Carboxymethylstärke-Natrium – Hilfsstoff & Sprengmittel
Carboxymethylstärke-Natrium ist ein Sprengmittel in Tabletten und Kapseln, das die Auflösung von Arzneimitteln im Magen-Darm-Trakt beschleunigt.
Wissenswertes über "Carboxymethylstärke-Natrium"
Carboxymethylstärke-Natrium ist ein Sprengmittel in Tabletten und Kapseln, das die Auflösung von Arzneimitteln im Magen-Darm-Trakt beschleunigt.
Was ist Carboxymethylstärke-Natrium?
Carboxymethylstärke-Natrium (englisch: Sodium Starch Glycolate) ist ein chemisch modifizierter Stärkeabkömmling, der hauptsächlich als Tablettensprengmittel (Desintegrant) in der pharmazeutischen Industrie eingesetzt wird. Es handelt sich um das Natriumsalz der Carboxymethylstärke, die durch chemische Modifikation von natürlicher Stärke – häufig aus Kartoffeln oder Mais – hergestellt wird.
In der Lebensmittelindustrie und Pharmazie gehört Carboxymethylstärke-Natrium zu den weit verbreiteten Hilfsstoffen. Als Lebensmittelzusatzstoff ist es in der Europäischen Union unter der Bezeichnung E 1440 (modifizierte Stärke) bzw. verwandten E-Nummern zugelassen.
Herstellung und chemische Eigenschaften
Carboxymethylstärke-Natrium wird durch Reaktion von Stärke mit Chloressigsäure unter alkalischen Bedingungen gewonnen. Dabei werden Carboxymethylgruppen (-CH₂-COO⁻Na⁺) in das Stärkemolekül eingebracht. Das Produkt ist ein weißes bis cremefarbenes, geruchloses Pulver, das sich in Wasser stark quellt, jedoch nicht vollständig auflöst.
- Chemische Formel: modifizierte Kartoffel- oder Maisstärke mit Carboxymethylgruppen
- Erscheinungsform: weißes bis leicht gelbliches Pulver
- Löslichkeit: quillt stark in Wasser, bildet viskose Gele
- pH-Stabilität: stabil im schwach sauren bis neutralen Bereich
Anwendung in der Pharmazie
Der Haupteinsatzbereich von Carboxymethylstärke-Natrium liegt in der Tablettenherstellung. Als Sprengmittel sorgt es dafür, dass Tabletten nach der Einnahme schnell zerfallen und der Wirkstoff schnell freigesetzt wird. Dies verbessert die Bioverfügbarkeit – also die Menge des Wirkstoffs, die tatsächlich in den Blutkreislauf gelangt – erheblich.
Wirkmechanismus als Sprengmittel
Carboxymethylstärke-Natrium wirkt durch zwei Mechanismen:
- Quellwirkung: Das Pulver nimmt bei Kontakt mit Wasser oder Magenflüssigkeit sehr schnell das Vielfache seines Eigengewichts an Flüssigkeit auf und quillt stark auf. Dieser Quellungsdruck sprengt die Tablettenmatrix von innen auf.
- Kapilarwirkung: Das Material fördert das Eindringen von Flüssigkeit in die Tablettenstruktur durch Kapillarkräfte.
Typische Einsatzkonzentration in Tabletten liegt bei 2 bis 8 Prozent des Tablettengewichts.
Weitere pharmazeutische Anwendungen
- Füllstoff in Hartgelatinekapseln
- Bindemittel in Granulaten
- Hilfsstoff in topischen Formulierungen (Cremes, Gele)
Anwendung in der Lebensmittelindustrie
Als Lebensmittelzusatzstoff dient Carboxymethylstärke-Natrium als Verdickungsmittel, Stabilisator und Geliermittel. Es wird in verschiedenen verarbeiteten Lebensmitteln eingesetzt, um die Textur und Konsistenz zu verbessern und die Haltbarkeit zu verlängern.
Sicherheit und Verträglichkeit
Carboxymethylstärke-Natrium gilt als toxikologisch unbedenklich und wird von Behörden wie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der US-amerikanischen FDA als sicher eingestuft (GRAS-Status: Generally Recognized As Safe).
- Es wird im Magen-Darm-Trakt kaum resorbiert und überwiegend unverändert ausgeschieden.
- Allergische Reaktionen sind sehr selten, aber bei bekannter Stärkeüberempfindlichkeit möglich.
- Der Natriumgehalt ist bei normaler Dosierung in Arzneimitteln gering und klinisch nicht relevant, kann aber bei natriumarmer Diät berücksichtigt werden.
Regulatorischer Status
In der Europäischen Union ist Carboxymethylstärke-Natrium als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Als pharmazeutischer Hilfsstoff erfüllt es die Anforderungen des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.) sowie des United States Pharmacopeia (USP).
Quellen
- European Pharmacopoeia (Ph. Eur.) 10th Edition – Monograph: Sodium Starch Glycolate. European Directorate for the Quality of Medicines & HealthCare (EDQM), 2020.
- Rowe, R.C., Sheskey, P.J., Quinn, M.E. – Handbook of Pharmaceutical Excipients, 7th Edition. Pharmaceutical Press, London, 2012.
- European Food Safety Authority (EFSA) – Re-evaluation of modified starches as food additives. EFSA Journal, 2017;15(10):4986.
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