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Checkpoint-Inhibitor: Immuntherapie gegen Krebs

Checkpoint-Inhibitoren sind Krebsmedikamente, die das Immunsystem aktivieren, um Tumorzellen zu bekämpfen. Sie gehören zur modernen Immuntherapie.

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Wissenswertes über "Checkpoint-Inhibitor"

Checkpoint-Inhibitoren sind Krebsmedikamente, die das Immunsystem aktivieren, um Tumorzellen zu bekämpfen. Sie gehören zur modernen Immuntherapie.

Was ist ein Checkpoint-Inhibitor?

Ein Checkpoint-Inhibitor ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Immuncheckpoint-Blocker, der in der modernen Krebstherapie eingesetzt wird. Er greift in bestimmte Bremsmechanismen des Immunsystems ein und versetzt die körpereigenen Abwehrzellen – insbesondere die sogenannten T-Zellen – in die Lage, Tumorzellen gezielt zu erkennen und zu zerstören. Checkpoint-Inhibitoren zählen zur Immunonkologie und stellen einen der bedeutendsten Fortschritte in der Krebsmedizin der letzten Jahrzehnte dar.

Wirkmechanismus

Das Immunsystem verfügt über natürliche Kontrollpunkte (englisch: checkpoints), die eine überschießende Immunreaktion verhindern sollen. Krebszellen nutzen diese Mechanismen aus, indem sie bestimmte Signalproteine auf ihrer Oberfläche präsentieren, die T-Zellen hemmen und so einer Immunantwort entgehen.

Checkpoint-Inhibitoren blockieren genau diese hemmenden Signalwege. Die wichtigsten Zielstrukturen sind:

  • PD-1 / PD-L1: Das Protein PD-1 sitzt auf T-Zellen; PD-L1 wird von Tumorzellen gebildet. Bindet PD-L1 an PD-1, wird die T-Zelle inaktiviert. Checkpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab, Nivolumab (anti-PD-1) oder Atezolizumab (anti-PD-L1) verhindern diese Bindung.
  • CTLA-4: Dieses Protein auf T-Zellen dämpft die Immunaktivierung in einer früheren Phase. Ipilimumab blockiert CTLA-4 und verstärkt dadurch die Immunantwort gegen den Tumor.

Durch die Blockade dieser Checkpoints werden T-Zellen reaktiviert und können den Tumor angreifen.

Anwendungsgebiete

Checkpoint-Inhibitoren sind für eine Vielzahl von Krebserkrankungen zugelassen oder werden in klinischen Studien untersucht. Dazu gehören unter anderem:

  • Malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs)
  • Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC)
  • Nierenzellkarzinom
  • Blasenkrebs (Urothelkarzinom)
  • Hodgkin-Lymphom
  • Kolorektales Karzinom mit Mismatch-Repair-Defizienz
  • Kopf-Hals-Tumoren

Manchmal werden Checkpoint-Inhibitoren als Monotherapie eingesetzt, häufig aber auch in Kombination mit Chemotherapie, zielgerichteten Therapien oder anderen Immuntherapien.

Dosierung und Anwendung

Checkpoint-Inhibitoren werden in der Regel als intra-venöse Infusion verabreicht, meist alle zwei bis vier Wochen im Krankenhaus oder einer onkologischen Praxis. Die genaue Dosierung und Therapiedauer hängen vom eingesetzten Präparat, der Krebsart und dem Ansprechen auf die Behandlung ab. Die Therapie wird so lange fortgesetzt, wie sie wirksam ist und keine unzumutbaren Nebenwirkungen auftreten.

Nebenwirkungen

Da Checkpoint-Inhibitoren das gesamte Immunsystem aktivieren, können sie das gesunde Gewebe in verschiedenen Organen angreifen. Diese sogenannten immunvermittelten Nebenwirkungen (engl.: immune-related adverse events, irAEs) können nahezu jedes Organ betreffen:

  • Haut: Ausschlag, Juckreiz, selten schwere Hautreaktionen
  • Darm: Durchfall, Kolitis (Darmentzündung)
  • Leber: Erhöhung der Leberwerte, Hepatitis
  • Lunge: Pneumonitis (Lungenentzündung nicht-infektiöser Ursache)
  • Hormondrusen: Schilddrüsenfunktionsstörungen, Nebenniereninsuffizienz, Hypophysenentzündung
  • Gelenke und Muskeln: Arthritis, Myositis

Schwere Nebenwirkungen werden in der Regel mit Kortikosteroiden oder anderen immunsuppressiven Medikamenten behandelt. Bei leichten Beschwerden ist oft eine symptomatische Therapie ausreichend. Patienten sollten neu auftretende Beschwerden stets umgehend ihrem Behandlungsteam mitteilen.

Wer profitiert von einer Checkpoint-Inhibitor-Therapie?

Nicht alle Patienten sprechen gleich gut auf Checkpoint-Inhibitoren an. Bestimmte Biomarker können helfen, den Therapieerfolg vorherzusagen:

  • PD-L1-Expression im Tumorgewebe
  • Tumormutationslast (engl.: Tumor Mutational Burden, TMB): Tumoren mit vielen Mutationen sprechen oft besser an
  • Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H): Ein Zeichen für Mismatch-Repair-Defizienz

Vor Therapiebeginn wird daher häufig eine Biomarkerdiagnostik durchgeführt, um die geeignetsten Patienten zu identifizieren.

Quellen

  1. Topalian SL, Taube JM, Anders RA, Pardoll DM. Mechanism-driven biomarkers to guide immune checkpoint blockade in cancer therapy. Nature Reviews Cancer, 2016; 16(5): 275–287.
  2. Haanen JBAG et al. Management of toxicities from immunotherapy: ESMO Clinical Practice Guidelines. Annals of Oncology, 2018; 29 (Suppl 4): iv264–iv266.
  3. Deutsche Krebsgesellschaft. Leitlinienprogramm Onkologie – Immuntherapie bei Krebserkrankungen. Verfügbar unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de (abgerufen 2024).
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