Captagon: Wirkung, Risiken und rechtliche Lage
Captagon ist ein synthetisches Amphetamin-Präparat, das ursprünglich als Medikament eingesetzt wurde und heute als illegale Droge bekannt ist.
Wissenswertes über "Captagon"
Captagon ist ein synthetisches Amphetamin-Präparat, das ursprünglich als Medikament eingesetzt wurde und heute als illegale Droge bekannt ist.
Was ist Captagon?
Captagon ist der Handelsname für Fenetyllin, eine synthetisch hergestellte Substanz aus der Gruppe der Phenethylamine und Amphetamine. Das Präparat wurde in den 1960er-Jahren entwickelt und ursprünglich zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen, Narkolepsie und Depressionen eingesetzt. Seit den 1980er-Jahren ist Fenetyllin in den meisten Ländern weltweit verboten, da es ein hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial besitzt.
Heute bezeichnet der Begriff Captagon meist illegal hergestellte Tabletten, die unter diesem Namen auf dem Schwarzmarkt vertrieben werden. Diese Tabletten enthalten häufig Amphetamin, Koffein und andere Substanzen, deren Zusammensetzung stark variiert.
Wirkmechanismus
Im Körper wird Fenetyllin zu Amphetamin und Theophyllin abgebaut. Beide Stoffe wirken stimulierend auf das zentrale Nervensystem:
- Amphetamin erhöht die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin, was zu gesteigerter Wachheit, Euphorie und einem erhöhten Energiegefühl führt.
- Theophyllin hat eine zusSätzliche stimulierende Wirkung auf Herzmuskel und Atemwege.
Die Kombination beider Abbauprodukte erzeugt eine verstärkte stimulierende Wirkung, die Nutzer als Gefühl von Kraft, vermindertem Schlafbedürfnis und gesteigerter Leistungsfähigkeit beschreiben.
Medizinische Geschichte und Zulassung
Captagon wurde ursprünglich vom deutschen Pharmaunternehmen Degussa entwickelt und in den 1960er- und 1970er-Jahren in mehreren Ländern als verschreibungspflichtiges Medikament zugelassen. Eingesetzt wurde es bei:
- Aufmerksamkeitsdefizit-Störungen (heute ADHS)
- Narkolepsie (Schlafsucht)
- Depressionen
- Hypotonie (niedriger Blutdruck)
Aufgrund des hohen Missbrauchspotenzials wurde Fenetyllin 1986 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in die Liste der kontrollierten Substanzen (Sched. I) aufgenommen und in den meisten Staaten verboten.
Missbrauch und illegaler Handel
Seit dem Verbot hat sich Captagon zu einer weit verbreiteten illegalen Droge entwickelt, insbesondere im Nahen Osten. Berichte aus Syrien, Saudi-Arabien, Jordanien und angrenzenden Regionen beschreiben Captagon als eine der am häufigsten missbrauchten illegalen Substanzen in diesen Gebieten. Die Droge wird häufig von Kombattanten in Konfliktzonen eingesetzt, da sie Schlaf, Hunger und Angst unterdrücken soll.
Die illegal hergestellten Tabletten werden unter dem Namen Captagon verkauft, enthalten jedoch selten den Originalwirkstoff Fenetyllin. Stattdessen bestehen sie meistens aus Amphetaminen, Koffein, Chinin und anderen Streckmitteln.
Gesundheitsrisiken und Nebenwirkungen
Der Missbrauch von Captagon und verwandten Amphetamin-Substanzen ist mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden:
- Herzprobleme: Herzrasen (Tachykardie), Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und im schlimmsten Fall Herzinfarkt
- Psychische Auswirkungen: Paranoia, Angstzustände, Halluzinationen, Psychosen
- Neurologische Wirkungen: Kopfschmerzen, Zittern, Krampfanfälle
- Abhängigkeit: Starkes körperliches und psychisches Abhängigkeitspotenzial
- Entzugssymptome: Starke Müdigkeit, Depressionen, Reizbarkeit nach Absetzen der Substanz
- Weitere Risiken: Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Schäden an inneren Organen bei Langzeitkonsum
Rechtliche Lage
Captagon bzw. Fenetyllin ist in Deutschland gemäß dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) als nicht verkehrsfähige Substanz eingestuft und damit vollständig verboten. Besitz, Herstellung, Handel und Einfuhr sind strafbar. International ist Fenetyllin im Rahmen des UN-Übereinkommens über psychotrope Substanzen von 1971 gelistet und in den meisten Ländern illegal.
Behandlung bei Abhängigkeit
Eine Abhängigkeit von Captagon oder Amphetaminen erfordert professionelle medizinische und psychotherapeutische Unterstützung. Die Behandlung umfasst in der Regel:
- Medizinisch begleiteter Entzug zur sicheren Überwachung der Entzugssymptome
- Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
- Motivationsfördernde Therapieformen und Unterstützung bei der Rückfallprävention
- Selbsthilfegruppen und soziale Begleitung
Bei Verdacht auf Konsum oder Abhängigkeit sollte umgehend ärztliche Hilfe gesucht werden.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Fenetylline - Critical Review Report. Expert Committee on Drug Dependence, 2019.
- Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Deutschland.
- Al-Imam A et al.: Captagon: Use and Trade in the Middle East. Human Psychopharmacology: Clinical and Experimental, 2017.
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