Wissenswertes über "Amenorrhoe-Therapie"
Die Amenorrhoe-Therapie umfasst alle Behandlungsansätze bei ausbleibendem Menstruationszyklus. Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Ursache und dem individuellen Behandlungsziel.
Die Amenorrhoe-Therapie ist die Behandlung einer ausbleibenden Regelblutung. Da die Amenorrhoe keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom ist, richtet sich die Behandlung immer nach der Ursache, etwa hormonellen Störungen, Energiemangel oder einem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS). Ziele sind die Wiederherstellung des Zyklus, der Schutz der Knochengesundheit und bei Bedarf die Erfüllung eines Kinderwunsches.
Primäre und sekundäre Amenorrhoe
- Primäre Amenorrhoe: keine erste Regelblutung bis zum 15. Lebensjahr oder innerhalb von drei Jahren nach Beginn des Brustwachstums. Ohne jegliche Pubertätszeichen sollte bereits mit 13 Jahren abgeklärt werden.
- Sekundäre Amenorrhoe: Ausbleiben der Periode für 3 Monate bei zuvor regelmäßigem Zyklus oder für 6 Monate bei zuvor unregelmäßigem Zyklus.
Häufige Ursachen
- Schwangerschaft und Stillzeit: die häufigsten natürlichen Ursachen
- Funktionelle hypothalamische Amenorrhoe (FHA): Energiemangel durch Gewichtsverlust, Essstörungen, Leistungssport oder anhaltenden Stress
- Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)
- Hyperprolaktinämie: erhöhtes Prolaktin, z. B. durch einen gutartigen Hypophysentumor (Prolaktinom) oder Medikamente
- Vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI): Nachlassen der Eierstockfunktion vor dem 40. Lebensjahr
- Schilddrüsenerkrankungen, vor allem eine Unterfunktion
- Ursachen an der Gebärmutter: z. B. Asherman-Syndrom (Verwachsungen in der Gebärmutterhöhle)
- Anatomische oder genetische Ursachen bei primärer Amenorrhoe, z. B. Turner-Syndrom oder Fehlbildungen von Gebärmutter und Scheide
Diagnostik vor der Therapie
- Schwangerschaftstest (immer der erste Schritt)
- Blutwerte: FSH, LH, Östradiol, Prolaktin, TSH, bei Verdacht auf PCOS auch Testosteron
- gynäkologischer Ultraschall
- MRT der Hypophyse bei deutlich erhöhtem Prolaktin oder neurologischen Beschwerden
- Chromosomenanalyse bei primärer Amenorrhoe oder POI
Behandlung je nach Ursache
Hypothalamische Amenorrhoe
Entscheidend ist, den Energiemangel zu beheben: ausreichende Ernährung, Gewichtsnormalisierung, weniger Trainingsbelastung und Stressabbau. Psychologische Unterstützung oder eine kognitive Verhaltenstherapie werden empfohlen. Kehrt die Periode nicht zurück, kann vorübergehend Östradiol über die Haut mit zyklischem Gestagen die Knochen schützen. Die Pille wird dafür nicht empfohlen. Bei Kinderwunsch kommen eine pulsatile GnRH-Therapie oder Gonadotropine infrage.
Hyperprolaktinämie
Dopaminagonisten, bevorzugt Cabergolin, senken das Prolaktin, stellen meist Zyklus und Fruchtbarkeit wieder her und verkleinern die meisten Prolaktinome.
Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)
- Lebensstiländerung für alle Betroffenen. Bei Übergewicht kann schon eine moderate Gewichtsabnahme den Eisprung zurückbringen.
- Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel zur Zyklusregulation und zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut
- Metformin bei Stoffwechselrisiken, allein oder in Kombination
- Letrozol als Mittel der ersten Wahl zur Auslösung des Eisprungs bei Kinderwunsch, vor Clomifen
Vorzeitige Ovarialinsuffizienz
Eine Hormonersatztherapie (HRT) wird mindestens bis zum durchschnittlichen Wechseljahresalter (um 50) empfohlen. Sie lindert Beschwerden und schützt Knochen sowie Herz-Kreislauf-System. Spontane Schwangerschaften sind selten, aber möglich. Die besten Chancen bietet eine Eizellspende, die in Deutschland allerdings nicht erlaubt ist.
Schilddrüsenerkrankungen
Wird die Schilddrüsenerkrankung behandelt, normalisiert sich der Zyklus meist wieder.
Asherman-Syndrom
Die Verwachsungen werden per Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) gelöst. Anschließend können Maßnahmen folgen, die neue Verwachsungen verhindern sollen.
Gestagentherapie
Eine kurze Gabe von Gestagenen (Gelbkörperhormonen) kann eine Abbruchblutung auslösen. Sie dient der Diagnostik und bei ausreichendem Östrogenspiegel (z. B. bei PCOS) dem Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Die Ursache behandelt sie nicht.
Wann zum Arzt?
- keine erste Periode bis zum 15. Lebensjahr oder keine Pubertätszeichen mit 13
- Ausbleiben der Periode für 3 Monate oder länger (bei negativem Schwangerschaftstest)
- Begleitbeschwerden wie Milchfluss aus der Brust, Kopfschmerzen oder Sehstörungen, vermehrte Körperbehaarung, starke Akne oder Hitzewallungen
- ungewollter Gewichtsverlust, Essstörung oder sehr intensives Training
- unerfüllter Kinderwunsch
Quellen
- Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine: Current evaluation of amenorrhea: a committee opinion. Fertil Steril. 2024;122(1):52–61.
- Gordon CM et al.: Functional Hypothalamic Amenorrhea: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2017;102(5):1413–1439.
- Teede HJ et al.: Recommendations from the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. Fertil Steril. 2023;120(4):767–793.
- European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE): Evidence-based guideline: Premature ovarian insufficiency. Hum Reprod Open. 2024.
- Melmed S et al.: Diagnosis and Treatment of Hyperprolactinemia: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2011;96(2):273–288.