-
DE
Was ist ARDS? Ursachen, Symptome, Berlin-Kriterien und neue globale Definition, Behandlung mit Beatmung, Bauchlage und ECMO sowie Spätfolgen.
Zu bevorzugten Quellen hinzufügenDas akute Atemnotsyndrom (ARDS) ist eine lebensbedrohliche Lungenerkrankung, bei der die Lunge durch Entzündungen schwer geschädigt wird und nicht mehr ausreichend Sauerstoff aufnehmen kann.
Das akute Atemnotsyndrom (englisch: Acute Respiratory Distress Syndrome, kurz ARDS) ist ein plötzlich einsetzendes, lebensbedrohliches Lungenversagen. Durch eine heftige Entzündungsreaktion werden die feinen Wände der Lungenbläschen durchlässig, Flüssigkeit tritt in die Lunge über, und der Sauerstoff gelangt nicht mehr ausreichend ins Blut. ARDS ist keine eigenständige Krankheit, sondern entsteht als Folge einer anderen schweren Erkrankung oder Verletzung. Betroffene müssen fast immer auf der Intensivstation behandelt werden. Früher wurde ARDS auch als Schocklunge bezeichnet.
ARDS kann durch Erkrankungen ausgelöst werden, die die Lunge direkt oder indirekt über den Blutkreislauf schädigen:
Die Beschwerden beginnen meist innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen nach dem auslösenden Ereignis, spätestens innerhalb einer Woche:
Grundlage der Diagnose ist bis heute die Berlin-Definition von 2012. Danach liegt ein ARDS vor, wenn:
Nach dem Horovitz-Quotienten wird der Schweregrad eingeteilt:
2024 wurde eine neue globale Definition veröffentlicht, die auf der Berlin-Definition aufbaut. Sie erlaubt die Diagnose auch bei Patienten, die noch nicht invasiv beatmet werden, sondern Sauerstoff über eine High-Flow-Nasenbrille erhalten. Außerdem kann der Sauerstoffgehalt per Pulsoxymetrie statt Blutgasanalyse bestimmt und die Lunge auch per Ultraschall beurteilt werden. So lässt sich ARDS früher erkennen, auch in Kliniken mit begrenzten Mitteln.
Ein Medikament, das ARDS heilt, gibt es nicht. Die Behandlung soll die Sauerstoffversorgung sichern, die Lunge vor weiteren Schäden schützen und ihr Zeit zur Erholung geben. Gleichzeitig wird die auslösende Erkrankung behandelt, zum Beispiel eine Sepsis mit Antibiotika.
Bei leichteren Formen kann zunächst Sauerstoff über eine High-Flow-Nasenbrille oder eine Atemmaske (nicht-invasive Beatmung) ausreichen. Reicht das nicht, wird der Patient über einen Beatmungsschlauch maschinell beatmet. Dabei kommt eine lungenschonende (lungenprotektive) Beatmung zum Einsatz: kleine Atemzugvolumina, begrenzte Beatmungsdrücke und ein ausreichend hoher PEEP (positiver Druck am Ende der Ausatmung), damit die Lungenbläschen offen bleiben.
Bei schwerem ARDS wird der Patient für mehr als 12 Stunden täglich auf den Bauch gedreht. Dadurch werden mehr Lungenbereiche belüftet, die Sauerstoffversorgung verbessert sich, und die Sterblichkeit sinkt nachweislich.
Bei sehr schwerem ARDS, das trotz aller Maßnahmen nicht ausreichend auf die Beatmung anspricht, kann in spezialisierten Zentren eine ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung) eingesetzt werden. Dabei wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert. Die Maschine übernimmt so vorübergehend die Aufgabe der Lunge.
ARDS ist trotz moderner Intensivmedizin eine sehr ernste Erkrankung. Die Sterblichkeit liegt je nach Schweregrad und Grunderkrankung bei etwa 30 bis 45 Prozent. Viele Überlebende leiden noch Monate bis Jahre unter den Folgen der Erkrankung und der Intensivbehandlung, etwa unter Muskelschwäche, Erschöpfung, eingeschränkter Lungenfunktion, Konzentrationsstörungen, Angst oder Depressionen. Man spricht dann vom Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS). Eine gezielte Rehabilitation kann helfen.
Eine Lungenentzündung ist eine Infektion der Lunge. ARDS ist dagegen ein schweres Lungenversagen, das durch eine überschießende Entzündungsreaktion entsteht. Eine Lungenentzündung ist die häufigste Ursache für ARDS, aber nicht jede Lungenentzündung führt zu einem ARDS.
Ja, die Lunge kann sich vollständig oder weitgehend erholen, wenn der Patient die akute Phase übersteht. Bei manchen Betroffenen bleiben jedoch dauerhafte Einschränkungen der Lungenfunktion oder der körperlichen Belastbarkeit zurück.
Die akute Phase mit Intensivbehandlung dauert meist mehrere Tage bis Wochen. Die vollständige Erholung kann bei Überlebenden Monate bis Jahre in Anspruch nehmen.