ASAS-Kriterien: Diagnose der axialen Spondyloarthritis
Die ASAS-Kriterien sind international anerkannte Klassifikationskriterien zur Diagnose axialer Spondyloarthritis, einschließlich Morbus Bechterew.
Wissenswertes über "ASAS-Kriterien"
Die ASAS-Kriterien sind international anerkannte Klassifikationskriterien zur Diagnose axialer Spondyloarthritis, einschließlich Morbus Bechterew.
Was sind die ASAS-Kriterien?
Die ASAS-Kriterien (Assessment of SpondyloArthritis international Society) sind international anerkannte Klassifikationskriterien, die zur Diagnose und Klassifikation der axialen Spondyloarthritis eingesetzt werden. Sie wurden von der internationalen Fachgesellschaft ASAS (Assessment of SpondyloArthritis international Society) entwickelt und im Jahr 2009 veröffentlicht. Ziel dieser Kriterien ist es, Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen möglichst frühzeitig und zuverlässig zu identifizieren, bei denen eine axiale Spondyloarthritis vorliegen könnte.
Hintergrund und klinische Bedeutung
Die axiale Spondyloarthritis ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die hauptsächlich die Wirbelsäule und die Kreuzdarmbeingelenke (Sakroiliakalgelenke) betrifft. Sie umfasst zwei Formen:
- Röntgenologische axiale Spondyloarthritis (auch bekannt als Morbus Bechterew oder ankylosierende Spondylitis): Hier sind strukturelle Veränderungen bereits im Röntgenbild sichtbar.
- Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis: In diesem frühen Stadium sind noch keine röntgenologischen Veränderungen nachweisbar, jedoch können MRT-Befunde und klinische Zeichen vorliegen.
Die ASAS-Kriterien ermöglichen es, beide Formen zu erfassen und damit eine frühzeitige Behandlung einzuleiten, bevor irreversible Schäden an der Wirbelsäule entstehen.
Aufbau der ASAS-Klassifikationskriterien
Die ASAS-Kriterien für axiale Spondyloarthritis gelten für Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen seit mindestens 3 Monaten und einem Erkrankungsbeginn vor dem 45. Lebensjahr. Die Klassifikation erfolgt über zwei Wege:
1. Bildgebender Weg (Imaging-Arm)
Nachweis einer Sakroiliitis in der Bildgebung (MRT oder Röntgen) plus mindestens 1 weiteres Merkmal einer Spondyloarthritis aus der folgenden Liste:
- Entzündlicher Rückenschmerz
- Arthritis
- Enthesitis (Fersenschmerz)
- Uveitis (Augenentzündung)
- Daktylitis (Wurstfinger oder -zehen)
- Psoriasis (Schuppenflechte)
- Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
- Gutes Ansprechen auf nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
- Familienanamnese für Spondyloarthritis
- Positives HLA-B27-Antigen
- Erhöhtes C-reaktives Protein (CRP)
2. Klinischer Weg (Clinical-Arm)
Positiver HLA-B27-Befund plus mindestens 2 weitere Merkmale einer Spondyloarthritis aus der oben genannten Liste (ohne Bildgebungsbefund).
Wichtige Einzelmerkmale erklärt
Entzündlicher Rückenschmerz
Entzündlicher Rückenschmerz ist ein zentrales Leitsymptom. Er beginnt typischerweise vor dem 40. Lebensjahr, entwickelt sich langsam, bessert sich durch Bewegung, nicht jedoch durch Ruhe, und ist nachts besonders ausgeprägt (mit morgendlicher Steifigkeit von mehr als 30 Minuten).
HLA-B27
HLA-B27 ist ein genetisches Gewebemerkmal (Histokompatibilitätsantigen), das bei einem Großteil der Patientinnen und Patienten mit axialer Spondyloarthritis nachweisbar ist. Ein positiver Befund erhöht die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung erheblich, ist jedoch allein nicht beweisend.
Sakroiliitis in der Bildgebung
Eine Sakroiliitis bezeichnet eine Entzündung der Kreuzdarmbeingelenke. Im MRT können aktive Entzündungszeichen (Knochenmarksoedem) frühzeitig erkannt werden, während das Röntgenbild strukturelle Schäden wie Erosionen oder Sklerosierungen in späteren Stadien zeigt.
Diagnose und weiterführende Untersuchungen
Die ASAS-Kriterien sind primär als Klassifikationskriterien für wissenschaftliche Studien konzipiert, werden in der klinischen Praxis jedoch auch als wichtige Orientierungshilfe bei der Diagnosestellung genutzt. Die Diagnose einer axialen Spondyloarthritis erfordert eine umfassende Beurteilung durch eine Rheumatologin oder einen Rheumatologen, einschließlich:
- Ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung
- Blutuntersuchungen (HLA-B27, CRP, Blutbild)
- Bildgebung: MRT der Sakroiliakalgelenke und/oder Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule
Behandlung der axialen Spondyloarthritis
Eine frühzeitige Diagnose mithilfe der ASAS-Kriterien ermöglicht einen rechtzeitigen Behandlungsbeginn. Die Therapie umfasst:
- Physiotherapie und regelmäßige Bewegung: Unverzichtbar zur Erhaltung der Beweglichkeit der Wirbelsäule.
- Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Erste Wahl zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
- Biologika (TNF-Hemmer, IL-17-Hemmer): Bei unzureichendem Ansprechen auf NSAR eingesetzt, wirken gezielt gegen Entzündungsprozesse.
- JAK-Inhibitoren: Neuere Wirkstoffklasse, die ebenfalls bei axialer Spondyloarthritis zugelassen ist.
Quellen
- Rudwaleit M et al. - The development of Assessment of SpondyloArthritis international Society classification criteria for axial spondyloarthritis. Annals of the Rheumatic Diseases, 2009; 68(6): 770-776.
- Sieper J, Poddubnyy D - Axial spondyloarthritis. The Lancet, 2017; 390(10089): 73-84.
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) - S3-Leitlinie Axiale Spondyloarthritis, 2019. Abrufbar unter: www.awmf.org
Meistgekaufte Produkte
Der universelle Immunschutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Immunproteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®Die meistgelesenen Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMagnesiumcarbonat
Kaloriengehalt
Kölner Liste
Verwandte Suchbegriffe: ASAS-Kriterien