Biliärinsuffizienz: Ursachen, Symptome & Behandlung
Biliärinsuffizienz bezeichnet eine unzureichende Funktion des Gallensystems. Sie kann die Verdauung und Fettaufnahme erheblich beeinträchtigen.
Wissenswertes über "Biliärinsuffizienz"
Biliärinsuffizienz bezeichnet eine unzureichende Funktion des Gallensystems. Sie kann die Verdauung und Fettaufnahme erheblich beeinträchtigen.
Was ist Biliärinsuffizienz?
Biliärinsuffizienz bezeichnet eine unzureichende Produktion, Ausscheidung oder Funktion der Galle, die für die Fettverdauung und Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) essenziell ist. Die Galle wird in der Leber produziert, in der Gallenblase gespeichert und über die Gallenwege in den Dünndarm abgegeben. Ist dieser Prozess gestört, kommt es zu einer Vielzahl von Verdauungsproblemen und möglichen Mangelzuständen.
Ursachen
Biliärinsuffizienz kann durch verschiedene Erkrankungen und Zustände ausgelöst werden:
- Lebererkrankungen: Leberzirrhose, Hepatitis oder Fettleber können die Galleproduktion einschränken.
- Gallenwegsobstruktion: Gallensteine, Tumoren oder Narbengewebe können den Gallefluss blockieren.
- Primäre biliäre Cholangitis (PBC): Eine chronische Autoimmunerkrankung, die die Gallengänge in der Leber zerstört.
- Primäre sklerosierende Cholangitis (PSC): Eine chronische Entzündung und Vernarbung der Gallengänge.
- Cholezystektomie: Nach operativer Entfernung der Gallenblase kann die Gallenspeicherkapazität fehlen.
- Kurzdarmsyndrom: Verminderte Reabsorption von Gallensäuren im Darm.
- Angeborene Fehlbildungen: Seltene Erkrankungen wie die biliäre Atresie bei Neugeborenen.
Symptome
Die Beschwerden bei Biliärinsuffizienz sind vielfältig und hängen vom Ausmaß der Funktionsstörung ab:
- Steatorrhö (Fettstühle): heller, fettglänzender, übel riechender Stuhl durch ungenügende Fettverdauung
- Ikterus (Gelbsucht): Gelbfärbung von Haut und Augen durch Bilirubinanstieg im Blut
- Dunkler Urin und heller Stuhl
- Prüritus (Hautjucken): durch Gallensäureablagerungen in der Haut
- Bauchschmerzen, besonders im rechten Oberbauch
- Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein
- Mangelerscheinungen: Mangel an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K), der zu Nachtblindheit, Osteoporose, Blutungsneigung führen kann
- Gewichtsverlust durch Malabsorption
Diagnose
Die Diagnose der Biliärinsuffizienz erfolgt durch eine Kombination verschiedener Untersuchungen:
- Blutuntersuchungen: Leberenzyme (ALT, AST, GGT, AP), Bilirubin, Gallensäuren, Gerinnungsparameter sowie Vitaminspiegelbestimmungen
- Bildgebende Verfahren: Ultraschall des Abdomens, MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie) oder ERCP (endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie) zur Darstellung der Gallenwege
- Leberbiopsie: Bei Verdacht auf Lebererkrankungen kann eine Gewebeprobe entnommen werden
- Stuhluntersuchung: Nachweis erhöhten Fettgehalts im Stuhl (Stuhlfettprofil)
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache:
Medikamentöse Therapie
- Ursodesoxycholsäure (UDCA): Ein Gallensäurepräparat, das bei primärer biliärer Cholangitis und anderen Gallenwegerkrankungen den Gallefluss verbessert.
- Cholestyramin: Ein Ionentauscher, der überschüssige Gallensäuren bindet und bei Pruritus eingesetzt wird.
- Supplementierung: Ergänzung fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) sowie von Kalzium und anderen Mikronährstoffen.
Ernährungstherapie
- Fettreduzierte Ernährung mit bevorzugtem Einsatz von mittelkettigen Triglyzeriden (MCT), die ohne Galle aufgenommen werden können
- Regelmäßige, kleine Mahlzeiten zur Entlastung des Verdauungstrakts
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
Operative und interventionelle Maßnahmen
- ERCP mit Stenteinlage oder Ballondilatation bei mechanischen Gallenwegobstruktionen
- Cholezystektomie bei symptomatischen Gallensteinen
- Lebertransplantation bei schwerem, fortgeschrittenem Leberversagen
Quellen
- European Association for the Study of the Liver (EASL): EASL Clinical Practice Guidelines on Wilson's disease and cholestatic liver diseases. Journal of Hepatology, 2022.
- Lammert F. et al. - Erkrankungen der Gallenblase und Gallenwege. In: Herold G. (Hrsg.), Innere Medizin, 2023.
- World Health Organization (WHO): Guidelines for the prevention and control of liver diseases, WHO Publications, 2021.
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