Chondrokalzinose: Ursachen, Symptome & Therapie
Die Chondrokalzinose ist eine Gelenkerkrankung, bei der sich Kalziumpyrophosphat-Kristalle im Knorpelgewebe ablagern und Schmerzen sowie Entzündungen verursachen können.
Wissenswertes über "Chondrokalzinose"
Die Chondrokalzinose ist eine Gelenkerkrankung, bei der sich Kalziumpyrophosphat-Kristalle im Knorpelgewebe ablagern und Schmerzen sowie Entzündungen verursachen können.
Was ist Chondrokalzinose?
Die Chondrokalzinose (auch Chondrocalcinose genannt) ist eine Erkrankung des Bewegungsapparats, bei der sich Kalziumpyrophosphat-Dihydrat-Kristalle (CPPD) in Knorpelgewebe, Gelenkkapseln und anderen Strukturen des Bewegungsapparats ablagern. Diese Ablagerungen können zu Gelenkentzündungen, Schmerzen und Funktionseinschränkungen führen. Die Erkrankung wird daher auch als Kalziumpyrophosphat-Ablagerungskrankheit (CPPD-Erkrankung) bezeichnet. Im Röntgenbild zeigen sich die Kristallablagerungen als charakteristische Kalkeinlagerungen im Knorpel.
Ursachen
Die genauen Ursachen der Chondrokalzinose sind nicht vollständig geklärt. Man unterscheidet jedoch verschiedene Formen:
- Idiopathische Form: Die häufigste Form, bei der keine spezifische Grunderkrankung gefunden wird. Sie tritt vor allem bei älteren Menschen auf.
- Hereditäre (erbliche) Form: Seltene, familiär gehäuft auftretende Form mit früherem Erkrankungsbeginn.
- Sekundäre Form: Auslöser sind Stoffwechselerkrankungen wie Hyperparathyreoidismus (erhöhte Nebenschilddrüsenhormon-Aktivität), Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit), Hypomagnesiämie (Magnesiummangel), Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) oder Gicht.
Symptome
Die Chondrokalzinose kann völlig symptomlos verlaufen oder sich in verschiedenen klinischen Bildern äußern:
- Akute Pseudogicht-Attacke: Plötzlich einsetzende, heftige Gelenkschmerzen, Schwellung, Rötung und Wärme – besonders häufig im Kniegelenk. Diese Anfälle ähneln stark einem Gichtanfall.
- Chronische Arthropathie: Langanhaltende, degenerative Gelenkveränderungen mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, ähnlich einer Arthrose.
- Asymptomatische Form: Zufälliger Befund im Röntgenbild ohne Beschwerden.
- Pseudorheumatoide Form: Chronische Entzündung mehrerer Gelenke, die einer rheumatoiden Arthritis ähnelt.
Diagnose
Die Diagnose der Chondrokalzinose stützt sich auf mehrere Untersuchungsmethoden:
- Röntgenuntersuchung: Nachweis von Kalkeinlagerungen im Gelenkknorpel (Chondrokalzinose-typisches Bild), vor allem in Knie, Handgelenk und Symphyse.
- Gelenkpunktion (Synovialanalyse): Untersuchung der Gelenkflüssigkeit unter dem Polarisationsmikroskop zum Nachweis der charakteristischen CPPD-Kristalle.
- Ultraschall und MRT: Ergänzende Bildgebung zur Darstellung von Knorpel- und Weichteilveränderungen.
- Laboruntersuchungen: Ausschluss sekundärer Ursachen durch Bestimmung von Kalzium, Phosphat, Magnesium, Eisen, Ferritin, Schilddrüsenwerten und Parathormon.
Behandlung
Eine kausale Therapie, die die Kristallablagerungen auflöst, ist bislang nicht verfügbar. Die Behandlung zielt daher auf die Linderung von Symptomen und die Kontrolle von Entzündungsschüben ab:
Akuttherapie bei Pseudogicht-Attacken
- Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung.
- Kolchizin in niedriger Dosierung zur Kupierung akuter Anfälle.
- Kortikosteroide (systemisch oder intraartikulär) bei Kontraindikationen gegen NSAR oder Kolchizin.
- Gelenkpunktion zur Entlastung des Gelenks bei starkem Erguss.
Langzeittherapie
- Behandlung der Grunderkrankung bei sekundärer Chondrokalzinose (z. B. Therapie des Hyperparathyreoidismus oder der Hämochromatose).
- Physiotherapie und gelenksschonende Bewegung zur Erhaltung der Gelenkfunktion.
- Niedrig dosiertes Kolchizin zur Rezidivprophylaxe.
Prognose
Die Chondrokalzinose verläuft bei den meisten Patienten chronisch, mit wiederkehrenden Entzündungsschüben und fortschreitenden Gelenkveränderungen. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie können jedoch die Lebensqualität deutlich verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
Quellen
- Richette P. et al. - Calcium pyrophosphate deposition disease. In: Lancet 2017; 390(10093):501-512.
- Bundesministerium für Gesundheit / Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) - Leitlinien zur Kristallarthropathie, 2023.
- Zhang W. et al. - EULAR recommendations for calcium pyrophosphate deposition. In: Annals of the Rheumatic Diseases 2011; 70(4):563-570.
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