Adoptiver Zelltransfer: Immuntherapie bei Krebs
Adoptiver Zelltransfer ist eine Immuntherapie, bei der körpereigene Immunzellen entnommen, im Labor verändert und zur Krebsbehandlung reinfundiert werden.
Wissenswertes über "Adoptiver Zelltransfer"
Adoptiver Zelltransfer ist eine Immuntherapie, bei der körpereigene Immunzellen entnommen, im Labor verändert und zur Krebsbehandlung reinfundiert werden.
Was ist Adoptiver Zelltransfer?
Der Adoptive Zelltransfer (kurz: ACT) ist eine fortschrittliche Form der Immuntherapie, die vor allem in der Krebsmedizin eingesetzt wird. Dabei werden dem Patienten Immunzellen – in der Regel T-Zellen – entnommen, außerhalb des Körpers im Labor gezielt verändert oder vermehrt und anschließend wieder in den Körper zurückgeführt. Das Ziel ist es, das Immunsystem des Patienten so zu stärken, dass es Krebszellen effektiver erkennen und bekämpfen kann.
Funktionsweise und Wirkmechanismus
Das Grundprinzip des Adoptieven Zelltransfers basiert auf der natürlichen Fähigkeit des Immunsystems, körperfremde oder veränderte Zellen zu erkennen und zu zerstören. Bei Krebs ist diese Fähigkeit jedoch häufig eingeschränkt. Der ACT umgeht dieses Problem durch folgende Schritte:
- Entnahme: Immunzellen (meist T-Zellen) werden aus dem Blut oder dem Tumorgewebe des Patienten gewonnen.
- Modifikation: Die Zellen werden im Labor genetisch verändert oder gezielt selektiert, um ihre tumorbekämpfenden Eigenschaften zu verstärken.
- Vermehrung: Die veränderten Zellen werden in großer Anzahl vermehrt.
- Rückgabe: Die Zellen werden dem Patienten über eine Infusion zurückgegeben, wo sie gezielt gegen Tumorzellen vorgehen.
Arten des Adoptieven Zelltransfers
TIL-Therapie (Tumor-infiltrierende Lymphozyten)
Bei dieser Methode werden Lymphozyten, die bereits in den Tumor eingedrungen sind, entnommen, im Labor stark vermehrt und reinfundiert. Diese Zellen haben eine natürliche Affinität zum Tumor und können ihn effektiv angreifen.
CAR-T-Zell-Therapie
Bei der CAR-T-Zell-Therapie (Chimeric Antigen Receptor T-Cell Therapy) werden T-Zellen genetisch so verändert, dass sie auf ihrer Oberfläche einen künstlichen Rezeptor tragen, der spezifisch an Krebszellen bindet. Diese Methode hat besonders bei bestimmten Formen von Leukämie und Lymphomen große Erfolge erzielt.
TCR-Therapie (T-Zell-Rezeptor-Therapie)
Hierbei werden T-Zellen so verändert, dass sie einen spezifischen T-Zell-Rezeptor (TCR) exprimieren, der Krebszellen anhand ihrer inneren Proteine erkennt. Diese Methode eignet sich auch für Tumorarten, die keine oberflächlichen Antigene aufweisen.
Anwendungsgebiete
Der Adoptive Zelltransfer wird hauptsächlich bei folgenden Erkrankungen eingesetzt oder erforscht:
- Hämatologische Krebserkrankungen: Leukämien, Lymphome, Multiples Myelom
- Solide Tumoren: Melanom, Lungen-, Brust- und Darmkrebs (teils noch in klinischen Studien)
- Infektionskrankheiten: Forschungsansätze bei HIV und anderen viralen Infektionen
Nebenwirkungen und Risiken
Wie alle intensiven Therapien kann der Adoptive Zelltransfer erhebliche Nebenwirkungen verursachen:
- Zytokin-Release-Syndrom (CRS): Eine überschießende Immunreaktion, die mit Fieber, Blutdruckabfall und Organschäden verbunden sein kann.
- Neurotoxizität: Neurologische Symptome wie Verwirrtheit oder Krampfanfälle, insbesondere bei CAR-T-Zell-Therapien.
- Infektionen: Da das Immunsystem während der Therapie geschwächt sein kann, besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko.
- On-Target/Off-Tumor-Effekte: Die modifizierten Zellen können auch gesundes Gewebe angreifen, das ähnliche Merkmale wie der Tumor aufweist.
Aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven
Der Adoptive Zelltransfer gehört zu den vielversprechendsten Gebieten der modernen Onkologie. Zahlreiche klinische Studien untersuchen den Einsatz bei soliden Tumoren, bei denen die Therapie bisher schwieriger anzuwenden ist als bei Blutkrebs. Die Entwicklung von allogenen (fremdspendern entnommenen) Zellprodukten, die sogenannten "Off-the-shelf"-Therapien, könnte den Zugang zu dieser Behandlung in Zukunft erheblich vereinfachen und die Kosten senken.
Quellen
- Rosenberg SA, Restifo NP. Adoptive cell transfer as personalized immunotherapy for human cancer. Science. 2015;348(6230):62-68.
- June CH, et al. CAR T cell immunotherapy for human cancer. Science. 2018;359(6382):1361-1365.
- Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). Immuntherapie: Adoptiver Zelltransfer. Heidelberg, 2023. Verfügbar unter: https://www.dkfz.de
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