Certolizumab – Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Certolizumab ist ein biologisches Medikament zur Behandlung chronisch-entzündlicher Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Morbus Crohn.
Wissenswertes über "Certolizumab"
Certolizumab ist ein biologisches Medikament zur Behandlung chronisch-entzündlicher Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Morbus Crohn.
Was ist Certolizumab?
Certolizumab (auch bekannt als Certolizumab pegol, Handelsname: Cimzia) ist ein biologisches Arzneimittel aus der Gruppe der TNF-alpha-Inhibitoren. Es handelt sich um ein pegyliertes Fab-Fragment eines humanisierten monoklonalen Antikörpers, der gezielt den Botenstoff Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha) hemmt. TNF-alpha spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung chronischer Entzündungsprozesse im Körper.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
Certolizumab ist zugelassen für die Behandlung verschiedener chronisch-entzündlicher Erkrankungen, darunter:
- Rheumatoide Arthritis (RA): bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Erkrankung
- Axiale Spondyloarthritis: einschließlich ankylosierender Spondylitis (Morbus Bechterew)
- Psoriasis-Arthritis: entzündliche Gelenkerkrankung in Verbindung mit Schuppenflechte
- Morbus Crohn: schwere aktive Form der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung
- Plaque-Psoriasis: mittelschwere bis schwere Formen der Schuppenflechte
Wirkmechanismus
Certolizumab pegol bindet spezifisch und mit hoher Affinität an TNF-alpha und neutralisiert dessen biologische Aktivität. Dadurch wird die Übertragung entzündungsfördernder Signale im Immunsystem blockiert. Im Unterschied zu anderen TNF-Inhibitoren ist Certolizumab kein vollständiger Antikörper, sondern ein Fab-Fragment (Fragment antigen-binding), das durch Polyethylenglykol (PEG) stabilisiert wird (Pegylierung). Dies verlängert die Halbwertszeit des Wirkstoffs im Blut erheblich und ermöglicht eine weniger häufige Verabreichung. Zudem fehlt dem Molekül der Fc-Teil, was bedeutet, dass es keine komplementvermittelte Zytotoxizität auslöst und nicht aktiv die Plazenta passiert – ein wichtiger Vorteil bei der Anwendung in der Schwangerschaft.
Dosierung und Anwendung
Certolizumab wird als subkutane Injektion (unter die Haut) verabreicht. Die genaue Dosierung richtet sich nach der Indikation:
- Induktionsphase: In der Regel 400 mg zu Woche 0, 2 und 4.
- Erhaltungstherapie: 200 mg alle 2 Wochen oder 400 mg alle 4 Wochen, je nach Erkrankung und Ansprechen.
Die Anwendung erfolgt meist in Kombination mit anderen Medikamenten wie Methotrexat, insbesondere bei rheumatoider Arthritis. Eine genaue Dosierung wird stets vom behandelnden Arzt individuell festgelegt.
Nebenwirkungen
Wie alle biologischen Therapien kann Certolizumab Nebenwirkungen verursachen. Häufige und relevante Nebenwirkungen umfassen:
- Erhöhte Infektanfälligkeit: Besonders Atemwegsinfektionen, Harnwegsinfektionen und mögliche Reaktivierung latenter Tuberkulose
- Reaktionen an der Injektionsstelle: Rötung, Schwellung oder Schmerzen
- Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein
- Seltenere schwere Nebenwirkungen: Erhöhtes Risiko für schwere Infektionen, opportunistische Infektionen, bestimmte Krebsarten (z. B. Lymphome), Herzinsuffizienz-Verschlechterung sowie demyelinisierende Erkrankungen
Vor Beginn der Therapie ist eine Untersuchung auf Tuberkulose und Hepatitis B obligatorisch.
Besondere Hinweise und Kontraindikationen
Certolizumab darf nicht angewendet werden bei:
- Aktiven Infektionen (einschließlich aktiver Tuberkulose)
- Schwerer Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse III/IV) <
- Bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
Ein besonderer Vorteil von Certolizumab gegenüber anderen TNF-Inhibitoren ist seine Anwendbarkeit in der Schwangerschaft. Da das Molekül keinen Fc-Teil besitzt, wird es nicht aktiv über die Plazenta transportiert. Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass Certolizumab bei Bedarf auch während der Schwangerschaft eingesetzt werden kann, sofern eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt erfolgt.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Cimzia (Certolizumab pegol) - Produktinformation und EPAR. Verfügbar unter: www.ema.europa.eu
- Smolen JS et al. - EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biological disease-modifying antirheumatic drugs. Annals of the Rheumatic Diseases, 2020.
- Mahadevan U et al. - Placental Transfer of Certolizumab Pegol. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2017.
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