Alpha-1-Antitrypsin: Mangel, Symptome & Therapie
Alpha-1-Antitrypsin ist ein körpereigenes Protein, das Lunge und Leber schützt. Ein Mangel kann zu schweren Lungenerkrankungen und Leberschaden führen.
Wissenswertes über "Alpha-1-Antitrypsin"
Alpha-1-Antitrypsin ist ein körpereigenes Protein, das Lunge und Leber schützt. Ein Mangel kann zu schweren Lungenerkrankungen und Leberschaden führen.
Was ist Alpha-1-Antitrypsin?
Alpha-1-Antitrypsin (A1AT) ist ein Protein, das hauptsächlich in der Leber produziert und in die Blutbahn abgegeben wird. Es gehört zur Gruppe der Serinprotease-Inhibitoren (Serpine) und hat die Aufgabe, aggressive Enzyme – insbesondere die Neutrophilenelastase – zu hemmen. Diese Enzyme werden vom Immunsystem freigesetzt, um Krankheitserreger zu bekämpfen, können aber bei übermäßiger Aktivität körpereigenes Gewebe, vor allem in der Lunge, schädigen. Alpha-1-Antitrypsin wirkt daher als wichtiger Schutzfaktor für das Lungengewebe.
Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Ursachen
Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (A1AT-Mangel) ist eine der häufigsten angeborenen Stoffwechselerkrankungen. Er wird autosomal-kodominant vererbt und beruht auf Mutationen im SERPINA1-Gen auf Chromosom 14. Die häufigsten krankheitsverursachenden Varianten sind:
- PiZZ-Genotyp: Beide Genkopien tragen die Z-Mutation; führt zu stark erniedrigten A1AT-Spiegeln im Blut und zur Anhäufung von fehlgefaltetem Protein in den Leberzellen.
- PiSZ-Genotyp: Kombinierte S- und Z-Mutation; mittelschwerer Mangel.
- PiMZ-Genotyp: Eine normale (M) und eine Z-Kopie; meist leichter Mangel, höheres Risiko bei zusätzlichen Risikofaktoren wie Rauchen.
Weltweit sind schätzungsweise 3,4 Millionen Menschen von einem schweren A1AT-Mangel betroffen. In Europa ist die Erkrankung besonders verbreitet.
Symptome und betroffene Organe
Lunge
In der Lunge führt ein Mangel an Alpha-1-Antitrypsin zu einer ungebremsten Aktivität von Elastase, die das empfindliche Lungengewebe abbaut. Dies verursacht:
- Lungenemphysem: Zerstörung der Lungenblasen (Alveolen), häufig bereits im Alter von 30–50 Jahren
- Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): Atemnot, chronischer Husten, vermehrter Auswurf
- Bronchiektasen: Dauerhafte Erweiterung der Bronchien
Rauchen beschleunigt die Lungenzrstörung erheblich und gilt als wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor.
Leber
Das fehlgefaltete A1AT-Protein (insbesondere beim ZZ-Genotyp) lagert sich in den Leberzellen ab, anstatt ins Blut abgegeben zu werden. Dies kann zu:
- Neugeborenen-Hepatitis (Gelbsucht beim Säugling)
- Leberfibrose und Leberzirrhose
- Erhöhtem Risiko für hepatozelluläres Karzinom (Leberkrebs)
Weitere Organe
Seltenere Manifestationen umfassen Panniculitis (Entzündung des Unterhautfettgewebes) sowie Gefäßerkrankungen wie die Granulomatose mit Polyangiitis.
Diagnose
Die Diagnose des A1AT-Mangels erfolgt durch:
- Bluttest: Messung des Alpha-1-Antitrypsin-Serumspiegels (Normwert: 0,9–2,0 g/l)
- Phänotypisierung (Isoelektrische Fokussierung): Bestimmung des Proteinmusters zur Identifizierung der Variante
- Genotypisierung / DNA-Analyse: Nachweis spezifischer Mutationen im SERPINA1-Gen
- Lungenfunktionstests: Spirometrie zur Beurteilung der Atemwegseinschränkung
- Bildgebung: CT des Thorax zum Nachweis eines Emphysems
- Leberbiopsie: Bei Verdacht auf Leberbeteiligung
Die Diagnose wird häufig spät gestellt, da die Symptome oft anderen Erkrankungen wie Asthma oder COPD ähneln.
Behandlung
Allgemeine Maßnahmen
- Absoluter Rauchstopp – wichtigste Maßnahme zur Verlangsamung der Lungenzrstörung
- Vermeidung von Luftverschmutzung und Berufsstäuben
- Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken und Hepatitis A/B
- Lungensport und pulmonale Rehabilitation
Augmentationstherapie (Substitutionstherapie)
Die einzige spezifische Behandlung für die Lungenmanifestation ist die intraventöse Augmentationstherapie: Dabei wird aus menschlichem Spenderblut gewonnenes Alpha-1-Antitrypsin-Konzentrat regelmäßig (in der Regel wöchentlich) verabreicht, um den Blutspiegel zu erhöhen und das Lungengewebe zu schützen. Diese Therapie verlangsamt nachweislich den Verlust von Lungengewebe.
Symptomatische Therapie der Lunge
- Bronchodilatatoren (z.B. Beta-2-Agonisten, Anticholinergika)
- Inhalative Kortikosteroide bei Bedarf
- Sauerstofftherapie bei fortgeschrittener COPD
- Im Endstadium: Lungentransplantation
Therapie der Lebererkrankung
Für die Lebermanifestation gibt es derzeit keine zugelassene spezifische Therapie. Bei Leberzirrhose im Endstadium kann eine Lebertransplantation erforderlich sein, die gleichzeitig den genetischen Defekt heilt, da die neue Leber normales A1AT produziert. Neue Therapieformen wie RNA-Interferenz (RNAi) und Gentherapie befinden sich in klinischer Erprobung.
Quellen
- Stoller JK, Aboussouan LS. Alpha1-antitrypsin deficiency. The Lancet. 2005;365(9478):2225–2236. doi:10.1016/S0140-6736(05)66781-5
- American Thoracic Society / European Respiratory Society. Standards for the Diagnosis and Management of Individuals with Alpha-1 Antitrypsin Deficiency. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine. 2003;168(7):818–900.
- Strnad P et al. Alpha1-Antitrypsin Deficiency. New England Journal of Medicine. 2020;382(15):1443–1455. doi:10.1056/NEJMra1910234
Verwandte Produkte
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®
Für Deinen universellen Schutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Proteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems