Cemiplimab: Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Cemiplimab ist ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung bestimmter Hautkrebsarten und nicht-kleinzelliger Lungenkrebs. Er gehört zur Klasse der Immun-Checkpoint-Inhibitoren.
Wissenswertes über "Cemiplimab"
Cemiplimab ist ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung bestimmter Hautkrebsarten und nicht-kleinzelliger Lungenkrebs. Er gehört zur Klasse der Immun-Checkpoint-Inhibitoren.
Was ist Cemiplimab?
Cemiplimab (Handelsname: Libtayo) ist ein monoklonaler Antikörper, der zur Gruppe der sogenannten Immun-Checkpoint-Inhibitoren gehört. Er wurde von den Pharmaunternehmen Regeneron und Sanofi entwickelt und ist von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) sowie der US-amerikanischen Behörde FDA zugelassen. Cemiplimab wird intraös verabreicht und richtet sich gezielt gegen den programmierten Zelltod-Rezeptor 1 (PD-1), um dem Immunsystem zu helfen, Krebszellen effektiver zu erkennen und zu bekämpfen.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
Cemiplimab ist für folgende Erkrankungen zugelassen:
- Kutanes Plattenepithelkarzinom (cSCC): Behandlung von Erwachsenen mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem kutanem Plattenepithelkarzinom, das nicht für eine kurative Operation oder Bestrahlung geeignet ist.
- Basalzellkarzinom (BCC): Behandlung von Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Basalzellkarzinom, die nach einer Hedgehog-Signalweg-Inhibitor-Therapie fortgeschritten sind oder diese nicht vertragen.
- Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC): Als Erstlinientherapie bei Erwachsenen mit fortgeschrittenem NSCLC ohne bestimmte Mutationen (EGFR, ALK) und mit hoher PD-L1-Expression, sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit Chemotherapie.
- Zervixkarzinom: In Kombination mit Chemotherapie (mit oder ohne Bevacizumab) bei rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom.
Wirkmechanismus
Cemiplimab blockiert den PD-1-Rezeptor auf der Oberfläche von T-Zellen (einer Art weißer Blutkörperchen). Unter normalen Umständen binden die Liganden PD-L1 und PD-L2 an diesen Rezeptor und dämpfen die Immunantwort, was verhindert, dass das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Krebszellen nutzen diesen Mechanismus, um sich vor dem Immunsystem zu schützen, indem sie große Mengen an PD-L1 auf ihrer Oberfläche exprimieren.
Durch die Blockade des PD-1-Rezeptors hebt Cemiplimab diese sogenannte Immun-Checkpoint-Hemmung auf. Dies ermöglicht es den T-Zellen, die Krebszellen wieder zu erkennen und gezielt zu zerstören. Dieser Mechanismus wird als Immun-Checkpoint-Blockade bezeichnet.
Dosierung und Verabreichung
Cemiplimab wird als intraöse Infusion in einer Klinik oder einem Behandlungszentrum verabreicht. Die übliche Dosierung beträgt:
- 350 mg alle 3 Wochen als intraöse Infusion über 30 Minuten, oder
- 350 mg alle 3 Wochen (bei bestimmten Indikationen kann auch ein 6-Wochen-Schema angewendet werden)
Die genaue Dosierung und der Behandlungsplan werden individuell vom behandelnden Arzt festgelegt und richten sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.
Nebenwirkungen
Wie alle Immun-Checkpoint-Inhibitoren kann Cemiplimab immunvermittelte Nebenwirkungen verursachen, da das Immunsystem durch die Therapie allgemein aktiviert wird und auch gesundes Gewebe angreifen kann. Zu den häufigen und schwerwiegenden Nebenwirkungen gehören:
Häufige Nebenwirkungen
- Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
- Hautausschlag und Juckreiz ä
- Durchfall
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Veränderungen der Leberwerte
- Appetitlosigkeit
Schwerwiegende immunvermittelte Nebenwirkungen
- Pneumonitis (Lungenentzündung immunologischen Ursprungs)
- Kolitis (Darmschleimhautentzündung)
- Hepatitis (Leberentzündung)
- Endokrinopathien (z.B. Schilddrüsenentzündung, Nebenniereninsuffizienz, Hypophysitis)
- Nephritis (Nierenentzündung)
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
- Schwere Hautreaktionen (z.B. Stevens-Johnson-Syndrom)
Bei Auftreten schwerwiegender immunvermittelter Reaktionen kann eine vorübergehende Unterbrechung oder dauerhafte Beendigung der Therapie sowie die Gabe von Kortikosteroiden erforderlich sein.
Gegenanzeigen und besondere Hinweise
- Cemiplimab sollte bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff nicht angewendet werden.
- Die Anwendung während der Schwangerschaft ist kontraindiziert, da das Präparat dem ungeborenen Kind schaden kann. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Therapie und für mindestens 4 Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
- Patienten mit Autoimmunerkrankungen sollten die Risiken und den Nutzen der Therapie sorgfältig mit ihrem Arzt abwägen.
- Regelmäßige Blutuntersuchungen zur Überwachung der Leber-, Nieren- und Schilddrüsenfunktion sind während der Therapie erforderlich.
Quellen
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Libtayo (Cemiplimab) - Produktinformation und Bewertungsbericht. Verfügbar unter: www.ema.europa.eu
- Migden MR et al. - PD-1 Blockade with Cemiplimab in Advanced Cutaneous Squamous-Cell Carcinoma. New England Journal of Medicine, 2018; 379:341-351.
- Regeneron Pharmaceuticals / Sanofi: Libtayo Fachinformation (Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels), aktuellste Fassung.
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