Sie lässt gewünschte Nährstoffe passieren, hält jedoch schädliche Substanzen, Krankheitserreger und Toxine zurück. Ist diese Barriere gestört, kann es zu Resorptionsstörungen oder einem erhöhten Einstrom unerwarteter Substanzen in den Körper kommen.
Funktion der intestinalen Barriere
Die intestinale Barriere besteht aus mehreren Schichten:
- Muzinschicht: Eine Schleimschicht aus Glykoproteinen, die als erste Schutzlinie dient.
- Epithelzellschicht: Eng verknüpfte Darmepithelzellen, die durch sogenannte Tight Junctions verbunden sind.
- Immunologische Schicht: Immunglobuline (z. B. sekretorisches IgA) und Immunzellen im Darmgewebe.
Störungen in diesen Schichten können die Resorption verändern und zu Erkrankungen wie dem Leaky-Gut-Syndrom führen.
Wichtige Resorptionsbarrieremarker
Zonulin
Zonulin ist ein Protein, das die Durchlässigkeit der Tight Junctions zwischen den Darmepithelzellen reguliert. Ein erhöhter Zonulinspiegel im Blut oder Stuhl weist auf eine erhöhte Darmpermeabilität hin und wird mit verschiedenen Erkrankungen, darunter Autoimmunerkrankungen, Zuerständen wie Morbus Crohn und Zerkaliensensitivität, in Verbindung gebracht.
Alpha-1-Antitrypsin (im Stuhl)
Alpha-1-Antitrypsin ist ein Proteaseinhibitor, der normalerweise nicht in größeren Mengen über den Darm ausgeschieden wird. Ein erhöhter Wert im Stuhl deutet auf einen gesteigerten Proteinverlust über die Darmschleimhaut hin, was auf eine Schädigung der Barriere hinweisen kann.
Sekretorisches Immunglobulin A (sIgA)
Sekretöres IgA ist der wichtigste Antikörper der Darmschleimhaut. Erniedrigte Werte können auf eine geschwächte mukosale Immunabwehr hindeuten und gehen mit einer erhöhten Anfälligkeit für intestinale Infektionen einher.
Lactulose-Mannitol-Quotient
Der Lactulose-Mannitol-Test ist ein funktioneller Test zur Messung der intestinalen Permeabilität. Der Patient trinkt eine Lösung aus Lactulose und Mannitol; anschließend wird das Verhältnis beider Zucker im Urin gemessen. Ein erhöhter Lactulose-Mannitol-Quotient zeigt eine erhöhte Darmpermeabilität an.
Calprotectin
Calprotectin ist ein Entzündungsmarker im Stuhl, der vor allem bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa erhöht ist. Als Resorptionsbarrieremarker weist er auf eine entzündungsbedingte Beeinträchtigung der Schleimhautbarriere hin.
Ursachen einer gestörten Resorptionsbarriere
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Zerkaliensensitivität und Zöliakie
- Langzeiteinnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) oder Antibiotika
- Chronischer Stress und Übertraining
- Dysbiose (Ungleichgewicht der Darmflora)
- Ernährungsdefizite (z. B. Zink-, Vitamin-D-Mangel)
Klinische Relevanz und Diagnostik
Resorptionsbarrieremarker werden in der Gastroenterologie, Inneren Medizin sowie der funktionellen und integrativen Medizin eingesetzt, um Resorptionsstörungen frühzeitig zu erkennen. Die Diagnostik erfolgt in der Regel über Blut- und Stuhluntersuchungen sowie funktionelle Tests wie den Lactulose-Mannitol-Test. Die Ergebnisse helfen dabei, gezielte therapeutische Maßnahmen einzuleiten, wie etwa eine Anpassung der Ernährung, den Einsatz von Probiotika oder die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung.
Quellen
- Fasano, A. (2012): Leaky gut and autoimmune diseases. In: Clinical Reviews in Allergy and Immunology, 42(1), 71-78. PubMed PMID: 22109896.
- Camilleri, M. et al. (2012): Intestinal barrier function in health and gastrointestinal disease. In: Neurogastroenterology and Motility, 24(6), 503-512. PubMed PMID: 22583600.
- World Gastroenterology Organisation (WGO) Global Guidelines: Probiotics and Prebiotics (2023). Verfügbar unter: https://www.worldgastroenterology.org
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