Ametropie: Ursachen, Symptome & Behandlung
Ametropie bezeichnet einen Fehlsichtigkeitszustand des Auges, bei dem Licht nicht exakt auf der Netzhaut fokussiert wird. Betroffen sind Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Astigmatismus.
Wissenswertes über "Ametropie"
Ametropie bezeichnet einen Fehlsichtigkeitszustand des Auges, bei dem Licht nicht exakt auf der Netzhaut fokussiert wird. Betroffen sind Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Astigmatismus.
Was ist eine Ametropie?
Der Begriff Ametropie (von griechisch ametros = unproportioniert, ops = Auge) bezeichnet eine Fehlsichtigkeit des Auges, bei der das einfallende Licht nicht präzise auf der Netzhaut (Retina) fokussiert wird. Im Gegensatz dazu steht die Emmetropie, also die Normalsichtigkeit, bei der Lichtbilder scharf auf der Netzhaut abgebildet werden. Ametropie ist weltweit eine der häufigsten Sehstörungen und betrifft Menschen aller Altersgruppen.
Formen der Ametropie
Es gibt verschiedene Arten der Fehlsichtigkeit, die unter dem Begriff Ametropie zusammengefasst werden:
- Myopie (Kurzsichtigkeit): Der Augapfel ist zu lang oder die Hornhaut zu stark gewölbt, sodass das Bild vor der Netzhaut entsteht. Ferne Gegenstände erscheinen unscharf.
- Hyperopie (Weitsichtigkeit): Der Augapfel ist zu kurz oder die Brechkraft des Auges zu gering. Das Bild entsteht hinter der Netzhaut. Nahe Objekte sind schwer zu fokussieren.
- Astigmatismus (Hornhautverkrümmung): Die Hornhaut oder Linse ist ungleichmäßig gewölbt, wodurch Licht in verschiedenen Achsen unterschiedlich gebrochen wird. Bilder erscheinen verzerrt oder unscharf.
- Anisometropie: Beide Augen haben unterschiedliche Brechkraftwerte, was zu Problemen beim beidwackigen Sehen führen kann.
Ursachen
Die Ursachen einer Ametropie sind vielfältig:
- Genetische Faktoren: Fehlsichtigkeiten häufen sich in Familien und haben eine starke erbliche Komponente.
- Veränderungen der Augenlänge: Wachstumsbedingte Veränderungen des Augapfels, besonders während der Kindheit und Jugend, sind eine häufige Ursache.
- Veränderungen der Hornhautkrümmung: Abweichungen in der Form der Hornhaut beeinflussen die Lichtbrechung.
- Linsenveränderungen: Im Alter kann die Linse ihre Elastizität verlieren (Presbyopie) oder sich trüben (Grauer Star), was die Brechkraft beeinflusst.
- Umweltfaktoren: Lang andauernde Näharbeiten und mangelnde Zeit im Freien werden als Risikofaktoren für die Entwicklung von Myopie diskutiert.
Symptome
Die Symptome einer Ametropie hängen von der Art der Fehlsichtigkeit ab, können aber typischerweise Folgendes umfassen:
- Verschwommenes oder unscharfes Sehen in der Ferne und/oder Nähe
- Kopfschmerzen, besonders nach längerem Lesen oder Bildschirmarbeit
- Augenmüdigkeit und Augenreizungen
- Zusammenkneifen der Augen (Schielen), um schärfer zu sehen
- Doppelbilder oder verzerrte Wahrnehmung (besonders bei Astigmatismus)
- Schwierigkeiten beim Lesen oder in der Schule bei Kindern
Diagnose
Die Diagnose einer Ametropie erfolgt durch einen Augenarzt oder Optometristen mittels verschiedener Untersuchungen:
- Visusprüfung: Bestimmung der Sehschärfe anhand von Sehtafeln (z.B. Snellen-Tafel).
- Skiaskopie / Refraktometrie: Objektive Messung der Brechkraft des Auges mithilfe optischer Geräte.
- Subjektive Refraktion: Der Patient gibt an, mit welchen Linsenstärken er am besten sieht.
- Spaltlampenuntersuchung: Beurteilung von Hornhaut, Linse und anderen Augenstrukturen.
- Hornhauttopographie: Detaillierte Vermessung der Hornhautkrümmung, besonders bei Astigmatismus.
Behandlung
Die Behandlung einer Ametropie zielt darauf ab, das Sehvermögen zu verbessern und Beschwerden zu lindern. Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung:
Brillen und Kontaktlinsen
Die häufigste und sicherste Methode zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten sind Brillengläser oder Kontaktlinsen. Sie gleichen die Brechkraftabweichung des Auges aus und ermöglichen scharfes Sehen.
Refraktive Chirurgie
Bei geeigneten Patienten kann eine operative Korrektur der Fehlsichtigkeit durchgeführt werden:
- LASIK (Laser-in-situ-Keratomileusis): Ein Laser formt die Hornhaut um, um die Brechkraft zu korrigieren.
- PRK (Photorefraktive Keratektomie): Eine weitere Lasermethode, bei der die Hornhautoberfläche abgetragen wird.
- Implantierbare Kontaktlinsen (ICL): Kunststofflinsen werden ins Auge implantiert.
- Linsenimplantation: Bei starken Fehlsichtigkeiten kann die natürliche Linse durch eine Künstliche ersetzt werden.
Orthokeratologie
Speziell geformte Kontaktlinsen werden nachts getragen, um die Hornhaut vorrübergehend umzuformen und so tagsüber ohne Korrekturhilfen zu sehen. Diese Methode wird häufig bei Kindern zur Myopiekontrolle eingesetzt.
Quellen
- World Health Organization (WHO): World report on vision. Geneva: WHO; 2019. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241516570
- Wolfram C, Pfeiffer N: Weissbuch zur Situation der ophthalmologischen Versorgung in Deutschland. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG); 2012.
- Flitcroft DI et al.: IMI - Defining and Classifying Myopia: A Proposed Set of Standards for Clinical and Epidemiologic Studies. Investigative Ophthalmology & Visual Science. 2019;60(3):M20-M30.
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