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Aerotolerante Mikroorganismen können in Gegenwart von Sauerstoff überleben, ohne ihn für ihr Wachstum zu benötigen. Sie sind ein wichtiges Konzept in der Mikrobiologie und Infektionsmedizin.
Aerotolerante Mikroorganismen können in Gegenwart von Sauerstoff überleben, ohne ihn für ihr Wachstum zu benötigen. Sie sind ein wichtiges Konzept in der Mikrobiologie und Infektionsmedizin.
Aerotolerant bezeichnet Mikroorganismen – meist Bakterien – die zwar keinen Sauerstoff für ihr Wachstum benötigen, ihn aber vertragen können, ohne dabei geschädigt zu werden. Sie unterscheiden sich damit sowohl von aeroben Organismen (die auf Sauerstoff angewiesen sind) als auch von strikt anaeroben Organismen (für die Sauerstoff giftig ist).
Mikroorganismen werden nach ihrer Beziehung zu molekularem Sauerstoff (O₂) in verschiedene Gruppen eingeteilt:
Aerotolerante Organismen besitzen spezielle Schutzmechanismen, die sie vor den toxischen Effekten reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) schützen. Zu diesen Mechanismen gehören:
Da aerotolerante Organismen keine Atmungskette besitzen, gewinnen sie ihre Energie ausschließlich über Fermentationsprozesse – unabhängig davon, ob Sauerstoff vorhanden ist oder nicht.
Aerotolerante Bakterien spielen in verschiedenen medizinischen und biologischen Bereichen eine wichtige Rolle:
Viele aerotolerante Milchsäurebakterien, insbesondere der Gattung Lactobacillus und Streptococcus, sind in der Lebensmittelproduktion (z. B. Joghurt, Käse) und als Probiotika von großer Bedeutung. Sie können den menschlichen Verdauungstrakt besiedeln, obwohl dort zeitweise Sauerstoff vorhanden ist.
Einige aerotolerante Bakterien sind humanpathogen, also in der Lage, beim Menschen Krankheiten zu verursachen. Ein bekanntes Beispiel ist Erysipelothrix rhusiopathiae, der Erreger des Rotlaufs. Das Verständnis der Sauerstofftoleranz hilft bei der Planung von Kultivierungsbedingungen im Labor sowie bei der Wahl geeigneter Therapiestrategien.
In der mikrobiologischen Diagnostik ist die Einstufung eines Erregers als aerotolerant klinisch relevant. Sie beeinflusst, unter welchen Bedingungen Proben transportiert und angezüchtet werden müssen. Aerotolerante Organismen können im Gegensatz zu strikt Anaerobiern auch bei kurzer Luftexposition noch kultiviert werden.
Ein häufiges Missverständnis ist die Verwechslung von aerotoleranten und fakultativ anaeroben Organismen. Der wesentliche Unterschied liegt in der Energiegewinnung: Fakultativ Anaerobe können sowohl die aerobe Atmung als auch die Gärung nutzen, während aerotolerante Anaerobier ausschließlich fermentieren – auch wenn Sauerstoff vorhanden ist. Sie profitieren metabolisch nicht von Sauerstoff, werden aber auch nicht durch ihn geschädigt.
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