Austreibungsphase: Ablauf, Dauer und Tipps
Die Austreibungsphase ist der zweite Abschnitt der Geburt, in dem das Kind durch aktives Pressen durch den Geburtskanal geboren wird.
Wissenswertes über "Austreibungsphase"
Die Austreibungsphase ist der zweite Abschnitt der Geburt, in dem das Kind durch aktives Pressen durch den Geburtskanal geboren wird.
Was ist die Austreibungsphase?
Die Austreibungsphase (auch Austreibungsperiode genannt) ist der zweite Abschnitt der Geburt und beginnt, sobald der Muttermund vollständig geöffnet ist – also einen Durchmesser von etwa 10 cm erreicht hat. In dieser Phase wird das Kind aktiv durch den Geburtskanal nach außen befördert, bis es vollständig geboren ist. Sie gilt als die körperlich anstrengendste Phase für die Gebärende.
Ablauf der Austreibungsphase
Während der Austreibungsphase schieben regelmäßige, intensive Wehen das Kind durch das Becken und den Geburtskanal. Die Gebärende unterstützt diesen Vorgang durch gezieltes Mitpressen bei jeder Wehe. Das Kind dreht sich dabei durch den Geburtskanal, sodass zunächst der Kopf und anschließend der restliche Körper geboren werden. Dieser Vorgang wird als Einstellung und Drehung des Kindes bezeichnet.
Dauer der Austreibungsphase
Die Dauer ist individuell verschieden und hängt unter anderem davon ab, ob es sich um eine Erst- oder Mehrgeburt handelt:
- Erstgebärende: in der Regel 30 bis 60 Minuten, kann jedoch bis zu 2 Stunden betragen
- Mehrfachgebärende: meist kürzer, oft zwischen 10 und 30 Minuten
Pressen und Atemtechnik
Das Mitpressen erfolgt idealerweise koordiniert mit den Wehen. Die Hebamme oder das medizinische Fachpersonal begleitet und unterstützt die Gebärende dabei mit Anleitungen zur Atemtechnik und Pressatmung. Ein zu frühzeitiges oder unkoordiniertes Pressen kann die Gebärende erschöpfen oder zu Verletzungen am Damm führen.
Medizinische Überwachung
Während der Austreibungsphase wird der Herzschlag des Kindes kontinuierlich überwacht, in der Regel mittels Kardiotokographie (CTG). So können Anzeichen für eine kindliche Unterversorgung frühzeitig erkannt werden. Zusätzlich achtet das Geburtsteam auf den Fortschritt des Geburtsfortschritts und den Zustand des Dammes.
Mögliche Eingriffe und Unterstützung
In manchen Fällen sind medizinische Eingriffe notwendig, um die Geburt zu unterstützen oder zu beschleunigen:
- Dammschnitt (Episiotomie): Ein gezielter Schnitt im Dammbereich, um einen unkontrollierten Einriss zu verhindern
- Saugglocke (Vakuumextraktion) oder Geburtszange (Forzeps): Hilfsmittel zur Unterstützung der Geburt, wenn das Kind nicht selbstständig vorankommt
- Oxytocin-Gabe: Ein wehenstimulierendes Medikament, das eingesetzt werden kann, wenn die Wehen nachlassen
Komplikationen
In seltenen Fällen kann es in der Austreibungsphase zu Komplikationen kommen, darunter:
- Protrahierte Austreibungsphase: Die Phase dauert länger als medizinisch empfohlen und erfordert ärztliche Maßnahmen
- Schulterdystokie: Die Schultern des Kindes bleiben nach der Geburt des Kopfes im Geburtskanal stecken
- Fetale Herztonveränderungen: Hinweise auf eine Sauerstoffunterversorgung des Kindes
Geburtspositionen
Die Gebärende kann in verschiedenen Positionen pressen. Neben der klassischen Rückenlage sind auch folgende Positionen verbreitet und können die Austreibungsphase erleichtern:
- Hockposition
- Vierfüßlerstand
- Seitenlage
- Stehend oder kniend
Quellen
- Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M. (Hrsg.): Die Geburtshilfe. 5. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2016.
- World Health Organization (WHO): WHO recommendations: Intrapartum care for a positive childbirth experience. Geneva, 2018. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241550215
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin. AWMF-Registernummer 015-083, 2020.
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