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Canalis tarsi – Anatomie und Syndrom

Der Canalis tarsi ist ein anatomischer Kanal im Bereich des Sprunggelenks, der wichtige Nerven, Gefäße und Bänder beherbergt. Erkrankungen dieses Kanals können Schmerzen und Taubheitsgefühle im Fuß verursachen.

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Wissenswertes über "Canalis tarsi"

Der Canalis tarsi ist ein anatomischer Kanal im Bereich des Sprunggelenks, der wichtige Nerven, Gefäße und Bänder beherbergt. Erkrankungen dieses Kanals können Schmerzen und Taubheitsgefühle im Fuß verursachen.

Was ist der Canalis tarsi?

Der Canalis tarsi (auch Tarsalkanal oder Sinus tarsi genannt) ist ein trichterförmiger anatomischer Raum, der sich zwischen dem Fersenbein (Calcaneus) und dem Sprungbein (Talus) im Bereich des äußeren oberen Fußgewölbes befindet. Dieser Kanal verbindet das vordere und hintere Sprunggelenk miteinander und ist von zentraler Bedeutung für die Stabilität und Beweglichkeit des Fußes.

Durch den Canalis tarsi verlaufen wichtige anatomische Strukturen, darunter Bänder (Ligamente), Blutgefäße, Nervenfasern sowie Sehnen. Diese Strukturen sind entscheidend für die biomechanische Funktion des Sprunggelenks.

Anatomie und Inhalt des Canalis tarsi

Der Kanal verläuft von lateral (außen) nach medial (innen) und enthält folgende wesentliche Strukturen:

  • Ligamentum talocalcaneare interosseum: Das kräftige Zwischenknochenband, das Fersen- und Sprungbein miteinander verbindet und den Kanal maßgeblich stabilisiert.
  • Ligamentum cervicis: Ein weiteres wichtiges Stabilisierungsband des Rückfußes.
  • Arteria sinus tarsi: Eine kleine Arterie, die die umliegenden Strukturen mit Blut versorgt.
  • Nervenfasern: Äste des Nervus peroneus und des Nervus tibialis, die sensorische und motorische Informationen des Fußes weiterleiten.
  • Fettgewebe: Lockeres Bindegewebe, das die Strukturen polstert und schützt.

Das Canalis-tarsi-Syndrom

Das Canalis-tarsi-Syndrom (auch Sinus-tarsi-Syndrom) ist eine häufige Erkrankung, bei der es zu einer Entzündung, Vernarbung oder Schädigung der Strukturen innerhalb des Tarsalkanals kommt. Es handelt sich dabei um eine der häufigsten Ursachen für chronische seitliche Fußschmerzen.

Ursachen

  • Sprunggelenksdistorsion (Umknicken): Die häufigste Ursache, bei der die Bänder im Kanal überdehnt oder gerissen werden.
  • Chronische Instabilität des Sprunggelenks: Wiederholte Verletzungen führen zu Vernarbungen und Entzündungen im Kanalbereich.
  • Entzündliche Erkrankungen: Rheumatoide Arthritis oder andere systemische Erkrankungen können den Kanal betreffen.
  • Fehlstellungen: Knick-Senkfuß oder andere Fußdeformitäten können den Druck auf den Kanal erhöhen.
  • Ganglien oder Zysten: Gutartige Gewebeneubildungen können den Kanal einengen.

Symptome

  • Schmerzen im äußeren Knöchelbereich, die bei Belastung oder auf unebenem Untergrund verstärkt auftreten
  • Instabilitätsgefühl im Sprunggelenk
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Fuß und den Zehen (bei Nervenbeteiligung)
  • Druckschmerz direkt über dem Sinus tarsi (seitlich am Fuß)
  • Schwellung im Bereich des äußeren Fußknöchels

Diagnose

Die Diagnose des Canalis-tarsi-Syndroms erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:

  • Klinische Untersuchung: Druckschmerztest über dem Sinus tarsi sowie Funktionstest des Sprunggelenks.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Goldstandard zur Darstellung von Bandverletzungen, Entzündungen, Ganglien oder Vernarbungen im Kanal.
  • Ultraschall: Zur Beurteilung von Weichteilveränderungen und Flüssigkeitsansammlungen.
  • Röntgen: Zum Ausschluss knöcherner Verletzungen oder Fehlstellungen.
  • Diagnostische Infiltration: Eine gezielte Injektion eines Lokalanästhetikums in den Sinus tarsi kann die Diagnose bestätigen, wenn die Symptome dadurch deutlich nachlassen.

Behandlung

Konservative Therapie

In den meisten Fällen wird zunächst eine konservative Behandlung angestrebt:

  • Physiotherapie: Kräftigung der Fuß- und Sprunggelenksmuskulatur sowie Propriozeptionstraining zur Verbesserung der Gelenkstabilität.
  • Einlagenversorgung: Orthopädische Einlagen zur Korrektur von Fehlstellungen und Entlastung des Tarsalkanals.
  • Kortikosteroid-Infiltration: Injektion von entzündungshemmenden Medikamenten direkt in den Sinus tarsi zur Schmerzreduktion.
  • Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zur Linderung von Schmerz und Entzündung.
  • Ruhigstellung: Temporäre Entlastung durch Schienen oder Orthesen.

Operative Therapie

Wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Besserung bringen, kann ein operativer Eingriff notwendig sein:

  • Arthroskopie: Minimalinvasive Untersuchung und Behandlung des Tarsalkanals mit einer kleinen Kamera.
  • Offene Operation: Entfernung von Narbengewebe, Ganglien oder Rekonstruktion beschädigter Bänder.

Quellen

  1. Zwipp, H. & Rammelt, S. - Tarsus: Chirurgie des Fußes. Springer Verlag, 2. Auflage (2014).
  2. Kier R. - MR imaging of foot and ankle. Magnetic Resonance Imaging Clinics of North America, 2(1):43-68 (1994). PubMed.
  3. World Health Organization (WHO) - International Classification of Diseases (ICD-11), Musculoskeletal Disorders. https://icd.who.int

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