Bauchlage – Definition, Anwendung & Wirkung
Die Bauchlage bezeichnet eine Körperposition, bei der eine Person auf dem Bauch liegt. Sie wird therapeutisch bei Atemwegserkrankungen sowie in der Intensivmedizin eingesetzt.
Wissenswertes über "Bauchlage"
Die Bauchlage bezeichnet eine Körperposition, bei der eine Person auf dem Bauch liegt. Sie wird therapeutisch bei Atemwegserkrankungen sowie in der Intensivmedizin eingesetzt.
Was ist die Bauchlage?
Die Bauchlage (medizinisch auch Bauchlagerung oder englisch Prone Positioning) bezeichnet eine Körperhaltung, bei der eine Person mit dem Bauch nach unten auf einer Unterlage liegt. Während diese Position im Alltag zum Beispiel beim Schlafen vorkommt, hat sie in der Medizin – insbesondere in der Intensiv- und Notfallmedizin – eine bedeutende therapeutische Funktion.
Medizinische Anwendungsbereiche
Die Bauchlage wird in verschiedenen medizinischen Kontexten eingesetzt:
- Intensivmedizin: Bei Patient:innen mit schwerem akutem Atemnotsyndrom (ARDS) wird die Bauchlagerung als unterstützende Maßnahme zur Verbesserung der Lungenatmung eingesetzt.
- Neugeborenenversorgung: Frühgeborene werden in kontrollierten klinischen Umgebungen zeitweise in Bauchlage positioniert, um die Atemfunktion zu stabilisieren.
- Physiotherapie und Rehabilitation: In der Physiotherapie wird die Bauchlage zur Behandlung von Rückenschmerzen, zur Kräftigung der Rückenmuskulatur sowie zur Entspannung eingesetzt.
- COVID-19-Behandlung: Während der COVID-19-Pandemie wurde die Bauchlagerung auch bei nicht intubierten Patient:innen (awake prone positioning) angewendet, um die Sauerstoffversorgung zu verbessern.
Wirkmechanismus
In Rückenlage werden die hinteren (dorsalen) Lungenabschnitte durch das Gewicht des Herzens und anderer Strukturen komprimiert. Dies führt zu einer ungleichmäßigen Belüftung der Lunge. Durch die Bauchlagerung wird diese Kompression reduziert:
- Die dorsalen Lungenabschnitte können sich wieder entfalten (Recruitment).
- Das Verhältnis von Belüftung zu Durchblutung (Ventilations-Perfusions-Verhältnis) verbessert sich.
- Der Gasaustausch wird effizienter, was zu einem höheren Sauerstoffgehalt im Blut führt.
Durchführung in der Intensivmedizin
Die Bauchlagerung bei beatmeten Patient:innen erfordert ein erfahrenes Team und eine sorgfältige Vorbereitung. Typischerweise wird sie für 16 bis 20 Stunden pro Tag durchgeführt und mit Phasen der Rückenlage abgewechselt. Wichtige Maßnahmen während der Bauchlagerung umfassen:
- Regelmäßige Umlagerung zur Druckentlastung der Haut (Dekubitus-Prävention)
- Sicherung aller Katheter, Sonden und Beatmungsschläuche
- Überwachung der Vitalzeichen und des Beatmungsdrucks
- Lagerungshilfen (z. B. spezielle Kissen oder Gelpolster) zur Vermeidung von Druckschäden
Kontraindikationen
Die Bauchlage ist nicht für alle Patient:innen geeignet. Zu den möglichen Kontraindikationen zählen:
- Instabile Wirbelsäulenverletzungen
- Offene Bauch- oder Brustverletzungen
- Sehr hoher intrakranieller Druck (Hirndruck)
- Bestimmte kardiovaskuläre Instabilitäten
- Schwangerschaft (insbesondere im fortgeschrittenen Stadium)
Risiken und Nebenwirkungen
Obwohl die Bauchlagerung bei korrekter Durchführung sicher ist, können folgende unerwünschte Wirkungen auftreten:
- Druckgeschwire (Dekubitus) im Gesicht, an den Knien oder am Becken
- Schwellungen im Gesichtsbereich (Ödeme)
- Verletzungen der Nerven (z. B. Plexus-brachialis-Schäden)
- Zufälliges Herausziehen von Kathetern oder Sonden
- Hämodynamische Veränderungen (Blutdruckschwankungen)
Bauchlage im Alltag und Schlaf
Viele Menschen schlafen in Bauchlage. Während dies bei gesunden Erwachsenen im Allgemeinen unbedenklich ist, wird es von Schlafmedizinern nicht als optimale Schlafposition empfohlen, da es zu Verspannungen der Hals- und Rückenmuskulatur führen kann. Bei Säuglingen sollte die Bauchlage im Schlaf aus Sicherheitsgründen vermieden werden, da sie das Risiko des plötzlichen Kindstodes (SIDS) erhöht.
Quellen
- Guerin C et al. – Prone Positioning in Severe Acute Respiratory Distress Syndrome. New England Journal of Medicine, 2013; 368:2159-2168.
- World Health Organization (WHO) – Clinical Management of COVID-19: Living Guidance, 2021. Verfügbar unter: www.who.int
- Lumb AB – Nunn's Applied Respiratory Physiology. 8. Auflage, Elsevier, 2017.
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