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Agalaktie – Ursachen, Symptome und Behandlung

Agalaktie bezeichnet das vollständige Ausbleiben der Milchproduktion nach der Geburt. Sie kann das Stillen unmöglich machen und erfordert ärztliche Abklärung.

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Wissenswertes über "Agalaktie"

Agalaktie bezeichnet das vollständige Ausbleiben der Milchproduktion nach der Geburt. Sie kann das Stillen unmöglich machen und erfordert ärztliche Abklärung.

Was ist Agalaktie?

Agalaktie (auch Agalaxie) bezeichnet das vollständige Ausbleiben der Muttermilchproduktion nach der Geburt eines Kindes. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: a (ohne) und gala (Milch). Im Gegensatz zur Hypogalaktie, bei der die Milchmenge lediglich vermindert ist, wird bei der Agalaktie überhaupt keine Muttermilch gebildet. Dies stellt eine seltene, aber medizinisch bedeutsame Störung der Laktation dar.

Ursachen

Die Agalaktie kann auf verschiedene organische und funktionelle Ursachen zurückgeführt werden:

  • Hormonelle Störungen: Ein Mangel an Prolaktin, dem wichtigsten milchbildenden Hormon, ist eine häufige Ursache. Dies kann durch Schäden an der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) entstehen, z. B. durch das Sheehan-Syndrom (Hypophyseninfarkt nach schwerer Blutung unter der Geburt).
  • Medikamente: Bestimmte Arzneimittel wie Dopaminagonisten (z. B. Bromocriptin) oder Antihistaminika können die Milchbildung hemmen.
  • Anatomische Ursachen: Fehlbildungen der Brustdrüse, Narbengewebe nach Operationen oder starke Verbrennungen können die Drüsenstruktur zerstören.
  • Psychischer Stress: Starker emotionaler Stress oder Traumata können die hormonelle Regulierung der Laktation stören.
  • Frühgeburtlichkeit: Bei sehr früh geborenen Kindern kann die Milchabgabe verzögert einsetzen oder ausbleiben.
  • Primäre Agalaktie: In seltenen Fällen ist die Brustdrüse von Geburt an nicht ausreichend entwickelt (hypoplastisches Brustdrüsengewebe).

Symptome

Das Hauptmerkmal der Agalaktie ist das vollständige Ausbleiben des Milcheinschusses nach der Geburt. Typische Anzeichen können sein:

  • Keine Schwellung oder Wärme der Brust nach der Geburt
  • Das Kind zeigt anhaltende Hungerzeichen und nimmt nicht ausreichend an Gewicht zu
  • Kein Kolostrum (Vormilch) in den ersten Tagen nach der Geburt
  • Trockene Windeln beim Neugeborenen (Zeichen für unzureichende Flüssigkeitszufuhr)

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel klinisch durch eine Hebamme oder einen Arzt gestellt. Folgende Untersuchungen können ergänzend durchgeführt werden:

  • Hormonanalyse: Bestimmung des Prolaktinspiegels im Blut
  • Bildgebung: Ultraschall oder MRT der Hypophyse bei Verdacht auf eine hormonelle Ursache
  • Gewichtskontrolle des Neugeborenen: Regelmäßige Gewichtsmessungen zur Beurteilung der Nahrungsaufnahme
  • Anamnese: Erfassung von Vorerkrankungen, Medikamenten und Geburtsgeschichte

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

  • Laktationsfördernde Maßnahmen: Häufiges Anlegen des Kindes, Milchpumpen und Wärmeapplikationen können die Milchbildung anregen.
  • Medikamentöse Therapie: In bestimmten Fällen kann der Arzt Domperidon oder andere Medikamente verschreiben, die den Prolaktinspiegel erhöhen.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Liegt ein Sheehan-Syndrom oder ein Hypophysentumor vor, muss dieser gezielt behandelt werden.
  • Stillberatung: Professionelle Unterstützung durch eine Stillberaterin oder Hebamme ist essenziell.
  • Supplementierung: Wenn das Stillen nicht möglich ist, muss das Kind mit adaptierten Säuglingsnahrungen versorgt werden, um eine ausreichende Ernährung sicherzustellen.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten umgehend ärztliche Hilfe suchen, wenn das Neugeborene in den ersten Tagen nach der Geburt keine ausreichende Nahrungsmenge erhält, stark an Gewicht verliert oder Anzeichen einer Dehydration zeigt. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend für das Wohlbefinden von Mutter und Kind.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Infant and young child feeding. Fact Sheet, 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infant-and-young-child-feeding
  2. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 268. Auflage. De Gruyter, Berlin 2020.
  3. Lawrence RA, Lawrence RM: Breastfeeding: A Guide for the Medical Profession. 8th Edition. Elsevier, Philadelphia 2016.

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