Wissenswertes über "Biphosphonat"
Biphosphonate sind Medikamente, die den Knochenabbau hemmen und vor allem bei Osteoporose und Knochenmetastasen eingesetzt werden.
Was sind Biphosphonate?
Biphosphonate (auch Bisphosphonate geschrieben) sind eine Klasse von Medikamenten, die den Abbau von Knochengewebe verlangsamen oder hemmen. Sie gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten zur Behandlung von Knochenerkrankungen und werden weltweit in der Medizin eingesetzt. Der Begriff leitet sich von ihrer chemischen Struktur ab: Biphosphonate enthalten zwei Phosphonatgruppen, die an ein zentrales Kohlenstoffatom gebunden sind.
Wirkmechanismus
Knochen werden im Körper ständig auf- und abgebaut. Spezielle Zellen, die sogenannten Osteoklasten, sind für den Knochenabbau verantwortlich. Biphosphonate lagern sich gezielt in den Knochen ein und hemmen die Aktivität dieser Osteoklasten. Dadurch wird der Knochenabbau verlangsamt, die Knochendichte erhalten oder sogar verbessert und das Risiko von Knochenbruechen (Frakturen) reduziert.
Je nach chemischer Struktur unterscheidet man zwei Hauptgruppen:
- Stickstoffhaltige Biphosphonate (z.B. Alendronsäure, Risedronate, Zoledronate): Diese hemmen ein bestimmtes Enzym im Stoffwechsel der Osteoklasten und sind besonders wirksam.
- Nicht-stickstoffhaltige Biphosphonate (z.B. Etidronate, Clodronsäure): Diese werden in der Zelle zu giftigen Stoffwechselprodukten umgewandelt und führen so zum Absterben der Osteoklasten.
Anwendungsgebiete
Biphosphonate werden bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, bei denen ein erhöhter Knochenabbau eine Rolle spielt:
- Osteoporose: Die häufigste Anwendung. Biphosphonate reduzieren das Frakturrisiko bei Menschen mit verminderter Knochendichte.
- Knochenmetastasen: Bei Krebserkrankungen, die in den Knochen streuen (z.B. Brust- oder Prostatakrebs), können Biphosphonate den Knochenabbau verlangsamen und Schmerzen lindern.
- Morbus Paget: Eine Erkrankung, bei der der Knochenstoffwechsel stark gestört ist.
- Multiples Myelom: Eine Krebserkrankung des Knochenmarks, bei der Biphosphonate zur Unterstützung eingesetzt werden.
- Hyperkalzämie: Ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut, der häufig durch Krebserkrankungen verursacht wird.
Dosierung und Anwendung
Biphosphonate sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich:
- Tabletten (oral): z.B. Alendronsäure, die einmal wöchentlich eingenommen wird. Wichtig: Die Tablette muss mit einem großen Glas Wasser auf nüchternen Magen eingenommen werden, und der Patient sollte danach mindestens 30 Minuten aufrecht sitzen oder stehen bleiben.
- Infusionen (intravenös): z.B. Zoledronate, das einmal jährlich als Infusion verabreicht wird. Dies ist besonders bei Patienten sinnvoll, die Tabletten schlecht vertragen.
Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente können auch Biphosphonate Nebenwirkungen verursachen:
- Magen-Darm-Beschwerden: Bei oraler Einnahme häufig Sodbrennen, Bauchschmerzen oder Reizungen der Speiseröhre.
- Grippeähnliche Symptome: Besonders nach der ersten Infusion können Fieber, Muskelschmerzen und Müdigkeit auftreten (sog. Akute-Phase-Reaktion).
- Kieferknochennekrose: Eine seltene, aber ernste Nebenwirkung, bei der das Knochengewebe im Kieferbereich abstirbt. Das Risiko ist bei hochdosierten intravenösen Gaben bei Krebspatienten erhöht.
- Atypische Femurfrakturen: Bei sehr langer Einnahme (mehr als 5 Jahre) kann in seltenen Fällen ein erhöhtes Risiko für bestimmte Oberschenkelknochenbrueche bestehen.
- Nierenfunktionsstörungen: Intravenöse Biphosphonate können die Nieren belasten und müssen bei Niereninsuffizienz dosisangepasst oder vermieden werden.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Biphosphonate sollten nicht eingenommen werden bei:
- Schwerer Niereninsuffizienz
- Niedrigem Kalziumspiegel im Blut (Hypokalzämie)
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
Vor Beginn einer Therapie mit Biphosphonaten empfiehlt sich eine zahnmedizinische Untersuchung, um das Risiko einer Kieferknochennekrose zu minimieren. Während der Therapie sollten invasive Zahneingriffe nach Möglichkeit vermieden werden.
Quellen
- Leitlinien der Dachverband Osteologie (DVO): Osteoporose-Leitlinie 2023. Verfügbar unter: https://www.dv-osteologie.org
- Russell R.G.G. et al. - Bisphosphonates: The first 40 years. Bone, 2011;49(1):2-19.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Produktinformationen zu Bisphosphonaten. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu