Basalrate – Bedeutung bei Diabetes & Insulintherapie
Die Basalrate bezeichnet die kontinuierliche Grundversorgung mit Insulin, die der Körper unabhängig von Mahlzeiten benötigt, um den Blutzucker stabil zu halten.
Wissenswertes über "Basalrate"
Die Basalrate bezeichnet die kontinuierliche Grundversorgung mit Insulin, die der Körper unabhängig von Mahlzeiten benötigt, um den Blutzucker stabil zu halten.
Was ist die Basalrate?
Die Basalrate beschreibt die Menge an Insulin, die ein Mensch mit Diabetes kontinuierlich benötigt, um den Blutzuckerspiegel zwischen den Mahlzeiten und während der Nacht im Normbereich zu halten. Sie deckt den basalen, also grundlegenden Insulinbedarf des Körpers ab, der unabhängig von der Nahrungsaufnahme besteht. Dieser Bedarf entsteht durch ständige Stoffwechselprozesse wie die Regulation des Glukosestoffwechsels in der Leber.
Bedeutung bei Diabetes
Bei Menschen ohne Diabetes gibt die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) rund um die Uhr kleine Insulinmengen ab, um den nüchternen Blutzucker stabil zu halten. Bei Typ-1-Diabetes und fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes ist diese Funktion gestört oder vollständig ausgefallen. Die Basalrate muss daher durch externe Insulingabe ersetzt werden.
Basalrate bei der Insulinpumpentherapie
Besonders relevant ist der Begriff der Basalrate bei der kontinuierlichen subkutanen Insulininfusion (CSII), also der Insulinpumpentherapie. Hier wird die Basalrate als programmierte Dauerinfusion von schnell wirkendem Insulin über die Pumpe abgegeben. Die stündliche Basalrate kann individuell an den Tagesverlauf angepasst werden, da der Insulinbedarf zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich hoch ist:
- Frühmorgens: häufig erhöhter Bedarf durch den sogenannten Dawn-Phänomen-Effekt (morgendlicher Anstieg des Blutzuckers durch Wachstumshormone)
- Nachts: oft niedrigerer Insulinbedarf
- Tagsüber: variabel je nach körperlicher Aktivität und individuellem Stoffwechsel
Basalrate bei der konventionellen Insulintherapie
Bei der Behandlung mit Basalinsulin (Langzeitinsulin), wie es bei der intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) eingesetzt wird, wird die Basalrate durch ein- oder zweimalige tägliche Injektionen eines lang wirkenden Insulinanalogs (z. B. Insulin glargin, Insulin detemir oder Insulin degludec) abgedeckt. Diese Insuline geben über viele Stunden gleichmäßig Wirkstoff ab.
Ermittlung der richtigen Basalrate
Die individuelle Basalrate wird in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Diabetologen oder der Diabetesberaterin ermittelt. Typische Methoden zur Überprüfung der Basalrate sind:
- Nüchterntests: Der Blutzucker wird über mehrere Stunden ohne Mahlzeiten gemessen, um zu prüfen, ob die Basalrate ausreichend ist.
- Kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM): Moderne Sensoren messen den Gewebezucker fortlaufend und helfen, den Verlauf des Basalbedarfs über den Tag und die Nacht zu analysieren.
Anpassung der Basalrate
Die Basalrate ist kein fixer Wert, sondern muss regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Faktoren, die eine Anpassung erforderlich machen können, sind:
- Veränderungen in der körperlichen Aktivität
- Krankheiten oder Infektionen
- Hormonelle Veränderungen (z. B. Pubertät, Schwangerschaft, Menstruationszyklus)
- Gewichtsschwankungen
- Veränderungen im Lebensstil oder der Ernährung
Quellen
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes, 2023.
- Holt R.I.G. et al. - The Management of Type 1 Diabetes in Adults. Diabetologia, 2021.
- American Diabetes Association (ADA): Standards of Medical Care in Diabetes, Diabetes Care, 2024.
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