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Azotämie – Ursachen, Symptome und Behandlung

Azotämie bezeichnet eine erhöhte Konzentration stickstoffhaltiger Abbauprodukte im Blut, insbesondere von Harnstoff und Kreatinin, meist als Zeichen einer Nierenfunktionsstörung.

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Wissenswertes über "Azotämie"

Azotämie bezeichnet eine erhöhte Konzentration stickstoffhaltiger Abbauprodukte im Blut, insbesondere von Harnstoff und Kreatinin, meist als Zeichen einer Nierenfunktionsstörung.

Was ist Azotämie?

Azotämie (auch: Azotaemie) bezeichnet einen medizinischen Zustand, bei dem stickstoffhaltige Stoffwechselprodukte – vor allem Harnstoff, Kreatinin und andere Abbauprodukte des Proteinstoffwechsels – in erhöhter Konzentration im Blut vorliegen. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort azote (Stickstoff) und dem griechischen haima (Blut) ab. Azotämie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Laborbefund, der auf eine gestörte Nierenfunktion hinweist.

Formen der Azotämie

Je nach Ursache wird die Azotämie in drei Hauptformen unterteilt:

  • Prärenale Azotämie: Entsteht durch eine verminderte Durchblutung der Nieren, z. B. bei Flüssigkeitsmangel (Dehydratation), Herzinsuffizienz oder schwerem Blutverlust. Die Nieren selbst sind dabei intakt.
  • Renale Azotämie: Beruht auf einer direkten Schädigung des Nierengewebes, etwa durch akute oder chronische Nierenerkrankungen, Glomerulonephritis oder Nephrotoxine.
  • Postrenale Azotämie: Verursacht durch eine Abflussbehinderung des Urins, z. B. durch Nierensteine, Prostatavergrößerung oder Tumoren, die die ableitenden Harnwege blockieren.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen der Azotämie sind:

  • Dehydratation und Volumenmangel
  • Akutes Nierenversagen
  • Chronische Niereninsuffizienz
  • Herzinsuffizienz mit reduziertem Herzminutenvolumen
  • Septischer Schock
  • Harnwegsobstruktionen (z. B. Nierensteine, Prostatavergrößerung)
  • Nephrotoxische Medikamente oder Substanzen
  • Erhöhte Proteinzufuhr oder verstärkter Proteinabbau (z. B. bei Infektionen oder Traumata)

Symptome

Leichte Azotämie verursacht häufig keine spürbaren Beschwerden und wird zufällig bei Blutuntersuchungen entdeckt. Bei ausgeprägter Azotämie – insbesondere beim Übergang zur Urämie (schwere Vergiftung durch harnpflichtige Substanzen) – können folgende Symptome auftreten:

  • Müdigkeit und allgemeines Schwächegefühl
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verminderter Appetit
  • Konzentrationsschwäche und Verwirrtheit
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Juckreiz der Haut
  • Verminderte Urinausscheidung

Diagnose

Die Diagnose der Azotämie erfolgt durch Blutuntersuchungen. Wichtige Laborparameter sind:

  • Serumharnstoff (BUN – Blood Urea Nitrogen): Erhöhte Werte weisen auf einen gestörten Stickstoffabbau hin.
  • Serumkreatinin: Ein empfindlicher Marker für die Nierenfunktion; erhöhte Werte deuten auf eine eingeschränkte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) hin.
  • BUN/Kreatinin-Quotient: Hilft bei der Unterscheidung zwischen prärenaler, renaler und postrenaler Ursache.
  • Urinuntersuchung: Urinosmolalität, Natriumausscheidung und Urinsediment liefern weitere diagnostische Hinweise.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall der Nieren zur Erkennung struktureller Veränderungen oder Abflusshindernisse.

Behandlung

Die Therapie der Azotämie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache:

  • Prärenale Azotämie: Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytmangels durch intravenöse oder orale Flüssigkeitsgabe; Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Herzinsuffizienz).
  • Renale Azotämie: Behandlung der Nierenerkrankung; je nach Schweregrad kann eine Dialyse (Nierenersatztherapie) erforderlich sein.
  • Postrenale Azotämie: Beseitigung der Harnwegsobstruktion, z. B. durch Einlage eines Blasenkatheters, Harnleiterschiene (DJ-Katheter) oder operative Maßnahmen.

Begleitend werden eine proteinreduzierte Ernährung, die Anpassung nephrotoxischer Medikamente sowie eine engmaschige Überwachung der Nierenwerte empfohlen.

Quellen

  1. Kasper DL et al. - Harrison's Principles of Internal Medicine, 21. Auflage, McGraw-Hill Education, 2022.
  2. Levey AS, Coresh J. - Chronic kidney disease. The Lancet, 379(9811):165-180, 2012.
  3. National Kidney Foundation - KDIGO Clinical Practice Guideline for Acute Kidney Injury. Kidney International Supplements, 2(1):1-138, 2012.

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