Avulsionsfraktur - Ausrissfraktur erklärt
Eine Avulsionsfraktur ist ein Knochenbruch, bei dem ein Knochenfragment durch übermäßigen Zug eines Muskels oder Bandes abgerissen wird. Sie tritt häufig bei Sportlern auf.
Wissenswertes über "Avulsionsfraktur"
Eine Avulsionsfraktur ist ein Knochenbruch, bei dem ein Knochenfragment durch übermäßigen Zug eines Muskels oder Bandes abgerissen wird. Sie tritt häufig bei Sportlern auf.
Was ist eine Avulsionsfraktur?
Eine Avulsionsfraktur (auch Ausrissfraktur genannt) ist eine spezielle Form des Knochenbruchs, bei der ein Stück Knochen von seiner ursprünglichen Position abgerissen wird. Dies geschieht, wenn ein Muskel, eine Sehne oder ein Band plötzlich so stark zieht, dass die Zugkraft größer ist als die Festigkeit des Knochens an der Befestigungsstelle. Das abgerissene Knochenfragment wird dabei vom umliegenden Weichgewebe weggezogen.
Avulsionsfrakturen kommen bei Kindern und Jugendlichen besonders häufig vor, da ihre Wachstumsfugen noch nicht vollständig verknöchert sind und daher anfälliger für solche Verletzungen sind. Aber auch Erwachsene und insbesondere Leistungssportler sind betroffen.
Ursachen
Die häufigsten Ursachen einer Avulsionsfraktur sind:
- Sportunfälle: Plötzliche Bewegungen wie Sprinten, Springen oder abruptes Abstoppen
- Direkte Traumata: Stürze oder Stoßkräfte, die auf Gelenke oder Knochenansätze wirken
- Muskuläre Überlastung: Übermäßige Kontraktion eines Muskels, z. B. beim Tritt oder Kick im Fußball
- Vorbestehende Schwäche: Osteoporose oder andere Knochenerkrankungen erhöhen das Risiko
Häufig betroffene Körperregionen
Avulsionsfrakturen können grundsätzlich überall im Körper auftreten, wo Sehnen oder Bänder am Knochen ansetzen. Besonders häufig betroffen sind:
- Becken und Hüfte: Spina iliaca anterior superior oder inferior (Beckenkamm), Tuber ischiadicum
- Knie: Kniescheibe (Patella), Schienbeinknochen-Vorsprung (Tuberositas tibiae)
- Sprunggelenk und Fuß: Außenknöchel, Basis des fünften Mittelfußknochens
- Ellenbogen und Schulter: Bizepssehnenansatz, Epicondylus
- Finger: Strecksehnenausriss an den Endgliedern (sog. Malletfinger)
Symptome
Die typischen Beschwerden bei einer Avulsionsfraktur umfassen:
- Plötzlicher, stechender Schmerz an der betroffenen Stelle zum Zeitpunkt des Traumas
- Schwellung und Bluterguss (Hämatom) im betroffenen Bereich
- Druckschmerz direkt über dem Knochenansatz
- Bewegungseinschränkung oder vollständiger Verlust der Funktion
- Gelegentlich ein hörbares Knacken oder Reißen zum Zeitpunkt der Verletzung
Diagnose
Die Diagnose einer Avulsionsfraktur erfolgt in mehreren Schritten:
Körperliche Untersuchung
Der Arzt tastet die verletzte Region ab und prüft Beweglichkeit, Stabilität und Schmerzpunkte. Eine genaue Befragung zum Unfallhergang ist ebenfalls Teil der Diagnose.
Bildgebende Verfahren
- Röntgenaufnahme: Standardverfahren zum Nachweis von Knochenfragmenten
- Magnetresonanztomografie (MRT): Ermöglicht die Beurteilung von Weichteilverletzungen und nicht sichtbaren Mikrofrakturen
- Computertomografie (CT): Bei komplexen Frakturen oder zur genauen Operationsplanung
- Ultraschall: Schnelle Beurteilung von Sehnen- und Bänderverletzungen
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Verletzung, dem Alter des Patienten und der Größe des abgerissenen Fragments.
Konservative Therapie
Die meisten Avulsionsfrakturen können ohne Operation behandelt werden:
- Ruhigstellung: Schienung, Gipsverband oder orthopädische Hilfsmittel für mehrere Wochen
- Hochlagerung und Kühlung zur Reduktion von Schwellung und Schmerzen
- Schmerztherapie: Einsatz von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Wiederherstellung von Kräftigung und Beweglichkeit nach der Abheilungsphase
Operative Therapie
Eine Operation ist erforderlich, wenn:
- Das Knochenfragment stark verschoben ist (Dislokation)
- Ein großes Fragment vorliegt, das die Gelenkfunktion beeinträchtigt
- Die konservative Behandlung keinen ausreichenden Erfolg zeigt
Operativ wird das Fragment mittels Schrauben, Drähten oder Nahtankern refixiert.
Rehabilitationsphase
Nach der Ausheilungsphase ist eine strukturierte Physiotherapie essenziell, um Muskelkraft, Koordination und Beweglichkeit vollständig wiederherzustellen. Die Gesamtdauer der Heilung beträgt je nach Lokalisation und Schweregrad 4 bis 16 Wochen.
Prognose
Bei rechtzeitiger und korrekter Behandlung ist die Prognose einer Avulsionsfraktur in der Regel sehr gut. Die meisten Patienten erreichen eine vollständige funktionelle Wiederherstellung. Komplikationen wie eine Pseudarthrose (fehlende Knochenheilung) oder chronische Schmerzen sind selten, aber möglich, wenn die Verletzung nicht korrekt behandelt wird.
Quellen
- Mutschler, W. et al. - Unfallchirurgie und Orthopädie (Thieme Verlag, 2021)
- Rockwood, C.A. et al. - Fractures in Adults (Lippincott Williams & Wilkins, 8th edition, 2015)
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) - Leitlinien zur Frakturversorgung, www.dgu-online.de
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