ACTH – Adrenocorticotropes Hormon erklärt
ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) ist ein Körpereigenes Hormon der Hirnanhangdrüse, das die Nebennierenrinde zur Cortisol-Produktion anregt und eine zentrale Rolle im Stressreaktionssystem des Körpers spielt.
Wissenswertes über "ACTH"
ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) ist ein Körpereigenes Hormon der Hirnanhangdrüse, das die Nebennierenrinde zur Cortisol-Produktion anregt und eine zentrale Rolle im Stressreaktionssystem des Körpers spielt.
Was ist ACTH?
ACTH steht für Adrenocorticotropes Hormon (auch Corticotropin oder Kortikotropin genannt). Es handelt sich um ein Peptidhormon, das in der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) – genauer im Hypophysenvorderlappen – gebildet und ins Blut ausgeschüttet wird. ACTH ist ein zentrales Element der sogenannten Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse), die die körperliche Stressreaktion steuert.
Wirkmechanismus
ACTH wird durch das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) aus dem Hypothalamus stimuliert. Nach der Ausschüttung in den Blutkreislauf bindet ACTH an spezifische Rezeptoren in der Nebennierenrinde und löst dort die Produktion und Freisetzung von Cortisol (dem wichtigsten Stresshormon des Menschen) sowie von anderen Steroidhormonen aus. Cortisol wirkt wiederum hemmend auf die ACTH-Ausschüttung zurück – ein Mechanismus, der als negative Rückkopplung bezeichnet wird.
Biologische Funktionen
- Regulation der Cortisolproduktion in der Nebennierenrinde
- Steuerung der körperlichen Stressantwort
- Beteiligung an der Regulation des Immunsystems
- Einfluss auf den Stoffwechsel (Zucker, Fett, Proteine)
- Mitwirkung bei der Regulierung des Blutdrucks
- Stimulation der Pigmentbildung in der Haut (da ACTH strukturell mit MSH verwandt ist)
ACTH-Spiegel und Tagesrhythmus
Die ACTH-Ausschüttung unterliegt einem natürlichen zirkadianen Rhythmus: Die höchsten Werte werden frühmorgens (ca. 6–8 Uhr) gemessen, die niedrigsten spätabends. Stress, Schlafmangel, Schmerzen und psychische Belastungen können die ACTH-Sekretion zusätzlich erhöhen.
Erkrankungen im Zusammenhang mit ACTH
Erhöhte ACTH-Werte
- Morbus Addison: Unterständigkeit der Nebennierenrinde; ACTH ist erhöht, da die Rückkopplung durch Cortisol fehlt
- Morbus Cushing (hypophysär): Ein ACTH-produzierender Tumor der Hypophyse führt zu übermäßiger Cortisolproduktion
- Ektopes ACTH-Syndrom: Bestimmte Tumoren außerhalb der Hypophyse (z.B. Bronchialkarzinom) produzieren ACTH
Erniedrigte ACTH-Werte
- Sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz: Bei Hypophysenschäden oder -tumoren kann die ACTH-Produktion vermindert sein
- Langzeittherapie mit Corticosteroiden: Exogen zugeführtes Cortisol hemmt über Rückkopplung die ACTH-Ausschüttung
Diagnose: Der ACTH-Test
In der klinischen Diagnostik wird häufig der ACTH-Stimulationstest (Synacthen-Test) eingesetzt. Dabei wird synthetisches ACTH injiziert und die anschließende Cortisol-Antwort der Nebennieren gemessen. Damit lässt sich beurteilen, ob die Nebennierenrinde ausreichend auf ACTH reagiert. Zusätzlich wird der basale ACTH-Blutspiegel bestimmt, um zwischen primärer (Nebenniere) und sekundärer (Hypophyse) Nebennierenrindeninsuffizienz zu unterscheiden.
ACTH als Medikament
Synthetisches ACTH (z.B. Tetracosactid) wird in der Medizin therapeutisch eingesetzt, zum Beispiel bei bestimmten Formen der Epilepsie im Kindesalter (West-Syndrom) sowie diagnostisch im Rahmen von Funktionstests der Nebenniere.
Quellen
- Boron, W. F. & Boulpaep, E. L. (2017). Medical Physiology (3. Auflage). Elsevier.
- Chrousos, G. P. (2009). Stress and disorders of the stress system. Nature Reviews Endocrinology, 5(7), 374–381.
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE): Leitlinien zur Nebennierenrindeninsuffizienz. Verfügbar unter: https://www.endokrinologie.net
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