Burosumab: Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Burosumab ist ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung der X-chromosomalen Hypophosphatämie. Er hemmt FGF23 und verbessert den Phosphathaushalt.
Wissenswertes über "Burosumab"
Burosumab ist ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung der X-chromosomalen Hypophosphatämie. Er hemmt FGF23 und verbessert den Phosphathaushalt.
Was ist Burosumab?
Burosumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der zur Behandlung der X-chromosomalen Hypophosphatämie (XLH) zugelassen ist. XLH ist eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung, bei der der Körper zu wenig Phosphat im Blut aufrechterhalten kann, was zu Knochenschwund, Rachitis und Wachstumsstörungen führt. Burosumab wird unter dem Handelsnamen Crysvita vermarktet und ist sowohl für Kinder als auch für Erwachsene zugelassen.
Indikation
Burosumab ist zugelassen für:
- X-chromosomale Hypophosphatämie (XLH) bei Kindern ab einem Jahr und bei Erwachsenen
- Tumorinduzierte Osteomalazie (TIO) bei Erwachsenen, wenn der auslösende Tumor nicht vollständig entfernt werden kann oder nicht lokalisierbar ist
Wirkmechanismus
Bei XLH und TIO ist der Wachstumsfaktor FGF23 (Fibroblast Growth Factor 23) im Blut übermäßig erhöht. FGF23 hemmt normalerweise die Rückresorption von Phosphat in der Niere und die Aktivierung von Vitamin D. Ein Überschuss an FGF23 führt daher zu einem anhaltenden Phosphatverlust über den Urin (Hyperphosphaturie) und zu einem niedrigen Phosphatspiegel im Blut (Hypophosphatämie).
Burosumab bindet spezifisch an FGF23 und blockiert dessen Wirkung. Dadurch wird:
- Die Phosphatrückresorption in der Niere gesteigert
- Der Serumphosphatspiegel normalisiert
- Die Aktivierung von Vitamin D (zu 1,25-Dihydroxyvitamin D) gefördert
- Die Knochenmineralisation verbessert
Dosierung und Anwendung
Burosumab wird als subkutane Injektion (unter die Haut) verabreicht. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht sowie dem Serumphosphatspiegel des Patienten:
- Kinder (XLH): In der Regel alle 2 Wochen, Startdosis 0,4 mg/kg Körpergewicht
- Erwachsene (XLH): In der Regel alle 4 Wochen, Startdosis 1,0 mg/kg Körpergewicht
- Erwachsene (TIO): Dosierung individuell nach Phosphatspiegel, ebenfalls alle 2 oder 4 Wochen
Die Dosis wird regelmäßig angepasst, um den Phosphatspiegel im Zielbereich zu halten. Eine gleichzeitige orale Phosphat- oder aktive Vitamin-D-Ergänzung sollte während der Burosumab-Therapie nicht erfolgen, da dies das Risiko einer Hyperphosphatämie oder Nephrokalzinose erhöht.
Nebenwirkungen
Burosumab wird im Allgemeinen gut vertragen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Reaktionen an der Injektionsstelle (Rötung, Schwellung, Schmerz)
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Zahnschmerzen oder Zahnentzündungen
- Erhöhte Phosphatspiegel im Blut (Hyperphosphatämie)
- Vitamin-D-Mangel oder Überschuss (je nach Dosierung)
- Ausschlag oder Juckreiz
In seltenen Fällen können ektopische Mineralisierungen (ungewollte Kalkablagerungen in Weichteilen oder Nieren) auftreten. Regelmäßige Laborkontrollen sind daher während der Therapie notwendig.
Behandlungskontext und klinische Bedeutung
Vor der Einführung von Burosumab bestand die Standardtherapie der XLH aus hochdosierten oralen Phosphatpräparaten in Kombination mit aktivem Vitamin D (Calcitriol oder Alfacalcidol). Diese Therapie war mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden, darunter Durchfall, Nephrokalzinose und sekundärer Hyperparathyreoidismus. Burosumab greift hingegen direkt in den zugrundeliegenden Pathomechanismus ein und zeigt in klinischen Studien eine überlegene Wirksamkeit hinsichtlich Rachitisheilung, Knochenschmerzen und körperlicher Funktionsfähigkeit.
Burosumab ist ein sogenanntes Biologikum und gehört zur Klasse der monoklonalen Antikörper. Es wurde von Kyowa Kirin entwickelt und ist seit 2018 in der Europäischen Union zugelassen.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Crysvita (Burosumab) - Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR), 2018. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu
- Insogna KL et al. - A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Phase 3 Trial Evaluating the Efficacy of Burosumab in Adults with XLH. Journal of Bone and Mineral Research, 2018.
- Carpenter TO et al. - Burosumab Therapy in Children with X-Linked Hypophosphatemia. New England Journal of Medicine, 2018; 378(21): 1987-1998.
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