Borsäure – Wirkung, Anwendung & Sicherheit
Borsäure ist eine schwache anorganische Säure mit antiseptischen Eigenschaften. Sie wird in der Medizin, Pharmazie und als Konservierungsmittel eingesetzt.
Wissenswertes über "Borsäure"
Borsäure ist eine schwache anorganische Säure mit antiseptischen Eigenschaften. Sie wird in der Medizin, Pharmazie und als Konservierungsmittel eingesetzt.
Was ist Borsäure?
Borsäure (chemische Formel: H3BO3) ist eine natürlich vorkommende, schwache anorganische Säure, die das Halbmetall Bor enthält. Sie liegt als farbloser, kristalliner Feststoff oder weißes Pulver vor und löst sich mäßig gut in Wasser. Borsäure kommt in der Natur in vulkanischen Gebieten, in Mineralquellen und in Spuren in vielen Lebensmitteln (z. B. Gemüse, Obst, Nüsse) vor.
Eigenschaften und Wirkmechanismus
Borsäure wirkt antiseptisch, also keimhemmend, und besitzt zudem fungistatische (pilzhemmende) Eigenschaften. Sie stört den Stoffwechsel von Mikroorganismen, indem sie in deren Enzymreaktionen eingreift und die Zellfunktionen beeinträchtigt. Gegenüber menschlichen Zellen ist sie bei niedrigen Konzentrationen vergleichsweise gut verträglich.
Medizinische Anwendungsgebiete
- Dermatologie: Borsäurehaltige Lösungen und Salben werden zur Behandlung von Hauterkrankungen, Wunden und Verbrennungen eingesetzt.
- Gynäkologie: Vaginale Borsäurekapseln werden zur Behandlung wiederkehrender vulvovaginaler Candidose (Hefepilzinfektionen) und bakterieller Vaginose angewendet.
- HNO-Bereich: Verwässerige Borsäurelösungen wurden früher zur Spülung von Ohren und Augen genutzt.
- Pharmazie: Als Hilfsstoff in Augentropfen, Mundspülungen und anderen topischen Präparaten.
Dosierung und Anwendung
Die Konzentration von Borsäure in medizinischen Präparaten variiert je nach Anwendungsgebiet. Typische Konzentrationen für topische Anwendungen liegen zwischen 1 % und 5 %. Für vaginale Anwendungen werden häufig Kapseln mit 600 mg Borsäure verwendet. Die genaue Dosierung sollte stets ärztlich abgesprochen werden.
Sicherheit und Toxizität
Borsäure ist bei bestimmungsgemäßer äußerlicher Anwendung in niedrigen Konzentrationen im Allgemeinen sicher. Dennoch ist Vorsicht geboten:
- Systemische Toxizität: Bei oraler Aufnahme größerer Mengen kann Borsäure toxisch wirken und Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hautrötung und im schlimmsten Fall Organschäden verursachen.
- Schwangerschaft: Borsäure sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da reproduktionstoxische Effekte beschrieben sind.
- Kinder: Borsäurehaltige Präparate sind für Säuglinge und Kleinkinder ungeeignet, da deren Haut durchlässiger ist und das Risiko einer systemischen Aufnahme erhöht ist.
- Offene Wunden und Schleimhäute: Eine ausgedehnte Anwendung auf großflächigen Wunden oder geschädigten Hautarealen sollte vermieden werden.
Regulatorischer Status
In der Europäischen Union ist Borsäure als Konservierungsmittel (E 284) in bestimmten Lebensmitteln zugelassen. Als Wirkstoff unterliegt sie pharmazeutischen Zulassungsvorschriften. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) für Bor von 0,16 mg pro kg Körpergewicht und Tag festgelegt.
Quellen
- European Food Safety Authority (EFSA): "Scientific Opinion on the re-evaluation of boric acid (E 284) and sodium tetraborate (borax) (E 285) as food additives." EFSA Journal 2013;11(10):3407.
- Iavazzo C, Gkegkes ID, Zarkada IM, Falagas ME. Boric acid for recurrent vulvovaginal candidiasis: the clinical evidence. J Womens Health (Larchmt). 2011;20(8):1245-1255.
- National Institutes of Health (NIH), MedlinePlus: Boric Acid. URL: https://medlineplus.gov/druginfo/meds/a682156.html
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