Alveolitis sicca: Ursachen, Symptome und Behandlung
Alveolitis sicca ist eine schmerzhafte Wundheilungsstörung nach Zahnextraktion, bei der sich kein stabiles Blutkoagel bildet. Sie erfordert zägige zahnmedizinische Behandlung.
Wissenswertes über "Alveolitis sicca"
Alveolitis sicca ist eine schmerzhafte Wundheilungsstörung nach Zahnextraktion, bei der sich kein stabiles Blutkoagel bildet. Sie erfordert zägige zahnmedizinische Behandlung.
Was ist eine Alveolitis sicca?
Die Alveolitis sicca – auch als Alveolitis sicca dolorosa oder umgangssprachlich als „trockene Alveole“ bezeichnet – ist eine häufige Komplikation nach der Entfernung eines Zahnes (Extraktion). Dabei löst sich das schutzgebende Blutkoagel (Blutgerinnsel), das sich nach dem Eingriff in der Zahnalveole gebildet hat, vorzeitig auf oder bildet sich gar nicht erst richtig aus. Die freiliegenden Knochen- und Nervenendigungen verursachen starke Schmerzen und sind anfällig für Infektionen.
Ursachen
Die genauen Ursachen für das Entstehen einer Alveolitis sicca sind multifaktoriell. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
- Rauchen: Nikotin und der Sog beim Rauchen können das Blutkoagel mechanisch oder durch Vasokonstriktion schädigen.
- Mundspülungen und intensives Ausspucken kurz nach der Extraktion, was das Koagel mechanisch herausslöst.
- Bakterielle Infektionen im Mundraum vor oder nach dem Eingriff.
- Hormonelle Faktoren: Östrogene (z. B. durch orale Kontrazeptiva) können die Fibrinolyse erhöhen und die Gerinnselstabilität vermindern.
- Schlechte Mundhygiene und bestehende parodontale Erkrankungen.
- Schwierige oder traumatische Extraktionen, insbesondere von Weisheitszähnen.
- Systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Immunschwäche.
Symptome
Die Alveolitis sicca äußert sich typischerweise durch folgende Zeichen:
- Starke, pulsierende Schmerzen im Bereich der Extraktionswunde, die häufig in die benachbarten Zahn- und Kieferbereiche sowie in das Ohr ausstrahlen.
- Schmerzbeginn meist 2 bis 4 Tage nach der Zahnentfernung.
- Sichtbar leere oder gräulich belegte Zahnalveole ohne Blutkoagel.
- Unangenehmer Mundgeruch (Foetor ex ore) und fauler Geschmack im Mund.
- Leichte lokale Schwellung und Empfindlichkeit der Umgebungsschleimhaut.
- Gelegentlich erhöhte Körpertemperatur, wenn eine sekundäre Infektion vorliegt.
Diagnose
Die Diagnose der Alveolitis sicca wird in der Regel klinisch durch den Zahnarzt oder Oralchirurgen gestellt. Dabei werden folgende Kriterien herangezogen:
- Inspektion der Wundalveole: fehlendes oder zerfallendes Blutkoagel, freiliegender Knochen.
- Anamnese: Zeitpunkt und Art der Zahnextraktion, bestehende Risikofaktoren.
- Palpation und Sondierung der Alveole zur Schmerzlokalisation.
- Bei Verdacht auf tiefer gehende Infektion kann ein Röntgenbild (Panoramaaufnahme oder Zahnfilm) angefertigt werden, um eine Osteomyelitis (Knochenentzündung) auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung der Alveolitis sicca zielt in erster Linie auf Schmerzlinderung, Wundreinigung und die Förderung der Wundheilung ab:
- Spiegelung und Spülung der Alveole mit antiseptischen oder kochsalzhaltigen Lösungen, um Speisereste und Bakterien zu entfernen.
- Einlage von medikamentösen Wundverbandsträgern (z. B. mit Eugenol getränkte Streifen), die entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken.
- Systemische oder lokale Antibiotika bei zusätzlicher bakterieller Infektion.
- Analgetika (Schmerzmittel) wie Ibuprofen oder Paracetamol zur Linderung der Beschwerden.
- Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt bis zur vollständigen Abheilung.
Mit geeigneter Behandlung heilt die Alveolitis sicca in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Wochen vollständig ab. Unbehandelt kann sie jedoch zu einer tiefen Knochenentzündung (Osteomyelitis) führen.
Vorbeugung
Um das Risiko einer Alveolitis sicca zu minimieren, sollten folgende Maßnahmen eingehalten werden:
- In den ersten 24 Stunden nach Extraktion nicht rauchen.
- Keine heißen, harten oder krumenreichen Speisen konsumieren.
- Nicht mit Strohhalmen trinken und nicht stark ausspucken.
- Sanfte Mundspülungen erst ab dem zweiten Tag und nur nach ärztlicher Empfehlung.
- Bei Einnahme von oralen Kontrazeptiva den Extraktion nach Möglichkeit außerhalb der hormonalen Hochphase planen.
Quellen
- Blum I.R. - Contemporary views on dry socket (alveolar osteitis): a clinical appraisal of standardization, aetiopathogenesis and management: a critical review. International Journal of Oral and Maxillofacial Surgery, 31(3), 309–317 (2002). PubMed PMID: 12190139.
- Daly B. et al. - Local interventions for the management of alveolar osteitis (dry socket). Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 12 (2012). DOI: 10.1002/14651858.CD006968.pub2.
- Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) - Leitlinien zur Wundbehandlung nach Zahnextraktionen. www.dgmkg.de.
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