Borreliose Bluttest – Diagnose & Ablauf
Der Borreliose Bluttest dient der Diagnose einer Borreliose-Infektion durch Nachweis von Antikörpern im Blut. Er wird nach einem Zeckenstich oder bei typischen Symptomen eingesetzt.
Wissenswertes über "Borreliose Bluttest"
Der Borreliose Bluttest dient der Diagnose einer Borreliose-Infektion durch Nachweis von Antikörpern im Blut. Er wird nach einem Zeckenstich oder bei typischen Symptomen eingesetzt.
Was ist ein Borreliose Bluttest?
Der Borreliose Bluttest ist ein diagnostisches Verfahren, mit dem eine Infektion durch Borrelia burgdorferi – die Bakterien, die Borreliose (auch Lyme-Borreliose genannt) verursachen – im Blut nachgewiesen werden kann. Die Borreliose wird hauptsächlich durch den Stich infizierter Zecken übertragen und gehört in Mitteleuropa zu den häufigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen.
Der Test misst keine Bakterien direkt, sondern die Antikörper, die das Immunsystem als Reaktion auf eine Borrelien-Infektion bildet. Da diese Antikörper erst nach einigen Wochen in messbaren Mengen im Blut vorhanden sind, ist der Zeitpunkt der Testdurchführung entscheidend für die Aussagekraft des Ergebnisses.
Wie funktioniert der Borreliose Bluttest?
Die Labordiagnostik der Borreliose erfolgt in der Regel in einem zweistufigen Verfahren:
- Stufe 1 – Suchtest (ELISA): Zunächst wird ein ELISA (Enzyme-linked Immunosorbent Assay) durchgeführt. Dieser Test prüft, ob im Blut Antikörper der Klassen IgM (frühe Infektion) und IgG (spätere oder durchgemachte Infektion) gegen Borrelien vorhanden sind. Ein positives oder grenzwertiges ELISA-Ergebnis erfordert eine Bestätigung.
- Stufe 2 – Bestätigungstest (Western Blot / Immunoblot): Bei einem positiven oder fraglichen ELISA-Ergebnis wird zusätzlich ein Western Blot (auch Immunoblot genannt) durchgeführt. Dieser Test ist spezifischer und erkennt Antikörper gegen einzelne Borrelien-Proteine. Nur wenn beide Tests positiv sind, gilt das Ergebnis als bestätigt.
Wann wird der Borreliose Bluttest eingesetzt?
Der Arzt empfiehlt einen Borreliose Bluttest in folgenden Situationen:
- Nach einem Zeckenstich mit möglicher Übertragung, insbesondere wenn die Zecke länger als 24 Stunden gesessen hat
- Bei Auftreten einer Wanderröte (Erythema migrans) – dem typischen kreisförmigen Hautausschlag nach einem Zeckenstich
- Bei unerklärlichen Symptomen wie anhaltender Müdigkeit, Gelenk- oder Muskelschmerzen, neurologischen Beschwerden oder Herzrhythmusstörungen
- Zum Ausschluss einer Borreliose bei unklarer Diagnose
Was misst der Test?
Der Bluttest misst IgM- und IgG-Antikörper gegen Borrelien:
- IgM-Antikörper entstehen in den ersten Wochen nach einer Infektion und weisen auf eine frühe oder akute Infektion hin.
- IgG-Antikörper entwickeln sich später und können noch Monate bis Jahre nach einer Infektion nachweisbar bleiben – auch nach erfolgreicher Therapie.
Ein wichtiger Hinweis: Ein positives Testergebnis bedeutet nicht automatisch eine aktive Erkrankung. Antikörper können auch nach einer bereits ausgeheilten Infektion noch vorhanden sein. Das Testergebnis muss daher immer im Zusammenhang mit den klinischen Symptomen und der Krankengeschichte des Patienten bewertet werden.
Grenzen und Einschränkungen des Tests
Der Borreliose Bluttest hat einige wichtige Einschränkungen, die bei der Interpretation zu berücksichtigen sind:
- Diagnostisches Fenster: In den ersten 2–4 Wochen nach einer Infektion können die Antikörper noch nicht nachweisbar sein (sog. Fensterperiode). Ein negativer Test schließt eine frühe Borreliose daher nicht aus.
- Falsch-positive Ergebnisse: Andere Infektionen (z. B. Epstein-Barr-Virus, Syphilis) oder Autoimmunerkrankungen können zu falsch-positiven Testergebnissen führen.
- Falsch-negative Ergebnisse: Besonders frühzeitig eingeleitete Antibiotikabehandlungen können die Antikörperbildung unterdrücken und zu falsch-negativen Ergebnissen führen.
- Kein Aktivitätsmarker: Der Test kann nicht zwischen einer aktiven und einer bereits überstandenen Infektion unterscheiden.
Diagnose und klinische Bedeutung
Die Diagnose einer Borreliose basiert niemals allein auf dem Bluttest. Ärzte berücksichtigen stets eine Kombination aus:
- Klinischen Symptomen (z. B. Wanderröte, Gelenkschmerzen, neurologische Beschwerden)
- Laborergebnissen (zweistufiger Antikörpernachweis)
- Anamnese (Zeckenstich, Aufenthalt in Risikogebieten)
In bestimmten Fällen – etwa bei Verdacht auf eine Neuroborreliose – kann zusätzlich eine Untersuchung des Liquors (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) notwendig sein.
Behandlung bei positivem Befund
Bei bestätigter Borreliose wird in der Regel eine Antibiotikatherapie eingeleitet. Häufig eingesetzte Antibiotika sind Doxycyclin, Amoxicillin oder Ceftriaxon, je nach Krankheitsstadium und betroffenen Organsystemen. Die Behandlungsdauer beträgt meist 2–4 Wochen. Bei frühzeitiger Behandlung ist die Prognose in der Regel sehr gut.
Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI): Borreliose – Ratgeber für Ärzte. Verfügbar unter: https://www.rki.de
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinie Neuroborreliose, 2018. Verfügbar unter: https://www.dgn.org
- Stanek G. et al.: Lyme borreliosis. The Lancet, 2012; 379(9814): 461–473. Verfügbar unter: https://www.thelancet.com
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