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Amphotericin B – Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen

Amphotericin B ist ein antimykotisches Medikament, das zur Behandlung schwerer Pilzinfektionen eingesetzt wird. Es gehört zu den wirksamsten Antimykotika und wird vor allem bei lebensbedrohlichen Infektionen angewendet.

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Wissenswertes über "Amphotericin B"

Amphotericin B ist ein antimykotisches Medikament, das zur Behandlung schwerer Pilzinfektionen eingesetzt wird. Es gehört zu den wirksamsten Antimykotika und wird vor allem bei lebensbedrohlichen Infektionen angewendet.

Was ist Amphotericin B?

Amphotericin B ist ein Antimykotikum (pilzbekämpfendes Medikament) aus der Gruppe der Polyene. Es wird seit den 1950er-Jahren in der Medizin eingesetzt und gilt bis heute als eines der wichtigsten Mittel zur Behandlung schwerer, systemischer Pilzinfektionen. Der Wirkstoff wird aus dem Bodenbakterium Streptomyces nodosus gewonnen und wirkt gegen eine Vielzahl von Pilzerregern sowie gegen bestimmte Parasiten.

Indikationen – Wann wird Amphotericin B eingesetzt?

Amphotericin B wird vorrangig bei schweren, lebensbedrohlichen Pilzinfektionen eingesetzt, die durch andere Antimykotika nicht ausreichend behandelt werden können. Typische Anwendungsgebiete sind:

  • Invasive Aspergillose (Schimmelpilzinfektion, häufig bei immungeschwächten Patienten)
  • Kryptokokken-Meningitis (Pilzinfektion des Gehirns und der Hirnhäute)
  • Invasive Candidiasis (systemische Hefepilzinfektion)
  • Histoplasmose, Kokzidioidomykose, Blastomykose (seltene Schimmelpilzinfektionen)
  • Mukormykose (lebensbedrohliche Schimmelpilzinfektion)
  • Viszerale Leishmaniose (parasitäre Erkrankung, liposomale Form)

Der Einsatz erfolgt hauptsächlich bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem, z. B. nach Organtransplantationen, bei HIV-Infektion oder während einer Chemotherapie.

Wirkmechanismus

Amphotericin B wirkt, indem es sich an Ergosterol bindet – einen wichtigen Bestandteil der Zellmembran von Pilzen. Durch diese Bindung entstehen Poren (Löcher) in der Pilzzellmembran, was zu einem unkontrollierten Austritt von Kalium- und anderen Ionen aus der Zelle führt. Dies stört den Zellstoffwechsel und führt zum Absterben der Pilzzellen (fungizide Wirkung). Da menschliche Zellen kein Ergosterol, sondern Cholesterin in ihrer Membran enthalten, wirkt der Wirkstoff selektiv gegen Pilze – allerdings kann er sich in höheren Konzentrationen auch an Cholesterin binden, was unerwünschte Nebenwirkungen erklären kann.

Darreichungsformen und Dosierung

Amphotericin B ist in verschiedenen Formulierungen erhältlich, die sich in ihrer Verträglichkeit und ihrem Anwendungsgebiet unterscheiden:

  • Konventionelles Amphotericin B (Deoxycholat-Formulierung): Die älteste Form, intravenös verabreicht. Sehr wirksam, aber mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.
  • Liposomales Amphotericin B (L-AmB): Der Wirkstoff ist in Liposome (kleine Fettkugeln) eingeschlossen. Diese Formulierung ist deutlich besser verträglich und wird heute bevorzugt eingesetzt.
  • Amphotericin B-Lipidkomplex (ABLC): Eine weitere lipidbasierte Formulierung mit verbesserter Verträglichkeit.

Die Dosierung wird individuell vom behandelnden Arzt festgelegt und richtet sich nach Art und Schwere der Infektion, dem Körpergewicht sowie der Nierenfunktion des Patienten. Amphotericin B wird ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhausumfeld verabreicht.

Nebenwirkungen

Amphotericin B ist für seine erheblichen Nebenwirkungen bekannt, weshalb es als Reservemittel eingesetzt und streng medizinisch überwacht wird:

Häufige Nebenwirkungen

  • Fieber, Schüttelfrost und Übelkeit während der Infusion (infusionsbedingte Reaktionen)
  • Kopfschmerzen und Muskelschmerzen
  • Blutdruckabfall oder -anstieg

Schwerwiegende Nebenwirkungen

  • Nephrotoxizität (Nierenschädigung): Die häufigste und klinisch bedeutsamste Nebenwirkung. Eine regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion ist zwingend erforderlich.
  • Elektrolytverschiebungen: Insbesondere Kaliummangel (Hypokaliämie) und Magnesiummangel
  • Anämie (Blutarmut durch verminderte Bildung roter Blutkörperchen)
  • Leberwerterhöhungen

Liposomale Formulierungen verursachen deutlich weniger Nebenwirkungen, insbesondere eine geringere Nierenschädigung, und werden daher bevorzugt eingesetzt.

Wechselwirkungen

Amphotericin B kann mit verschiedenen anderen Medikamenten interagieren. Wichtige Wechselwirkungen umfassen:

  • Nephrotoxische Medikamente (z. B. Aminoglykoside, Ciclosporin): Erhöhtes Risiko für Nierenschäden
  • Kortikosteroide: Können den Kaliummangel verstärken
  • Herzglykoside (z. B. Digoxin): Erhöhte Toxizitätsgefahr durch Kaliummangel
  • Antidiabetika: Mögliche Beeinflussung des Blutzuckerspiegels

Resistenzen

Resistenzen gegen Amphotericin B sind selten, kommen aber vor. Sie entstehen meist durch Veränderungen im Ergosterol-Stoffwechsel des Pilzes. Da Resistenzen klinisch problematisch sind, wird der Einsatz von Amphotericin B auf schwere Infektionen beschränkt, um eine Resistenzentwicklung zu minimieren.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): WHO Model List of Essential Medicines, 23rd Edition, 2023.
  2. Pappas PG, Rex JH, Sobel JD et al.: Guidelines for Treatment of Candidiasis. Clinical Infectious Diseases, 2004; 38(2): 161-189.
  3. Lüllmann H, Mohr K, Hein L: Pharmakologie und Toxikologie, 18. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart, 2016.

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