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Carboanhydrasehemmer: Wirkung & Anwendung

Carboanhydrasehemmer sind Arzneistoffe, die das Enzym Carboanhydrase blockieren und so den Flüssigkeitshaushalt im Körper beeinflussen. Sie werden u. a. bei Glaukom und Epilepsie eingesetzt.

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Wissenswertes über "Carboanhydrasehemmer"

Carboanhydrasehemmer sind Arzneistoffe, die das Enzym Carboanhydrase blockieren und so den Flüssigkeitshaushalt im Körper beeinflussen. Sie werden u. a. bei Glaukom und Epilepsie eingesetzt.

Was sind Carboanhydrasehemmer?

Carboanhydrasehemmer (auch Carboanhydraseinhibitoren genannt) sind eine Gruppe von Arzneistoffen, die das Enzym Carboanhydrase hemmen. Dieses Enzym ist im menschlichen Körper weit verbreitet und katalysiert eine wichtige chemische Reaktion: die Umwandlung von Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O) in Kohlensäure (H2CO3), die sich anschließend in Bikarbonat und Wasserstoffionen aufspaltet. Durch die Hemmung dieses Enzyms greifen Carboanhydrasehemmer in verschiedene physiologische Prozesse ein.

Wirkmechanismus

Das Enzym Carboanhydrase kommt in zahlreichen Geweben vor, unter anderem in den Nieren, im Auge, im Gehirn und in den roten Blutkörperchen. Carboanhydrasehemmer binden an das aktive Zentrum des Enzyms und blockieren dessen Funktion. Dies hat je nach Anwendungsort unterschiedliche Auswirkungen:

  • In den Nieren: Die Hemmung der Carboanhydrase reduziert die Rückresorption von Natriumbikarbonat im proximalen Tubulus. Dies führt zu einer vermehrten Ausscheidung von Bikarbonat, Natrium und Wasser über den Urin – die Substanzen wirken diuretisch (harntreibend) und führen zu einer metabolischen Azidose (Übersäuerung des Blutes).
  • Im Auge: Im Ziliarkörper des Auges ist die Carboanhydrase an der Produktion des Kammerwassers beteiligt. Eine Hemmung des Enzyms verringert die Produktion von Kammerwasser und senkt so den Augeninnendruck.
  • Im Gehirn: Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt, jedoch wird angenommen, dass die Beeinflussung des pH-Werts und des Ionentransports im Gehirn zur antiepileptischen Wirkung beiträgt.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Carboanhydrasehemmer werden für verschiedene medizinische Indikationen eingesetzt:

  • Glaukom (Grüner Star): Dies ist das häufigste Anwendungsgebiet. Sowohl systemische (z. B. Acetazolamid) als auch topische (direkt ins Auge eingebrachte, z. B. Dorzolamid, Brinzolamid) Carboanhydrasehemmer senken den erhöhten Augeninnendruck und schützen so den Sehnerv.
  • Epilepsie: Acetazolamid wird als Zusatztherapie bei bestimmten Epilepsieformen eingesetzt, insbesondere wenn andere Antiepileptika nicht ausreichend wirken.
  • Höhenkrankheit (Akute Bergkrankheit): Acetazolamid wird zur Vorbeugung und Behandlung der Höhenkrankheit verwendet, da es die Atmung stimuliert und die Akklimatisierung an große Höhen erleichtert.
  • Idiopathische intrakranielle Hypertension: Bei erhöhtem Hirndruck ohne erkennbare Ursache kann Acetazolamid den Liquordruck senken.
  • Periodische Lähmungen (Periodische Paralysen): Bestimmte Formen dieser seltenen Erkrankungen können mit Carboanhydrasehemmern behandelt werden.

Wichtige Wirkstoffe

Zu den gebräuchlichsten Carboanhydrasehemmern gehören:

  • Acetazolamid: Der klassische, systemisch (als Tablette) angewendete Carboanhydrasehemmer. Wird bei Glaukom, Epilepsie und Höhenkrankheit eingesetzt.
  • Dorzolamid: Ein topischer Carboanhydrasehemmer in Form von Augentropfen, der hauptsächlich beim Glaukom eingesetzt wird.
  • Brinzolamid: Ebenfalls ein topischer Carboanhydrasehemmer als Augentropfen zur Glaukombehandlung.
  • Methazolamid: Ein weiterer systemischer Carboanhydrasehemmer, der hauptsächlich beim Glaukom verwendet wird.
  • Zonisamid und Topiramat: Neuere Antiepileptika, die unter anderem auch carboanhydrasehemmende Eigenschaften besitzen.

Dosierung und Anwendung

Die Dosierung von Carboanhydrasehemmern variiert je nach Wirkstoff, Anwendungsform und Indikation. Systemische Präparate (Tabletten) werden in der Regel ein- bis viermal täglich eingenommen. Augentropfen werden meist zwei- bis dreimal täglich in das betroffene Auge getropft. Die genaue Dosierung wird stets vom behandelnden Arzt festgelegt und sollte nicht eigenmächtig verändert werden.

Nebenwirkungen

Carboanhydrasehemmer können, insbesondere bei systemischer Anwendung, eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen:

  • Häufige Nebenwirkungen: Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Händen und Füßen (Parästhesien), vermehrter Harndrang (durch die diuretische Wirkung), Geschmacksveränderungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Müdigkeit.
  • Metabolische Azidose: Durch die vermehrte Ausscheidung von Bikarbonat kann der pH-Wert des Blutes absinken, was zu Symptomen wie Atemnot, Verwirrtheit und allgemeinem Unwohlsein führen kann.
  • Elektrolytstörungen: Insbesondere ein Kaliummangel (Hypokaliämie) kann auftreten, was Muskelkrämpfe und Herzrhythmusstörungen begünstigen kann.
  • Nierensteine: Bei längerer Einnahme ist das Risiko für Nierensteine (insbesondere Kalziumphosphatsteine) erhöht.
  • Allergische Reaktionen: Da Carboanhydrasehemmer strukturell mit Sulfonamid-Antibiotika verwandt sind, können bei bekannter Sulfonamid-Allergie Kreuzreaktionen auftreten.
  • Topische Anwendung (Augentropfen): Lokale Reizungen, Brennen, Stechen im Auge und ein bitterer Geschmack im Mund sind möglich.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Carboanhydrasehemmer sollten nicht oder nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden bei:

  • Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Sulfonamiden
  • Schweren Nieren- oder Lebererkrankungen
  • Niedrigem Kaliumspiegel im Blut (Hypokaliämie) oder niedrigem Natriumspiegel (Hyponatriämie)
  • Schwangerschaft und Stillzeit (nach Rücksprache mit dem Arzt)

Wichtige Wechselwirkungen bestehen unter anderem mit anderen harntreibenden Mitteln, herzwirksamen Glykosiden (z. B. Digoxin), Lithium sowie bestimmten Antiepileptika. Eine gleichzeitige Einnahme von Aspirin in hohen Dosen kann die Toxizität von Acetazolamid erhöhen.

Quellen

  1. Mutschler, E. et al. - Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2020.
  2. European Glaucoma Society - Terminology and Guidelines for Glaucoma, 5th Edition. PubliComm, 2020. Verfügbar unter: https://www.eugs.org
  3. Supuran, C.T. - Carbonic anhydrases: novel therapeutic applications for inhibitors and activators. Nature Reviews Drug Discovery, 7(2):168-181, 2008. DOI: 10.1038/nrd2467

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