Addison-Krise: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Addison-Krise ist ein lebensbedrohlicher Notfall durch akuten Mangel an Kortisol und Aldosteron. Sofortige medizinische Behandlung ist erforderlich.
Wissenswertes über "Addison Krise"
Die Addison-Krise ist ein lebensbedrohlicher Notfall durch akuten Mangel an Kortisol und Aldosteron. Sofortige medizinische Behandlung ist erforderlich.
Was ist eine Addison-Krise?
Die Addison-Krise (auch adrenale Krise oder Nebennierenrinden-Insuffizienz-Krise genannt) ist ein akuter, lebensbedrohlicher Zustand, der durch einen plötzlichen und schweren Mangel an lebenswichtigen Hormonen der Nebennierenrinde entsteht. Betroffen sind vor allem die Hormone Kortisol und Aldosteron. Ohne sofortige Behandlung kann eine Addison-Krise innerhalb von Stunden zum Tod führen.
Benannt ist die Erkrankung nach dem britischen Arzt Thomas Addison, der die chronische Nebennierenrindeninsuffizienz (den sogenannten Morbus Addison) im 19. Jahrhundert erstmals beschrieb. Die Krise stellt die akute, dekompensierte Form dieser Erkrankung dar.
Ursachen
Eine Addison-Krise kann verschiedene Auslöser haben:
- Bekannter Morbus Addison: Patienten mit einer bereits diagnostizierten Nebennierenrindeninsuffizienz, die ihre Medikamente nicht einnehmen, vergessen oder bei körperlichem Stress (Infektion, Operation, Verletzung) die Dosis nicht anpassen.
- Erstmanifestation: Eine bisher unerkannte Nebennierenrindeninsuffizienz, die erstmals durch einen körperlichen Stress ausge löst wird.
- Plötzlicher Abbruch einer Kortikosteroid-Therapie: Patienten, die über längere Zeit Kortison eingenommen haben und die Therapie abrupt beenden.
- Bilaterale Nebennierenblutung (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom): Blutungen in beide Nebennieren, häufig bei schwerer Sepsis (Blutvergiftung).
- Chirurgische Entfernung der Nebennieren ohne ausreichende Hormonersatztherapie.
- Hypophysenversagen: Ausfall der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die die Nebennieren steuert (sekundäre Nebenniereninsuffizienz).
Symptome
Die Symptome einer Addison-Krise entwickeln sich oft rasch und können lebensbedrohlich sein:
- Starker Blutdruckabfall (Hypotonie) bis hin zum Schock
- Extreme Schwäche und Erschöpfung
- Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
- Starke Bauchschmerzen
- Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder Desorientiertheit
- Hohes Fieber
- Hypoglykämie (Unterzuckerung)
- Hyponatriämie (Natriummangel) und Hyperkaliämie (Kaliumerhöhung)
- Tachykardie (beschleunigter Herzschlag)
Diagnose
Die Diagnose einer Addison-Krise ist in erster Linie eine klinische Notfalldiagnose. Bei Verdacht darf die Behandlung nicht auf Laborergebnisse gewartet werden. Dennoch werden folgende Untersuchungen durchgeführt:
- Blutuntersuchung: Messung von Kortisol, Natrium, Kalium, Blutzucker, Blutbild und Nierenretentionswerte
- ACTH-Stimulationstest: Zur Sicherung einer Nebennierenrindeninsuffizienz (nach Überstehen der Krise)
- Blutdruckmessung und EKG
- Bildgebung (CT oder MRT der Nebennieren) bei ungeklärter Ursache
Behandlung
Die Behandlung der Addison-Krise ist ein medizinischer Notfall und muss sofort eingeleitet werden:
- Sofortige Kortisol-Gabe: Intravenous oder intramuskuläre Injektion von Hydrokortison (z.B. 100 mg i.v. als Bolus, danach kontinuierlich oder alle 6 Stunden)
- Infusionstherapie: Intravenous zugeführte Kochsalzlösung (0,9% NaCl) zur Stabilisierung des Blutdrucks und Ausgleich des Salzverlustes
- Glukose-Infusion: Zur Korrektur einer Unterzuckerung
- Elektrolytausgleich: Korrektur von Natrium- und Kaliumwerten
- Behandlung der Ursache: z.B. Antibiotika bei Infektionen als Auslöser
- Überwachung auf einer Intensivstation bis zur Stabilisierung
Notfallausweis und Notfallset
Patienten mit bekanntem Morbus Addison sollten stets einen Notfallausweis bei sich tragen und ein Notfallset mit Hydrokortison zur Selbstinjektion besitzen. In einer Krisensituation, in der keine sofortige ärztliche Hilfe verfügbar ist, kann die Selbstgabe lebensrettend sein. Angehörige sollten in die Anwendung eingewiesen werden.
Prävention
Die Vorbeugung einer Addison-Krise bei bekannten Risikopatienten umfasst:
- Regelmäßige Einnahme der verordneten Hormonersatztherapie (z.B. Hydrokortison, Fludrokortison)
- Dosisanpassung bei Stress (z.B. Infektion, Operation): Verdopplung oder Verdreifachung der Kortisoldosis nach ärztlicher Anweisung (sogenannte Stressregel)
- Tragen eines Notfallausweises
- Schulung des Patienten und seiner Angehörigen
- Regelmäßige endokrinologische Kontrollen
Quellen
- Bornstein SR et al. - Diagnosis and Treatment of Primary Adrenal Insufficiency: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2016.
- Husebye ES, Allolio B, Arlt W et al. - Consensus statement on the diagnosis, treatment and follow-up of patients with primary adrenal insufficiency. Journal of Internal Medicine, 2014.
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) - Leitlinie Nebenniereninsuffizienz, 2019.
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