Carnosinssäure: Wirkung, Quellen & Anwendung
Carnosinssäure ist ein natürlicher Pflanzenwirkstoff aus Rosmarin und Salbei mit starker antioxidativer Wirkung. Sie schützt Zellen vor oxidativem Stress.
Wissenswertes über "Carnosinsäure"
Carnosinssäure ist ein natürlicher Pflanzenwirkstoff aus Rosmarin und Salbei mit starker antioxidativer Wirkung. Sie schützt Zellen vor oxidativem Stress.
Was ist Carnosinssäure?
Carnosinssäure ist ein natürlich vorkommender, fettlöslicher Pflanzenwirkstoff (Phytochemikalie) aus der Gruppe der Diterpene. Sie kommt hauptsächlich in den Blättern von Rosmarin (Rosmarinus officinalis) und Salbei (Salvia officinalis) vor und ist für einen Großteil der antioxidativen Wirkung dieser Kräuter verantwortlich. In der Lebensmittel- und Nahrungsergänzungsmittelindustrie wird Carnosinssäure als natürliches Antioxidans eingesetzt.
Vorkommen und Quellen
Die höchsten Konzentrationen an Carnosinssäure finden sich in folgenden Pflanzen:
- Rosmarin (Rosmarinus officinalis): Hauptquelle, besonders in frischen und getrockneten Blättern
- Salbei (Salvia officinalis): Ebenfalls reich an Carnosinssäure
- Weitere Pflanzen der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) in geringeren Mengen
In der Lebensmittelindustrie wird Carnosinssäure häufig als Rosmarinextrakt gewonnen und als natürlicher Lebensmittelzusatzstoff (E 392) zur Verlängerung der Haltbarkeit verwendet.
Wirkmechanismus
Carnosinssäure wirkt über mehrere biochemische Mechanismen:
- Antioxidative Wirkung: Carnosinssäure neutralisiert freie Radikale und reaktive Sauerstoffspezies (ROS), die Zellstrukturen wie DNA, Proteine und Lipide schädigen können. Dadurch schützt sie Zellen vor oxidativem Stress.
- Aktivierung des Nrf2-Signalwegs: Carnosinssäure aktiviert den sogenannten Nrf2-Transkriptionsfaktor, einen zentralen Regulator der zellulären Schutzreaktion. Dadurch werden körpereigene Schutzenzyme wie Glutathion-S-Transferase und Superoxiddismutase verstärkt produziert.
- Entzündungshemmende Wirkung: Durch Hemmung proinflammatorischer Signalwege (z. B. NF-κB) kann Carnosinssäure Entzündungsprozesse dämpfen.
- Neuroprotektive Wirkung: Studien zeigen, dass Carnosinssäure Nervenzellen vor oxidativem Stress schützen und möglicherweise neurodegenerativen Erkrankungen entgegenwirken kann.
Medizinische Anwendung und Forschung
Carnosinssäure wird intensiv erforscht, vor allem im Hinblick auf folgende Anwendungsgebiete:
Neuroprotektion
Präklinische Studien deuten darauf hin, dass Carnosinssäure vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson schützen kann, indem sie oxidativen Stress im Gehirn reduziert und die Aggregation von Proteinen hemmt. Die klinische Evidenz beim Menschen ist jedoch noch begrenzt.
Augenschutz
Es gibt Hinweise, dass Carnosinssäure die Netzhaut vor lichtinduziertem Schaden und oxidativem Stress schützen kann, was bei der Prävention der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) relevant sein könnte.
Krebsforschung
Laborstudien zeigen, dass Carnosinssäure das Wachstum verschiedener Tumorzellen hemmen und die Apoptose (programmierten Zelltod) einleiten kann. Diese Befunde sind jedoch bislang hauptsächlich aus In-vitro- und Tierversuchen und bedürfen weiterer klinischer Untersuchungen.
Hautgesundheit
Aufgrund seiner antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften wird Carnosinssäure in kosmetischen Produkten eingesetzt, um die Haut vor vorzeitiger Alterung durch UV-Strahlung und Umweltgifte zu schützen.
Dosierung und Einnahme
Carnosinssäure ist als Nahrungsergänzungsmittel meist in Form von Rosmarinextrakt-Kapseln oder -Tabletten erhältlich. Es gibt keine offiziell festgelegte empfohlene Tagesdosis für Carnosinssäure als Nahrungsergänzungsmittel. In klinischen Studien wurden Rosmarinextrakte mit standardisierten Gehalten an Carnosinssäure in verschiedenen Mengen eingesetzt. Die Aufnahme über die normale Ernährung (Rosmarin und Salbei als Gewürze) gilt als sicher und unbedenklich.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Die Aufnahme von Carnosinssäure über Lebensmittel (Rosmarin, Salbei) gilt als sicher. Bei der Einnahme hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel können mögliche Nebenwirkungen auftreten, darunter:
- Magen-Darm-Beschwerden bei empfindlichen Personen
- Allergische Reaktionen bei Personen mit Allergie gegen Lippenblütler
Schwangere und stillende Frauen sowie Personen mit Blutgerinnungsstörungen oder Epilepsie sollten die Einnahme hochdosierter Rosmarinextrakte mit einem Arzt besprechen, da übermäßige Mengen an Rosmarin krampffördernde oder blutverdünnende Effekte haben können.
Wechselwirkungen
Carnosinssäure kann möglicherweise mit folgenden Substanzen wechselwirken:
- Blutverdünnende Medikamente (z. B. Warfarin): Rosmarinextrakte können die Blutgerinnung beeinflussen.
- Antihypertensiva: Rosmarin kann den Blutdruck beeinflussen.
- Antiepileptika: Bei hohen Dosen ist Vorsicht geboten.
Quellen
- Petiwala SM, Johnson JJ. Diterpenes from rosemary (Rosmarinus officinalis): Defining their potential for anti-cancer activity. Cancer Letters, 2015; 367(2): 93-102.
- Satoh T, Rezaie T, Seki M, et al. Neuroprotective properties of carnosic acid and carnosol via activation of the Nrf2 antioxidative pathway. Journal of Neurochemistry, 2008; 105(5): 1926-1936.
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Rosemary extracts as food additives. EFSA Journal, 2008; 721: 1-29.
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