Berstungsfraktur: Ursachen, Symptome & Behandlung
Eine Berstungsfraktur ist ein schwerer Wirbelkörperbruch, bei dem der Knochen durch axialen Druck in mehrere Teile zersplittert. Sie kann das Rückenmark gefährden.
Wissenswertes über "Berstungsfraktur"
Eine Berstungsfraktur ist ein schwerer Wirbelkörperbruch, bei dem der Knochen durch axialen Druck in mehrere Teile zersplittert. Sie kann das Rückenmark gefährden.
Was ist eine Berstungsfraktur?
Eine Berstungsfraktur (englisch: burst fracture) ist eine besonders schwere Form des Wirbelkörperbruchs. Dabei wird der betroffene Wirbelkörper durch einen starken axialen Druck – also eine Kraft, die entlang der Wirbelsäulenachse wirkt – in mehrere Fragmente zersplittert. Im Gegensatz zu einfachen Kompressionsbrüchen, bei denen der Wirbelkörper nur an einer Seite zusammengedrückt wird, bricht bei der Berstungsfraktur der gesamte Wirbelkörper auseinander. Knochensplitter können dabei in den Wirbelkanal eindringen und das Rückenmark oder die Nervenwurzeln schädigen.
Ursachen
Berstungsfrakturen entstehen typischerweise durch große, plötzlich einwirkende Kraften auf die Wirbelsäule. Häufige Ursachen sind:
- Stürze aus großer Höhe (z. B. Arbeitsunfälle, Sportunfälle)
- Verkehrsunfälle (insbesondere Aufprall auf den Sitz oder das Lenkrad)
- Sportunfälle beim Tauchen (Kopfaufprall auf den Grund)
- Direkte starke Schläge auf die Wirbelsäule
- Bei älteren Menschen oder Patienten mit Osteoporose können auch weniger starke Kräfte ausreichen
Am häufigsten betroffen sind die Wirbel im Bereich der Brust-Lendenwirbelsäule (thorakolumbaler Übergang, etwa Th12 bis L2), da dieser Bereich besonders anfällig für axiale Belastungen ist.
Symptome
Die Symptome einer Berstungsfraktur hängen vom Schweregrad und davon ab, ob Nervenstrukturen betroffen sind:
- Starke Schmerzen im betroffenen Bereich der Wirbelsäule
- Bewegungseinschränkung und Steifheit
- Drückgefühl oder Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen (bei Nervenbeteiligung)
- Schwäche oder Lähmungserscheinungen der Extremitäten
- Im schlimmsten Fall: vollständige Querschnittlähmung
- Störungen der Blasen- und Darmfunktion (bei schwerem Rückenmarkschaden)
Diagnose
Die Diagnose einer Berstungsfraktur erfolgt durch bildgebende Verfahren:
- Röntgenaufnahme: Erste Orientierung, kann Frakturzeichen zeigen, aber Details der Splitter sind oft nicht ausreichend darstellbar.
- Computertomographie (CT): Goldstandard zur genauen Darstellung der Frakturmorphologie, Anzahl und Lage der Knochensplitter sowie der Stabilität.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Unerlässlich zur Beurteilung von Rückenmark, Nervenwurzeln, Bandscheiben und ligamentären Verletzungen.
- Neurologische Untersuchung: Zur Erfassung von Ausfall- oder Reizerscheinungen der Nerven.
Die AO-Klassifikation und die TLICS-Klassifikation (Thoracolumbar Injury Classification and Severity Score) helfen, den Schweregrad einzustufen und die Therapie zu planen.
Behandlung
Konservative Therapie
Bei stabilen Berstungsfrakturen ohne neurologische Ausfälle kann eine konservative Behandlung in Frage kommen:
- Ruhigstellung mit einem speziellen Korsett oder Orthese für mehrere Wochen
- Schmerztherapie mit Analgetika
- Physiotherapie zur Wiederherstellung von Kraft und Beweglichkeit
- Engmaschige radiologische Verlaufskontrollen
Operative Therapie
Bei instabilen Frakturen, neurologischen Ausfällen oder drohender Rückenmarkschädigung ist in der Regel eine Operation notwendig:
- Dekompression: Entfernung von Knochensplittern aus dem Wirbelkanal, um Druck vom Rückenmark zu nehmen
- Stabilisierung: Fixierung der betroffenen Wirbel mittels Schrauben, Stäben oder Platten (Spondylodese)
- Wirbelkörperersatz: Bei starker Zerstörung des Wirbelkörpers kann ein Titankorb oder ein Knochenspan eingesetzt werden
- Minimal-invasive Techniken werden zunehmend eingesetzt
Rehabilitation und Prognose
Die Rehabilitation nach einer Berstungsfraktur ist langwierig und umfasst intensive Physiotherapie, ggf. Ergotherapie und bei Rückenmarkschäden auch neurologische Rehabilitation. Die Prognose hängt stark vom Ausmaß der neurologischen Beteiligung ab. Bei frühzeitiger und adaequater Behandlung ist bei vielen Patienten eine weitgehende Erholung möglich. Schwere Rückenmarkschäden können jedoch zu dauerhaften Einschränkungen führen.
Quellen
- Vaccaro AR et al. - A New Classification of Thoracolumbar Injuries: The Importance of Injury Morphology, the Integrity of the Posterior Ligamentous Complex, and Neurologic Status. Spine, 2005.
- Magerl F et al. - A comprehensive classification of thoracic and lumbar injuries. European Spine Journal, 1994.
- Deutschsprachige Arbeitsgemeinschaft für Wirbelsäulenforschung (DAWS) / Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) - Leitlinien zur Behandlung von Wirbelsäulenverletzungen, 2020.
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