Psychische Erkrankungen – Ursachen, Symptome & Behandlung
Psychische Erkrankungen sind Störungen des Denkens, Fühlens oder Verhaltens. Sie beeinträchtigen den Alltag und sind behandelbar.
Wissenswertes über "Psychische Erkrankungen"
Psychische Erkrankungen sind Störungen des Denkens, Fühlens oder Verhaltens. Sie beeinträchtigen den Alltag und sind behandelbar.
Was sind psychische Erkrankungen?
Psychische Erkrankungen, auch als psychische Störungen bezeichnet, umfassen ein breites Spektrum an Zuständen, die das Denken, Fühlen, Verhalten und die seelische Gesundheit eines Menschen beeinträchtigen. Sie können jeden Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht oder sozialem Hintergrund treffen und sind keine Zeichen von Schwäche oder persönlichem Versagen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leidet weltweit etwa jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens an einer psychischen Erkrankung.
Ursachen
Die Entstehung psychischer Erkrankungen ist in den meisten Fällen auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurückzuführen:
- Biologische Faktoren: Genetische Veranlagung, Veränderungen im Gehirnstoffwechsel (z. B. Ungleichgewicht von Neurotransmittern wie Serotonin oder Dopamin), neurologische Erkrankungen.
- Psychologische Faktoren: Traumatische Erlebnisse, anhaltender Stress, negatives Denken, ungünstige Bewältigungsstrategien.
- Soziale Faktoren: Soziale Isolation, familiäre Konflikte, Armut, Diskriminierung oder einschneidende Lebensereignisse wie Verlust oder Trauer.
- Umweltfaktoren: Substanzmissbrauch, Schlafmangel, chronische körperliche Erkrankungen.
Häufige Formen psychischer Erkrankungen
Depressive Erkrankungen
Depression ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit. Betroffene leiden unter anhaltender Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit und häufig auch körperlichen Beschwerden wie Schlafstörungen oder Appetitveränderungen.
Angststörungen
Angststörungen umfassen verschiedene Formen wie Panikstörungen, generalisierte Angststörungen, soziale Phobien oder spezifische Phobien. Betroffene erleben übermäßige, unkontrollierbare Angst, die den Alltag stark einschränkt.
Schizophrenie und psychotische Störungen
Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung, die durch Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkstörungen und soziale Rückzugstendenzen gekennzeichnet ist. Sie erfordert meist eine langfristige, fachmännische Behandlung.
Bipolare Störungen
Bei bipolaren Störungen wechseln sich Phasen gehöbener Stimmung (Manie) und tiefer Depression ab. Diese Stimmungsschwankungen können das soziale und berufliche Leben stark beeinträchtigen.
Zwangsstörungen
Menschen mit Zwangsstörungen leiden unter wiederkehrenden, ungewollten Gedanken (Zwangsgedanken) und/oder fühlen sich gezwungen, bestimmte Handlungen zu wiederholen (Zwangshandlungen), um Angst zu reduzieren.
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Die PTBS entsteht als Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis. Typische Symptome sind Flashbacks, Alpträume, emotionale Taubheit und Übererregbarkeit.
Ess-Störungen
Essstörungen wie Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung betreffen das Essverhalten und das Körperbild und haben häufig schwerwiegende körperliche Folgen.
Symptome
Die Symptome psychischer Erkrankungen sind vielfältig und unterscheiden sich je nach Erkrankungsform. Häufige allgemeine Anzeichen sind:
- Anhaltende Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder Leere
- Starke Angst, Nervosität oder Panikattacken
- Veränderungen im Schlaf- und Essverhalten
- Rückzug von Familie, Freunden und sozialen Aktivitäten
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid
- Wahrnehmungsstörungen wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen
Diagnose
Die Diagnose psychischer Erkrankungen erfolgt durch Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie durch klinische Psychologen. Grundlage sind:
- Klinische Interviews und strukturierte diagnostische Gespräche
- Standardisierte Fragebögen und psychologische Tests
- Auswertung nach anerkannten Klassifikationssystemen wie dem ICD-11 (Internationale Klassifikation der Erkrankungen) oder dem DSM-5 (Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen)
- Körperliche Untersuchungen und Laborwerte zum Ausschluss organischer Ursachen
Behandlung
Psychische Erkrankungen sind in der Regel gut behandelbar. Die Behandlung richtet sich nach der Art und Schwere der Erkrankung und kombiniert häufig verschiedene Ansätze:
Psychotherapie
Verschiedene Formen der Psychotherapie, wie die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), tiefenpsychologisch fundierte Therapie oder systemische Therapie, helfen Betroffenen, belastende Gedankenmuster und Verhaltensweisen zu verändern.
Medikamentöse Behandlung
Je nach Diagnose kommen Antidepressiva, Antipsychotika, Stimmungsstabilisatoren oder Anxiolytika zum Einsatz. Diese Medikamente wirken auf den Stoffwechsel im Gehirn und lindern Symptome.
Weitere Therapieformen
- Ergotherapie zur Förderung der Alltagskompetenzen
- Soziotherapie zur Unterstützung der gesellschaftlichen Teilhabe
- Bewegungstherapie und Sport als ergänzende Maßnahme
- Stationare oder tagesklinische Behandlung bei schweren Erkrankungen
Wann zum Arzt?
Bei anhaltenden psychischen Beschwerden, die den Alltag beeinträchtigen und länger als zwei Wochen bestehen, sollte ein Arzt oder eine psychiatrische Fachkraft aufgesucht werden. Bei Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid ist sofortige Hilfe wichtig – zum Beispiel über die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos, 24h) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Mental disorders. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/mental-disorders (Stand: 2022).
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-11 – Internationale Klassifikation der Erkrankungen. Verfügbar unter: https://www.bfarm.de/icd.
- American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5). Arlington, VA: American Psychiatric Publishing, 2013.
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