Carfilzomib: Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Carfilzomib ist ein Proteasom-Inhibitor zur Behandlung des rezidivierten oder refraktären Multiplen Myeloms. Er hemmt gezielt Enzymkomplexe in Krebszellen und bremst so deren Wachstum.
Wissenswertes über "Carfilzomib"
Carfilzomib ist ein Proteasom-Inhibitor zur Behandlung des rezidivierten oder refraktären Multiplen Myeloms. Er hemmt gezielt Enzymkomplexe in Krebszellen und bremst so deren Wachstum.
Was ist Carfilzomib?
Carfilzomib ist ein Proteasom-Inhibitor der zweiten Generation, der zur Behandlung des Multiplen Myeloms eingesetzt wird. Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung der Plasmazellen im Knochenmark. Carfilzomib wird unter dem Handelsnamen Kyprolis vermarktet und ist von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) für spezifische Indikationen zugelassen.
Wirkmechanismus
Carfilzomib bindet selektiv und irreversibel an das 20S-Proteasom, einen zentralen Enzymkomplex, der in allen menschlichen Zellen vorkommt. Das Proteasom ist dafür zuständig, fehlerhafte oder nicht mehr benötigte Proteine abzubauen. Indem Carfilzomib diesen Abbauweg blockiert, kommt es in der Tumorzelle zur Ansammlung von geschädigten Proteinen. Dies löst den programmierten Zelltod (Apoptose) aus und hemmt das Wachstum der Krebszellen.
Im Vergleich zu Bortezomib, einem Proteasom-Inhibitor der ersten Generation, wirkt Carfilzomib irreversibler und hat ein etwas anderes Nebenwirkungsprofil, insbesondere ein geringeres Risiko für periphere Neuropathie.
Indikationen
Carfilzomib ist zugelassen für erwachsene Patienten mit rezidiviertem oder refrakтärem Multiplen Myelom, die zuvor mindestens eine Therapielinie erhalten haben. Es wird in der Regel in Kombination mit anderen Medikamenten eingesetzt, zum Beispiel:
- Carfilzomib + Lenalidomid + Dexamethason (KRd-Schema)
- Carfilzomib + Dexamethason (Kd-Schema)
- Carfilzomib + Daratumumab + Dexamethason (KDd-Schema)
Dosierung und Anwendung
Carfilzomib wird als intravenöse Infusion verabreicht, d. h. direkt in eine Vene. Die Behandlung erfolgt in Zyklen, wobei das genaue Schema (Dosierung, Häufigkeit, Dauer) individuell durch den behandelnden Hämatoonkologen festgelegt wird. Typischerweise wird Carfilzomib an den Tagen 1, 2, 8, 9, 15 und 16 eines 28-tägigen Zyklus gegeben. Vor der Infusion werden in der Regel Begleitmedikamente wie Dexamethason und ausreichend Flüssigkeit verabreicht, um Nebenwirkungen zu reduzieren.
Nebenwirkungen
Wie alle Krebsmedikamente kann Carfilzomib Nebenwirkungen hervorrufen. Diese können je nach Person und Kombination mit anderen Medikamenten unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Häufige Nebenwirkungen
- Müdigkeit und Schwäche (Fatigue)
- Übelkeit und Erbrechen
- Blutarmut (Anämie)
- Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie)
- Atembeschwerden (Dyspnoe)
- Fieber
Schwerwiegende Nebenwirkungen
- Herzprobleme: Carfilzomib kann Herzinsuffizienz, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen verursachen. Regelmäßige kardiologische Kontrollen sind notwendig.
- Lungenembolie und Thrombosen: Ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel besteht, insbesondere in Kombination mit anderen Wirkstoffen.
- Nierenprobleme: Eine Überwachung der Nierenfunktion ist während der Therapie erforderlich.
- Infusionsreaktionen: Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost oder Schwindel können während oder kurz nach der Infusion auftreten.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Carfilzomib sollte nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Vorbestehenden Herzerkrankungen
- Eingeschränkter Nierenfunktion
- Eingeschränkter Leberfunktion
- Schwangerschaft und Stillzeit (Carfilzomib ist in diesen Situationen kontraindiziert)
Während der Therapie sind regelmäßige Blutbild- und Organfunktionskontrollen unbedingt erforderlich.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Kyprolis (Carfilzomib) - Produktinformation und Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR). Verfügbar unter: www.ema.europa.eu
- Dimopoulos MA, et al. Carfilzomib and dexamethasone versus bortezomib and dexamethasone for patients with relapsed or refractory multiple myeloma (ENDEAVOR): a randomised, phase 3, open-label, multicentre study. Lancet Oncology. 2016;17(1):27-38.
- Stewart AK, et al. Carfilzomib, lenalidomide, and dexamethasone for relapsed multiple myeloma. New England Journal of Medicine. 2015;372(2):142-152.
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