Akkermansia muciniphila: Darmgesundheit & Mikrobiom
Akkermansia muciniphila ist ein Darmbakterium, das die Darmbarriere stärkt und den Stoffwechsel unterstützt. Es gilt als wichtiger Bestandteil eines gesunden Mikrobioms.
Wissenswertes über "Akkermansia"
Akkermansia muciniphila ist ein Darmbakterium, das die Darmbarriere stärkt und den Stoffwechsel unterstützt. Es gilt als wichtiger Bestandteil eines gesunden Mikrobioms.
Was ist Akkermansia?
Akkermansia muciniphila ist ein gram-negatives Bakterium, das natürlicherweise im menschlichen Darm vorkommt. Es gehört zum Stamm der Verrucomicrobia und wurde 2004 erstmals wissenschaftlich beschrieben. Das Bakterium besiedelt die Schleimhautschicht (Muzinschicht) des Dickdarms und spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit der Darmbarriere sowie für zahlreiche Stoffwechselprozesse.
Biologische Funktion und Wirkmechanismus
Akkermansia muciniphila ernährt sich hauptsächlich von Muzin, dem Hauptbestandteil des Darmschleims. Dabei werden kurzkettige Fettsäuren (insbesondere Acetat und Propionat) produziert, die als Energiequelle für andere Darmzellen dienen und entzündungshemmend wirken.
- Stärkung der Darmbarriere: Das Bakterium fördert die Produktion von Muzin und erhöht die Dichte der sogenannten „Tight Junctions“ (Zellverbindungen), die verhindern, dass schädliche Substanzen aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen.
- Stoffwechselregulation: Studien zeigen, dass eine höhere Konzentration von Akkermansia mit einem besseren Blutzuckermanagement und einem niedrigeren Körpergewicht assoziiert ist.
- Immunmodulation: Das Bakterium beeinflusst das Immunsystem positiv, indem es eine überschießende Entzündungsreaktion dämpft.
Gesundheitliche Bedeutung
In zahlreichen klinischen und präklinischen Studien wurde ein Zusammenhang zwischen niedrigen Akkermansia-Spiegeln und verschiedenen Erkrankungen festgestellt:
- Metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes: Personen mit Übergewicht oder Insulinresistenz weisen häufig verminderte Akkermansia-Konzentrationen im Darm auf.
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa wurden reduzierte Akkermansia-Werte beobachtet.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Eine verminderte Akkermansia-Besiedlung wird auch mit kardiovaskulären Risikofaktoren in Verbindung gebracht.
- Krebstherapie: Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass Akkermansia die Wirksamkeit von Immun-Checkpoint-Inhibitoren (einer Form der Krebsimmuntherapie) verbessern kann.
Wie kann man Akkermansia fördern?
Die Konzentration von Akkermansia muciniphila im Darm kann durch gezielte Ernährungs- und Lebensstilmaßnahmen positiv beeinflusst werden:
- Ballaststoffreiche Ernährung: Präbiotische Ballaststoffe aus Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten fördern das Wachstum von Akkermansia.
- Polyphenole: Pflanzliche Sekundärstoffe, die in Beeren, grünem Tee, Granatapfel und dunkler Schokolade vorkommen, können Akkermansia-Populationen unterstützen.
- Omega-3-Fettsäuren: Enthalten in fettem Fisch und Leinsamenprodukten; begünstigen ein ausgeglichenes Mikrobiom.
- Kalorienrestriktion und intermittierendes Fasten: Studien zeigen, dass diese Strategien den Anteil von Akkermansia erhöhen können.
- Akkermansia-Supplemente: Pasteurisierte (hitzebehandelte) Akkermansia muciniphila-Präparate sind als Nahrungsergänzungsmittel in der EU erhältlich und wurden in Studien als sicher und wirksam eingestuft.
Sicherheit und Dosierung
Pasteurisierte Akkermansia-Präparate gelten nach aktuellen Studien als gut verträglich. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat den Einsatz von pasteurisiertem Akkermansia muciniphila als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) zugelassen. Typische Dosierungen in klinischen Studien liegen bei 109 bis 1010 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro Tag. Bei Personen mit stark geschwächtem Immunsystem sollte eine Einnahme nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Quellen
- Plovier H et al. (2017): A purified membrane protein from Akkermansia muciniphila or the pasteurized bacterium improves metabolism in obese and diabetic mice. Nature Medicine, 23(1), 107-113.
- Depommier C et al. (2019): Supplementation with Akkermansia muciniphila in overweight and obese human volunteers: a proof-of-concept exploratory study. Nature Medicine, 25(7), 1096-1103.
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (2021): Safety of pasteurised Akkermansia muciniphila as a novel food. EFSA Journal, 19(9), e06780.
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