Chologen – Wirkung, Anwendung & Beispiele
Chologen bezeichnet Substanzen, die die Galleproduktion oder den Gallefluss anregen. Sie werden in der Medizin und Naturheilkunde zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt.
Wissenswertes über "Chologen"
Chologen bezeichnet Substanzen, die die Galleproduktion oder den Gallefluss anregen. Sie werden in der Medizin und Naturheilkunde zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt.
Was sind chologe Substanzen?
Chologen (auch: cholagog oder choleretisch wirkende Substanzen) sind Stoffe, die die Leber zur verstärkten Produktion von Galle anregen oder den Abfluss der Galle aus der Gallenblase in den Dünndarm fördern. Der Begriff setzt sich aus dem griechischen chole (Galle) und agogos (führend, treibend) zusammen. In der Medizin wird zwischen zwei Wirkungsweisen unterschieden:
- Choleretika: Diese Substanzen erhöhen die Galleproduktion in der Leber.
- Cholekinetika (Cholagoga): Diese Substanzen fördern die Entleerung der Gallenblase und den Gallefluss in den Darm.
Funktion der Galle im Körper
Die Galle ist eine vom der Leber produzierte Flüssigkeit, die für die Verdauung von Fetten unentbehrlich ist. Sie wird in der Gallenblase gespeichert und bei Bedarf – insbesondere nach fetthaltigen Mahlzeiten – in den Dünndarm abgegeben. Die Galle emulgiert Nahrungsfette, sodass die fettspaltenden Enzyme (Lipasen) diese effizient abbauen können. Zusätzlich befördert die Galle fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) in die Darmschleimhaut und spielt eine Rolle bei der Ausscheidung von Stoffwechselprodukten wie Bilirubin.
Anwendungsgebiete
Chologe Substanzen werden eingesetzt bei:
- Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Vollegefühl und Fettverdauungsstörungen
- Erkrankungen der Leber und Galle, z. B. leichteren Gallenwegserkrankungen
- Unterstützung der Leberfunktion bei erhöhter Belastung
- Anregung der Verdauungstätigkeit nach operativen Eingriffen
Wirkmechanismus
Chologe Substanzen wirken auf verschiedenen Ebenen:
- Choleretisch: Stimulation der Leberzellen (Hepatozyten) zur vermehrten Galleproduktion, häufig durch Bitterstoffe oder sekretorische Reize.
- Cholekinetisch: Anregung der Kontraktion der Gallenblasenwand durch Ausschüttung von Cholezystokinin (CCK), einem Darmhormon, das durch bestimmte Nahrungsbestandteile wie Fette und Proteine ausgelöst wird.
Beispiele für chologe Substanzen
Pflanzliche Substanzen
- Artischockenextrakt (Cynara scolymus): Fördert die Galleproduktion und wirkt leberschutzend.
- Mariendistel (Silybum marianum): Wirkt choleretisch und hepatoprotektiv.
- Kurkuma (Curcuma longa): Curcumin regt die Gallenblase an und unterstützt die Fettverdauung.
- Löwenzahn (Taraxacum officinale): Fördert Gallesekretion und -fluss.
- Ingwer (Zingiber officinale): Wirkt verdauungsfördernd und choleretisch.
Synthetische und halbsynthetische Substanzen
- Ursodeoxycholsäure (UDCA): Eine Gallensäure, die den Gallefluss verbessert und bei bestimmten Lebererkrankungen (z. B. primär biliarer Cholangitis) eingesetzt wird.
- Dehydrocholsäure: Synthetisches Choleretikum zur Anregung der Gallensekretion.
Kontraindikationen und Sicherheitshinweise
Chologe Substanzen dürfen nicht in allen Situationen eingesetzt werden. Wichtige Gegenanzeigen sind:
- Gallensteine (Cholelithiasis): Eine verstärkte Gallenblasenkonttraktion kann einen Gallensteinanfall auslösen.
- Gallenwegsverschluss (Cholestase): Bei Abflussbehinderung der Galle ist die Anwendung gefährlich.
- Akute Gallenblasenentzündung (Cholezystitis): Keine Anwendung in der akuten Phase.
- Schwere Lebererkrankungen: Je nach Schweregrad können chologe Substanzen kontraindiziert sein.
Vor der Einnahme von cholagen Präparaten sollte stets ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen der Leber oder Galle.
Quellen
- Mutschler, E. et al. – Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage (2012).
- European Medicines Agency (EMA) – Herbal Medicinal Products: Assessment Reports on Cynara scolymus, Silybum marianum. EMA, www.ema.europa.eu.
- Leuschner, U. – Gallensteine: Diagnose und Therapie. Deutsches Ärzteblatt, 97(21): A-1462 (2000).
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