Beriberi: Ursachen, Symptome & Behandlung
Beriberi ist eine Mangelerkrankung, die durch einen schweren Vitamin-B1-Mangel (Thiamin) verursacht wird und Nerven, Herz und Muskeln schädigen kann.
Wissenswertes über "Beriberi"
Beriberi ist eine Mangelerkrankung, die durch einen schweren Vitamin-B1-Mangel (Thiamin) verursacht wird und Nerven, Herz und Muskeln schädigen kann.
Was ist Beriberi?
Beriberi ist eine ernste Mangelerkrankung, die durch einen Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) entsteht. Thiamin ist ein lebenswichtiges Vitamin, das der Körper für die Energiegewinnung aus Kohlenhydraten sowie für die normale Funktion von Nerven, Herz und Muskeln benötigt. Der Name „Beriberi“ stammt aus dem Singhalesischen und bedeutet sinngemäß „Ich kann nicht, ich kann nicht“ – ein Hinweis auf die lähmende Schwäche, die die Erkrankung verursacht.
Ursachen
Beriberi entsteht, wenn der Körper über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend Thiamin erhält. Häufige Ursachen sind:
- Ernährung mit stark poliertem Weißreis als Hauptnahrungsmittel (besonders in Süd- und Südostasien)
- Chronischer Alkoholmissbrauch (verminderte Aufnahme und erhöhter Verbrauch von Thiamin)
- Langfristige einseitige oder ungenügende Ernährung
- Erhöhter Bedarf, z.B. während der Schwangerschaft oder Stillzeit
- Erkrankungen mit Malabsorption (z.B. Morbus Crohn, chronische Diarrhö)
- Langanhaltende parenterale Ernährung ohne Thiamin-Ergänzung
Formen von Beriberi
Trockenes Beriberi (Neurologische Form)
Das trockene Beriberi betrifft hauptsächlich das Nervensystem. Es kommt zu einer peripheren Neuropathie, also einer Schädigung der peripheren Nerven. Typische Symptome sind Kribbeln und Taubheitsgefühl in Händen und Füßen, Muskelschwäche und im Extremfall Lähmungen.
Feuchtes Beriberi (Kardiovaskuläre Form)
Das feuchte Beriberi beeinträchtigt vor allem das Herz-Kreislauf-System. Es kann zu einer dilativen Kardiomyopathie (Herzvergrößerung und Pumpschwäche) sowie zu Ödemen (Wassereinlagerungen) in den Beinen kommen. In schweren Fällen droht Herzversagen.
Wernicke-Enzephalopathie und Korsakow-Syndrom
Beim akuten, schweren Thiaminmangel – häufig bei Alkoholabhängigen – kann sich eine Wernicke-Enzephalopathie entwickeln. Diese äußert sich durch Verwirrtheit, Augenbewegungsstörungen und Gleichgewichtsstörungen. Wird sie nicht behandelt, kann sie in das chronische Korsakow-Syndrom mit Gedächtnisstörungen übergehen.
Infantiles Beriberi
Säuglinge, die gestillt werden und deren Mütter an Thiaminmangel leiden, können ebenfalls erkranken. Das infantile Beriberi manifestiert sich meist im Alter von 2–6 Monaten und kann sich durch Herzversagen, Stimmlosigkeit und Krampfanfälle bemerkbar machen.
Symptome
- Muskelschwäche und Ermüdbarkeit
- Kribbeln, Taubheit oder Brennen in den Extremitäten
- Gleichgewichtsstörungen und gangstörungen
- Ödeme (Wassereinlagerungen), besonders in den Beinen
- Herzrasen, Kurzatmigkeit und Herzversagen (bei feuchtem Beriberi)
- Verwirrtheit und Gedächtnisstörungen (bei Wernicke-Enzephalopathie)
Diagnose
Die Diagnose von Beriberi erfolgt anhand der klinischen Symptome, der Ernährungs- und Krankengeschichte sowie durch Laboruntersuchungen. Der Thiaminspiegel im Blut kann gemessen werden, wobei häufig die Aktivität der Erythrozyten-Transketolase als indirekter Marker für den Thiaminstatus herangezogen wird. Bildgebende Verfahren (MRT) können bei Verdacht auf Wernicke-Enzephalopathie eingesetzt werden.
Behandlung
Die Behandlung besteht in der zügigen Gabe von Thiamin (Vitamin B1). Bei leichteren Fällen erfolgt die Substitution oral, bei schweren Fällen – insbesondere bei Wernicke-Enzephalopathie – wird Thiamin intravenös oder intramuskulär verabreicht. Bei rechtzeitiger Behandlung sind die Symptome oft gut reversibel. Zusätzlich sollte die Ernährung umgestellt und thiaminreiche Lebensmittel (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, mageres Fleisch) bevorzugt werden. Bei Alkoholabhängigkeit ist eine umfassende Therapie einschließlich Entzugsbehandlung notwendig.
Vorbeugung
Beriberi lässt sich durch eine ausgewogene, thiaminreiche Ernährung effektiv verhindern. In vielen Ländern wird Weißmehl und Weißreis daher mit Thiamin angereichert (Lebensmittelfortifikation). Risikogruppen (Schwangere, Alkoholabhängige, Menschen mit Malabsorptionssyndromen) sollten auf eine ausreichende Zufuhr achten und gegebenenfalls Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Thiamine deficiency and its prevention and control in major emergencies. WHO/NHD/99.13. Genf, 1999.
- Lonsdale D. - A review of the biochemistry, metabolism and clinical benefits of thiamin(e) and its derivatives. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. 2006;3(1):49-59.
- Attaluri P, Castillo A, Edriss H, Nugent K. - Thiamine deficiency: An important consideration in critically ill patients. The American Journal of the Medical Sciences. 2018;356(4):382-390.
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