Gangbild: Definition, Störungen & Therapie
Das Gangbild beschreibt die Art und Weise, wie ein Mensch geht. Veränderungen können auf neurologische, orthopädische oder muskuloskelettale Erkrankungen hinweisen.
Wissenswertes über "Gangbild"
Das Gangbild beschreibt die Art und Weise, wie ein Mensch geht. Veränderungen können auf neurologische, orthopädische oder muskuloskelettale Erkrankungen hinweisen.
Was ist das Gangbild?
Das Gangbild bezeichnet die charakteristische Art und Weise, wie ein Mensch sich zu Fuß fortbewegt. Es beschreibt den gesamten Bewegungsablauf beim Gehen, einschließlich der Schrittlänge, des Rhythmus, der Körperhaltung und der Koordination von Armen und Beinen. Ein normales Gangbild ist flüssig, symmetrisch und energieeffizient. Abweichungen vom normalen Gangbild werden als Gangstörungen bezeichnet und können auf verschiedene Erkrankungen hinweisen.
Bestandteile des Gangbildes
Der Gangzyklus besteht aus zwei Hauptphasen:
- Standphase: Der Fuß hat Bodenkontakt. Diese Phase macht etwa 60 % des Gangzyklus aus.
- Schwungphase: Das Bein wird nach vorne geschwungen, ohne Bodenkontakt. Diese Phase umfasst etwa 40 % des Zyklus.
Zusätzlich werden Parameter wie Schrittbreite, Schrittlänge, Gehgeschwindigkeit und Kadenz (Schritte pro Minute) zur Beurteilung herangezogen.
Ursachen von Gangstörungen
Veränderungen im Gangbild können viele Ursachen haben:
- Neurologische Erkrankungen: z. B. Morbus Parkinson, Schlaganfall, Multiple Sklerose, Polyneuropathie
- Orthopädische Ursachen: z. B. Arthrose, Bandscheibenvorfäll, Beinlängendifferenz
- Muskuloskelettale Ursachen: z. B. Muskelschwund, Muskelerkrankungen
- Altersbedingte Veränderungen: Verringerung der Muskelkraft und Balance im höheren Lebensalter
- Schmerzen: Schonhaltungen durch Schmerzen im Rücken, Hüfte, Knie oder Fuß
- Psychogene Ursachen: funktionelle Gangstörungen ohne organischen Befund
Typische Gangmuster und ihre Bedeutung
In der klinischen Praxis werden verschiedene charakteristische Gangmuster unterschieden:
- Parkinsonian-Gang: kleinschrittig, vornubergebeugte Haltung, verminderte Armbewegung, Startprobleme
- Hemiplegischer Gang (Zirkumduktionsgang): das betroffene Bein wird in einem Bogen nach außen geführt, typisch nach Schlaganfall
- Ataktischer Gang: breitbasig, unsicher, schwankend, bei Kleinhirnerkrankungen oder Gleichgewichtsstörungen
- Steppergang: übermäßiges Anheben des Knies durch Fußhebersächwäche, z. B. bei Peroneuslähmung
- Duchenne-Hinken: seitliches Neigen des Oberkörpers zur betroffenen Seite, häufig bei Hüftarthrose
- Trendelenburg-Gang: Absinken des Beckens zur Gegenseite durch Schwäche der Hüftabduktoren
Diagnose und Untersuchung des Gangbildes
Die Beurteilung des Gangbildes erfolgt durch verschiedene Methoden:
- Klinische Beobachtung: Der Arzt oder Physiotherapeut beobachtet den Patienten beim Gehen und beurteilt Haltung, Symmetrie und Bewegungsabläufe.
- Ganganalyse: Instrumentelle Ganganalyse mit Kameras, Druckplatten und Bewegungssensoren für eine genaue Messung biomechanischer Parameter.
- Standardisierte Tests: z. B. der Timed Up and Go Test (TUG) oder der 10-Meter-Gehtest zur Messung von Gehgeschwindigkeit und Mobilität.
- Neurologische und orthopädische Untersuchung: zur Klärung der Grundursache.
- Bildgebung: MRT oder Röntgen zur Darstellung struktureller Veränderungen.
Behandlung von Gangstörungen
Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache:
- Physiotherapie: Gangschulung, Kräftigungsübungen, Gleichgewichtstraining
- Hilfsmittel: Gehstock, Rollator, Orthesen oder Einlagen zur Unterstützung
- Medikamentöse Therapie: z. B. Levodopa bei Morbus Parkinson, Schmerztherapie bei orthopädischen Ursachen
- Operative Eingriffe: z. B. Hüft- oder Kniegelenkersatz bei schwerer Arthrose
- Neurologische Rehabilitation: bei Gangstörungen nach Schlaganfall oder anderen neurologischen Erkrankungen
Quellen
- Stolze H, Klebe S, Zechlin C et al. - Gangstörungen bei neurologischen Erkrankungen. Deutsches Ärzteblatt, 2005.
- Perry J, Burnfield JM - Gait Analysis: Normal and Pathological Function. 2nd edition, SLACK Incorporated, 2010.
- World Health Organization (WHO) - International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF), Geneva, 2001.
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