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Aromatasehemmer: Wirkung, Einsatz & Nebenwirkungen

Aromatasehemmer sind Medikamente, die die Östrogenproduktion im Körper hemmen. Sie werden vor allem bei hormonsensitivem Brustkrebs bei Frauen nach den Wechseljahren eingesetzt.

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Wissenswertes über "Aromatasehemmer"

Aromatasehemmer sind Medikamente, die die Östrogenproduktion im Körper hemmen. Sie werden vor allem bei hormonsensitivem Brustkrebs bei Frauen nach den Wechseljahren eingesetzt.

Was sind Aromatasehemmer?

Aromatasehemmer (auch Aromataseinhibitoren genannt) sind eine Klasse von Medikamenten, die die Aktivität des Enzyms Aromatase blockieren. Dieses Enzym ist für die Umwandlung von männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen) in weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) zuständig. Durch die Hemmung der Aromatase wird die Östrogenproduktion im Körper deutlich reduziert.

Aromatasehemmer gehören zur Gruppe der antihormonellen Therapien (endokrine Therapie) und werden hauptsächlich in der Behandlung von hormonsensitivem Brustkrebs bei postmenopausalen Frauen eingesetzt. Nach den Wechseljahren produziert der Körper Östrogen überwiegend über das Aromataseenzym in Fettgewebe, Muskeln und anderen Geweben – die Eierstocktätigkeit ist eingestellt.

Wirkmechanismus

Das Enzym Aromatase (offiziell: Cytochrom P450 19A1) katalysiert die Biosynthese von Östrogenen aus Androgenen wie Testosteron und Androstendion. Aromatasehemmer binden an dieses Enzym und blockieren dessen Funktion auf zwei unterschiedliche Arten:

  • Nicht-steroidale Aromatasehemmer (z. B. Anastrozol, Letrozol): Sie binden reversibel an die Hämgruppe des Enzyms und blockieren es temporär.
  • Steroidale Aromatasehemmer (z. B. Exemestan): Sie binden irreversibel an Aromatase und inaktivieren das Enzym dauerhaft – daher werden sie auch als „Aromataseinaktivatoren“ bezeichnet.

Durch die Blockade der Aromatase sinkt der Östrogenspiegel im Blut und im Gewebe erheblich, was das Wachstum östrogensensitiver Tumorzellen verlangsamt oder stoppt.

Indikationen – Wann werden Aromatasehemmer eingesetzt?

Aromatasehemmer kommen in verschiedenen medizinischen Bereichen zum Einsatz:

  • Brustkrebs (Mammakarzinom): Adjuvante (ergänzende) Therapie nach einer Operation bei hormonsensitivem, HER2-negativem Brustkrebs; palliative Therapie bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs; neoadjuvante Therapie zur Tumorverkleinerung vor einer Operation.
  • Endometriose: In Kombination mit anderen Hormonen zur Reduktion östrogenabhängiger Gewebeverwüchse.
  • Gynäkomastie: Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann, verursacht durch ein Östrogen-Androgen-Ungleichgewicht.
  • Infertilittät: Bei bestimmten Formen von Unfruchtbarkeit, z. B. bei polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS), zur Ovulationsförderung.
  • Pubertät mit frühzeitigem Knochenreifung: In ausgewählten Fällen bei Kindern zur Verzögerung des Knochenreifungsprozesses.

Wichtige Wirkstoffe und Präparate

Die am häufigsten eingesetzten Aromatasehemmer sind:

  • Anastrozol (Handelsname: Arimidex): Nicht-steroidal, reversibel; 1 mg täglich oral.
  • Letrozol (Handelsname: Femara): Nicht-steroidal, reversibel; 2,5 mg täglich oral.
  • Exemestan (Handelsname: Aromasin): Steroidal, irreversibel; 25 mg täglich oral.

Alle drei Wirkstoffe sind für die Behandlung von Brustkrebs bei postmenopausalen Frauen zugelassen und gelten als gleichwertig wirksam, unterscheiden sich aber in ihrem Nebenwirkungsprofil.

Dosierung und Anwendungshinweise

Aromatasehemmer werden in der Regel als Tabletten einmal täglich oral eingenommen. Die Behandlung kann über mehrere Jahre andauern – bei adjuvanter Therapie nach Brustkrebs typischerweise für 5 bis 10 Jahre. Sie werden ausschließlich bei postmenopausalen Frauen eingesetzt, da prämenopausale Frauen mit noch aktiven Eierstocks über alternative Östrogenquellen verfügen, die durch Aromatasehemmer allein nicht ausreichend blockiert werden können.

Nebenwirkungen

Da Aromatasehemmer den Östrogenspiegel stark senken, sind viele ihrer Nebenwirkungen direkte Folge des Östrogenmangels:

  • Gelenk- und Muskelschmerzen (Arthralgien, Myalgien): Die häufigste Nebenwirkung.
  • Osteoporose und Knochenbruchrisiko: Verminderte Knochendichte durch Östrogenmangel.
  • Hitzewallungen und Schweissausbrüche: Typische Wechseljahresbeschwerden.
  • Vaginale Trockenheit und Beschwerden beim Geschlechtsverkehr.
  • Fatigue (anhaltende Erschöpfung).
  • Erhöhtes Cholesterin: Insbesondere bei nicht-steroidalen Hemmstoffen.
  • Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen.
  • Kopfschmerzen und Schwindel.

Zur Vorbeugung von Osteoporose wird begleitend häufig eine Supplementierung mit Calcium und Vitamin D sowie gegebenenfalls eine Therapie mit Bisphosphonaten empfohlen.

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Aromatasehemmer dürfen nicht angewendet werden bei:

  • Prämenopausalen Frauen (außer in speziellen Kombinationstherapien).
  • Schwangeren oder stillenden Frauen.
  • Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff.

Besondere Vorsicht ist geboten bei bestehender Osteoporose oder erhöhtem Frakturrisiko, sowie bei Leber- oder Nierenerkrankungen.

Quellen

  1. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, DGGG, AWMF): S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Version 4.4, 2021.
  2. Nabholtz JM et al. – Anastrozole is superior to tamoxifen as first-line therapy for advanced breast cancer in postmenopausal women. Journal of Clinical Oncology, 2000.
  3. World Health Organization (WHO): Model List of Essential Medicines, 23rd Edition, 2023.
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