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Bispezifische Antikörper sind gentechnisch hergestellte Eiweißmoleküle, die gleichzeitig zwei verschiedene Zielstrukturen binden können. Sie werden vor allem in der Krebstherapie eingesetzt.
Bispezifische Antikörper sind gentechnisch hergestellte Eiweißmoleküle, die gleichzeitig zwei verschiedene Zielstrukturen binden können. Sie werden vor allem in der Krebstherapie eingesetzt.
Ein bispezifischer Antikörper (englisch: bispecific antibody, Abkürzung: BsAb oder BiAb) ist ein gentechnisch verändertes Antikörper-Molekül, das im Gegensatz zu natürlichen Antikörpern nicht nur eine, sondern zwei verschiedene Zielstrukturen (Antigene) gleichzeitig erkennen und binden kann. Diese Eigenschaft macht bispezifische Antikörper zu einem vielseitigen Werkzeug in der modernen Medizin, insbesondere in der Immunonkologie und der Behandlung von Autoimmunerkrankungen.
Natürliche Antikörper haben zwei identische Bindungsstellen und richten sich gegen ein einziges Antigen. Bispezifische Antikörper hingegen werden so konstruiert, dass jede Bindungsstelle ein anderes Zielmolekül erkennt. Dadurch können sie zwei Zellen oder zwei Signalwege gleichzeitig verbinden und gezielt steuern.
Der Wirkmechanismus bispezifischer Antikörper hängt von ihrer jeweiligen Konstruktion und dem therapeutischen Ziel ab. Die wichtigsten Prinzipien sind:
Bispezifische Antikörper werden in zahlreichen Formaten hergestellt. Die Wahl des Formats beeinflusst Größe, Stabilität, Halbwertszeit und Wirkweise des Moleküls. Wichtige Klassen sind:
Bispezifische Antikörper werden heute in verschiedenen medizinischen Bereichen eingesetzt oder klinisch erprobt:
Dies ist das wichtigste Anwendungsgebiet. Bispezifische Antikörper können das körpereigene Immunsystem gezielt gegen Krebszellen aktivieren. Zugelassene Beispiele sind:
In der Bluterkrankungstherapie werden bispezifische Antikörper eingesetzt, um Gerinnungsfaktoren zu überbrücken. Emicizumab (Hemlibra®) bindet gleichzeitig an Faktor IXa und Faktor X und ahmt so die Funktion des fehlenden Gerinnungsfaktors VIII nach. Es ist zugelassen für die Behandlung der Hämophilie A.
Durch die simultane Blockade zweier Entzündungsmediatoren können bispezifische Antikörper bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden.
Wie alle biologischen Therapien können bispezifische Antikörper Nebenwirkungen verursachen. Die häufigsten sind:
Die Behandlung mit bispezifischen Antikörpern erfolgt daher stets unter ärztlicher Aufsicht, oft im stationären oder spezialisierten ambulanten Umfeld.
Bispezifische Antikörper werden mit Hilfe gentechnischer Methoden produziert. Dabei werden die DNA-Sequenzen, die für die zwei verschiedenen Bindungsdomänen kodieren, kombiniert und in geeigneten Zellsystemen (z. B. CHO-Zellen, Escherichia coli) exprimiert. Die Herstellung ist technisch anspruchsvoll, da die korrekte Paarung der Antikörperketten sichergestellt werden muss.
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