Akrinor – Wirkung, Anwendung & Dosierung
Akrinor ist ein Kombinations-Kreislaufmittel aus Cafedrin und Theodrenalin, das bei Blutdruckabfall eingesetzt wird, besonders in der Anästhesie und Geburtshilfe.
Wissenswertes über "Akrinor"
Akrinor ist ein Kombinations-Kreislaufmittel aus Cafedrin und Theodrenalin, das bei Blutdruckabfall eingesetzt wird, besonders in der Anästhesie und Geburtshilfe.
Was ist Akrinor?
Akrinor ist ein kreislaufwirksames Arzneimittel, das in der klinischen Medizin zur Behandlung von akutem Blutdruckabfall (Hypotonie) eingesetzt wird. Es handelt sich um eine Fixkombination aus zwei Wirkstoffen: Cafedrin und Theodrenalin im Verhältnis 200:1. Akrinor ist ausschließlich zur intravenösen oder intramuskulären Anwendung bestimmt und wird vorwiegend in Kliniken verwendet.
Wirkstoffe und Wirkmechanismus
Die Kombination aus Cafedrin und Theodrenalin entfaltet ihre Wirkung über mehrere pharmakologische Mechanismen:
- Cafedrin ist ein Xanthin-Derivat (strukturverwandt mit Theophyllin und Koffein) und hemmt das Enzym Phosphodiesterase. Dadurch wird der Abbau von cAMP (zyklisches Adenosinmonophosphat) verlangsamt, was zu einer Steigerung der Herzfrequenz und Herzleistung führt.
- Theodrenalin ist ein sympathomimetisch wirksames Amin, das α- und β-adrenerge Rezeptoren stimuliert. Dadurch kommt es zu einer Erhöhung des peripheren Gefäßwiderstands und einer positiv inotropen sowie chronotropen Wirkung am Herzen.
In der Kombination wirken beide Substanzen synergistisch: Der Blutdruck wird durch Erhöhung des Herzminutenvolumens und durch leichte Vasokonstriktion stabilisiert.
Anwendungsgebiete
Akrinor wird bevorzugt in folgenden klinischen Situationen eingesetzt:
- Hypotonie während einer Spinal- oder Periduralnästhesie (rückenmarksnahe Regionalästhesie)
- Kreislaufdepression in der Geburtshilfe, z. B. bei Anästhesie während eines Kaiserschnitts
- Akuter Blutdruckabfall in der perioperativen Phase (vor, während oder nach Operationen)
- Hypotone Zustände infolge von Medikamentenwirkungen (z. B. durch starke Analgetika oder Anästhetika)
Dosierung und Anwendung
Akrinor wird üblicherweise als intravenöse Injektion verabreicht, in der Regel titriert – das heißt, die Dosis wird schrittweise angepasst, bis der gewünschte Blutdruckanstieg erreicht ist. Die genaue Dosierung richtet sich nach dem klinischen Bild des Patienten und sollte ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal bestimmt werden. Eine typische Einzeldosis beträgt 0,5–2 ml (entsprechend 100–400 mg Cafedrin / 0,5–2 mg Theodrenalin), die langsam injiziert wird.
Nebenwirkungen
Wie alle Arzneimittel kann Akrinor Nebenwirkungen verursachen, die jedoch bei bestimmungsgemäßer Anwendung selten auftreten:
- Herzrasen (Tachykardie) oder Herzrhythmusstörungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Kopfschmerzen
- Unruhe und Zittern
- Starker Blutdruckanstieg (Hypertonie) bei Überdosierung
- Herzschmerzen (Angina pectoris) bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung
Gegenanzeigen
Akrinor sollte nicht angewendet werden bei:
- Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Cafedrin, Theodrenalin oder einem der Hilfsstoffe
- Schwerer Hypertonie (Bluthochdruck)
- Hypertrophischer obstruktiver Kardiomyopathie (HOCM)
- Tachykarden Herzrhythmusstörungen
- Engwinkelglaukom
- Phäochromozytom (Nebennierenmkmarkstumor)
Besonderheiten in der Geburtshilfe
Akrinor gilt als Mittel der Wahl zur Behandlung der Spinalästhesie-induzierten Hypotonie in der Geburtshilfe in Deutschland. Im Gegensatz zu reinen Vasopressoren wie Phenylephrin erhöht Akrinor das Herzminutenvolumen und wird daher bei geburtshilflichen Anästhesien bevorzugt, um die Blutversorgung der Gebärmutter und des Ungeborenen nicht zu beeinträchtigen. Die Datenlage ist jedoch weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen.
Quellen
- Fachinformation Akrinor® Ampullen – ratiopharm GmbH, Stand der Information gemäß aktuellem Zulassungsstatus (AMIS-Datenbank / BfArM).
- Kainer F. et al. – Praxis der Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme Verlag, aktuelle Auflage.
- Ngan Kee W.D. – The use of vasopressors during spinal anaesthesia for caesarean section. Best Practice & Research Clinical Anaesthesiology, 2017.
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