Ameisensäure: Wirkung, Anwendung & Sicherheit
Ameisensäure (Methansäure) ist die einfachste Carbonsäure und kommt natürlich in Ameisen, Brennnesseln und Obst vor. Sie wird in Medizin, Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft eingesetzt.
Wissenswertes über "Ameisensäure"
Ameisensäure (Methansäure) ist die einfachste Carbonsäure und kommt natürlich in Ameisen, Brennnesseln und Obst vor. Sie wird in Medizin, Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft eingesetzt.
Was ist Ameisensäure?
Ameisensäure (chemische Bezeichnung: Methansäure, Summenformel: HCOOH) ist die einfachste Carbonsäure. Ihren Namen verdankt sie der Roten Waldameise (Formica rufa), aus der sie erstmals im 17. Jahrhundert destilliert wurde. Sie kommt natürlich in verschiedenen Quellen vor und hat vielfältige Anwendungsgebiete in Medizin, Industrie, Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. In der Lebensmittelindustrie ist sie als Zusatzstoff unter der Bezeichnung E236 zugelassen.
Natürliches Vorkommen
Ameisensäure ist in der Natur weit verbreitet. Sie findet sich unter anderem in:
- Ameisen: Als Abwehrsekret der Roten Waldameise und anderer Ameisenarten
- Brennnesseln: In den Brennhaaren der Pflanze als Reizstoff
- Obst und Honig: In geringen Mengen als natürlicher Bestandteil
- Schweiß und Urin: Als Stoffwechselprodukt im menschlichen Körper
- Atmosphe: Als Spurengas in der Erdatmosphäre
Chemische Eigenschaften
Ameisensäure ist eine farblose, stechend riechende Flüssigkeit, die mit Wasser vollständig mischbar ist. Sie ist die stärkste aller einfachen Carbonsäuren und wirkt stark ätzend auf Haut, Schleimhäute und Augen. Konzentrierte Ameisensäure (ab etwa 85 %) gilt als gefährlich und muss mit Schutzausrüstung gehandhabt werden. Verdünnte Lösungen hingegen werden in zahlreichen Bereichen sicher eingesetzt.
Medizinische und pharmakologische Bedeutung
Wirkung auf den menschlichen Körper
Im menschlichen Stoffwechsel entsteht Ameisensäure als Abbauprodukt verschiedener Substanzen, unter anderem beim Abbau von Methanol. Eine Methanol-Vergiftung führt durch die Anreicherung von Ameisensäure im Blut zu einer schweren metabolischen Azidose (Versäuerung des Blutes) sowie zu Schäden am Sehnerv, die zur Erblindung führen können. Ameisensäure hemmt dabei das Enzym Cytochrom-c-Oxidase in der mitochondrialen Atmungskette und stört so die Zellatmung.
Therapeutische Anwendungen
In der Medizin und Naturheilkunde wird Ameisensäure in stark verdünnter Form eingesetzt:
- Behandlung von Warzen: Verdünnte Ameisensäure-Lösungen (z. B. 15–20 %) werden zur örtlichen Behandlung von Warzen verwendet.
- Rheumatische Beschwerden: In der Homöopathie und Naturheilkunde werden sehr stark verdünnte Zubereitungen bei Gelenk- und Muskelschmerzen eingesetzt, obwohl die wissenschaftliche Evidenz hierfür begrenzt ist.
- Varroamilben-Behandlung: In der Imkerei ist Ameisensäure ein bewährtes und zugelassenes Mittel zur Behandlung des Bienen-Schädlings Varroa destructor.
Einsatz als Lebensmittelzusatzstoff (E236)
Als E236 ist Ameisensäure in der Europäischen Union als Konservierungsmittel für bestimmte Lebensmittel zugelassen. Sie wirkt antibakteriell und antifungal, indem sie das Wachstum von Mikroorganismen hemmt. Ihr Einsatz ist jedoch auf spezifische Produktgruppen beschränkt und unterliegt strengen Höchstmengenregelungen gemäß der EU-Lebensmittelzusatzstoffverordnung (VO (EG) Nr. 1333/2008).
Industrielle und landwirtschaftliche Verwendung
Neben dem medizinischen Einsatz hat Ameisensäure zahlreiche weitere Anwendungsgebiete:
- Konservierung von Tierfutter: Weitverbreitete Verwendung als Siliermittel in der Landwirtschaft
- Textil- und Lederindustrie: Als Hilfsmittel beim Färben und Gerben
- Reinigungsmittel: Als Entkalker und Reinigungssubstanz
- Chemische Synthese: Als Ausgangsstoff für chemische Produktionsprozesse
Sicherheit und Risiken
Der Umgang mit konzentrierter Ameisensäure erfordert besondere Vorsichtsmaßnahmen. Kontakt mit der Haut oder den Augen führt zu Verbrennungen. Das Einatmen von Dämpfen kann die Atemwege reizen. Bei Verschlucken größerer Mengen besteht Lebensgefahr. Erste Hilfe umfasst reichliches Spülen mit Wasser und sofortige ärztliche Behandlung. In zugelassenen Dosierungen als Lebensmittelzusatzstoff und in Medizinprodukten gilt Ameisensäure als sicher.
Quellen
- Europäische Kommission: Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates über Lebensmittelzusatzstoffe. Amtsblatt der Europäischen Union, 2008.
- Liesivuori J., Savolainen H.: Methanol and formic acid toxicity: biochemical mechanisms. In: Pharmacology & Toxicology, 1991; 69(3):157–163. PubMed PMID: 1775546.
- Mutschler E. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen – Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2012.
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