Ankyloglossie – Ursachen, Symptome & Behandlung
Ankyloglossie (Zungenbandverкürzung) ist eine angeborene Fehlbildung, bei der das Zungenbändchen zu kurz oder zu fest ist und die Zungenbeweglichkeit einschränkt.
Wissenswertes über "Ankyloglossie"
Ankyloglossie (Zungenbandverкürzung) ist eine angeborene Fehlbildung, bei der das Zungenbändchen zu kurz oder zu fest ist und die Zungenbeweglichkeit einschränkt.
Was ist Ankyloglossie?
Ankyloglossie, umgangssprachlich auch als Zungenbändchen-Verкürzung oder Zungenbandverкürzung bekannt, ist eine angeborene Fehlbildung, bei der das Frenulum linguae – das Schleimhautbändchen unterhalb der Zunge – zu kurz, zu dick oder zu weit vorne angeheftet ist. Dadurch wird die freie Beweglichkeit der Zunge eingeschränkt. Die Erkrankung tritt bei etwa 4 bis 10 Prozent aller Neugeborenen auf und betrifft häufiger Jungen als Mädchen.
Ursachen
Die genaue Ursache der Ankyloglossie ist nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren eine wesentliche Rolle spielen, da die Fehlbildung familiär gehäuft auftreten kann. Während der frühen Embryonalentwicklung kommt es zu einer unvollständigen Rückbildung des Zungengebändes, was zu einem verкürzten oder zu fest angehefteten Frenulum führt.
Symptome
Die Symptome der Ankyloglossie variieren je nach Schweregrad. Häufig betroffene Bereiche sind:
- Stillprobleme bei Säuglingen: Schwierigkeiten beim Saugen, schlechte Gewichtszunahme, Schmerzen bei der Mutter beim Stillen.
- Sprachentwicklung: Probleme bei der Aussprache bestimmter Laute, insbesondere der Zungenspitzenlaute wie "t", "d", "n", "l" und "r".
- Mundmotorik: Eingeschränkte Fähigkeit, die Zunge heraus- oder nach oben zu strecken.
- Zahnfleisch und Mundgesundheit: Spalt zwischen den unteren Schneidezähnen (Diastema) oder Zahnfleischrückgang.
- Essen und Trinken: Schwierigkeiten beim Kauen bestimmter Nahrungsmittel oder beim Ablecken der Lippen.
Diagnose
Die Diagnose der Ankyloglossie erfolgt in der Regel durch eine klinische Untersuchung durch einen Kinderarzt, Zahnarzt, Kieferorthopäden oder HNO-Arzt. Dabei wird die Zungenform, die Beweglichkeit und die Anheftung des Frenulums beurteilt. Es existieren standardisierte Bewertungsskalen, wie der Hazelbaker Assessment Tool for Lingual Frenulum Function (HATLFF), die eine systematische Einschätzung des Schweregrads ermöglichen. Eine bildgebende Diagnostik ist in der Regel nicht erforderlich.
Schweregrade
Die Ankyloglossie wird häufig in verschiedene Schweregrade eingeteilt:
- Grad 1 (leicht): Das Frenulum ist leicht verкürzt, die Zungenbeweglichkeit ist kaum eingeschränkt.
- Grad 2 (mäßig): Deutliche Einschränkung der Zungenbeweglichkeit, mögliche Auswirkungen auf das Stillen oder die Sprache.
- Grad 3 (schwer): Ausgepägte Bewegungseinschränkung, das Frenulum ist sehr kurz oder direkt an der Zungenspitze befestigt.
- Grad 4 (komplett): Vollständige oder nahezu vollständige Fixierung der Zunge am Mundboden.
Behandlung
Nicht alle Fälle von Ankyloglossie erfordern eine Behandlung. Bei leichten Formen kann eine abwartende Haltung mit regelmäßigen Kontrollen angemessen sein, da sich das Frenulum bei manchen Kindern mit dem Wachstum dehnt. Bei klinisch relevantem Befund stehen folgende Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:
Frenulotomie
Die Frenulotomie (auch Frenotomie genannt) ist der einfachste operative Eingriff. Dabei wird das Zungenbändchen mit einer Schere oder einem Skalpell durchtrennt. Der Eingriff wird häufig bei Neugeborenen und Säuglingen ohne Vollnarkose durchgeführt und gilt als sicher und wirksam, insbesondere zur Verbesserung der Stillfähigkeit.
Frenuloplastik
Bei der Frenuloplastik wird das Frenulum nicht nur durchtrennt, sondern auch plastisch umgeformt. Dieser Eingriff kommt bei älteren Kindern und Erwachsenen zum Einsatz, wenn eine einfache Durchtrennung nicht ausreicht. Er wird in der Regel unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt.
Logopädische Therapie
Zusätzlich zur operativen Behandlung oder bei leichteren Fällen kann eine logopädische Therapie eingesetzt werden, um die Zungenmotorik zu stärken und Sprachauffälligkeiten zu behandeln.
Prognose
Die Prognose bei Ankyloglossie ist insgesamt gut. Frühzeitig behandelte Fälle, insbesondere beim Neugeborenen, zeigen häufig eine rasche Verbesserung der Stillfähigkeit und der Mundfunktion. Bei rechtzeitiger Intervention sind langfristige Komplikationen selten.
Quellen
- Ferrres-Amat E. et al. - Multidisciplinary management of ankyloglossia in childhood. Med Oral Patol Oral Cir Bucal. 2016;21(1):e39-e47. PubMed PMID: 26615514.
- Messner AH, Lalakea ML. - Ankyloglossia: controversies in management. Int J Pediatr Otorhinolaryngol. 2000;54(2-3):123-131. PubMed PMID: 10967382.
- World Health Organization (WHO) - Infant and young child feeding: model chapter for textbooks for medical students and allied health professionals. Geneva: WHO Press, 2009.
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