Choroidea (Aderhaut) – Aufbau, Funktion & Erkrankungen
Die Choroidea ist eine gefäßreiche Schicht des Auges zwischen Netzhaut und Lederhaut. Sie versorgt die äußeren Netzhautschichten mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Wissenswertes über "Choroidea"
Die Choroidea ist eine gefäßreiche Schicht des Auges zwischen Netzhaut und Lederhaut. Sie versorgt die äußeren Netzhautschichten mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Was ist die Choroidea?
Die Choroidea (auch Chorioidea oder Aderhaut genannt) ist eine pigmentierte, stark durchblutete Gewebeschicht im Auge. Sie liegt zwischen der Netzhaut (Retina) auf der Innenseite und der Lederhaut (Sklera) auf der Außenseite des Augapfels. Zusammen mit dem Ziliarkörper und der Iris bildet sie den sogenannten Uvealtraktus (Gefäßhaut des Auges). Die Aderhaut ist beim Menschen durchschnittlich 0,2 bis 0,3 Millimeter dick und gehört zu den am stärksten durchbluteten Geweben im gesamten menschlichen Körper.
Aufbau der Choroidea
Histologisch gliedert sich die Choroidea in mehrere Schichten:
- Suprachoroidea: Die äußerste, bindegewebige Grenzschicht zur Sklera.
- Haller-Schicht: Enthält große Blutgefäße (Arterien und Venen).
- Sattler-Schicht: Enthält mittlere Blutgefäße.
- Choriokapillaris: Eine dichte Kapillarschicht, die unmittelbar an das retinale Pigmentepithel angrenzt und für die Nährstoffversorgung der Fotorezeptoren zuständig ist.
- Bruch-Membran: Eine dünne Basalmembran, die die Choriokapillaris vom retinalen Pigmentepithel trennt.
Funktionen der Choroidea
Die Aderhaut erfüllt mehrere lebenswichtige Aufgaben für die Sehfunktion:
- Nährstoffversorgung: Die Choriokapillaris versorgt die äußeren Schichten der Netzhaut, insbesondere die Fotorezeptoren (Stäbchen und Zapfen), mit Sauerstoff und Nährstoffen.
- Wärmeregulation: Der hohe Blutfluss hilft, im Auge entstehende Wärme abzuführen und die Temperatur der Netzhaut zu regulieren.
- Lichtabsorption: Das in der Choroidea enthaltene Melaninpigment absorbiert Streulicht und verhindert so Blendungseffekte, die die Bildschärfe beeinträchtigen würden.
- Druckregulation: Durch Veränderungen des Blutvolumens trägt die Aderhaut zur Regulation des intraokularen Drucks bei.
Erkrankungen der Choroidea
Verschiedene Erkrankungen können die Choroidea betreffen und zu ernsthaften Sehstörungen führen:
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
Bei der altersbedingten Makuladegeneration kommt es zu Veränderungen der Bruch-Membran und der Choriokapillaris, was die Versorgung der Makula beeinträchtigt. Bei der feuchten Form der AMD wachsen krankhafte Blutgefäße aus der Choroidea in die Netzhaut ein (choroidale Neovaskularisation).
Choroiditis
Die Choroiditis ist eine Entzündung der Aderhaut, die häufig im Rahmen einer Uveitis posterior auftritt. Sie kann durch Infektionen (z. B. Toxoplasmose, Tuberkulose, Syphilis) oder Autoimmunerkrankungen verursacht werden und zu Sehverlust führen.
Choroideremie
Die Choroideremie ist eine seltene, erbliche Erkrankung (X-chromosomal rezessiv), bei der es zu einem fortschreitenden Schwund der Aderhaut, des retinalen Pigmentepithels und der Netzhaut kommt. Sie führt zu Nachtblindheit und einer Einengung des Gesichtsfelds.
Choroidales Melanom
Das choroidale Melanom ist der häufigste primäre intraokulare Tumor beim Erwachsenen. Er entsteht aus den Melanozyten der Aderhaut und kann das Sehvermögen beeinträchtigen sowie in andere Organe metastasieren.
Zentrale seröse Chorioretinopathie
Bei der zentralen serösen Chorioretinopathie sammelt sich Flüssigkeit unter der Netzhaut an, was auf eine erhöhte Durchlässigkeit der Choriokapillaris zurückzuführen ist. Betroffen sind häufig jüngere Männer; die Erkrankung kann zu verschwommenem Sehen und Verzerrungen führen.
Diagnose von Choroidea-Erkrankungen
Zur Untersuchung der Aderhaut stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Ophthalmoskopie (Augenspiegelung): Direkte Beurteilung des Augenhintergrunds.
- Optische Kohärenztomografie (OCT): Hochauflösende Querschnittsbilder der Netzhaut- und Aderhautschichten.
- Fluoreszenzangiografie: Darstellung der retinalen und choroidalen Gefäße mit Kontrastmittel.
- Indozyaningrün-Angiografie (ICG): Speziell zur Beurteilung der choroidalen Zirkulation geeignet.
- Ultraschall (B-Scan): Zum Nachweis von Tumoren oder Aderhautabhebungen.
Quellen
- Lang, G. K. (Hrsg.): Augenheilkunde. 6. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart 2019.
- Olver, J., Cassidy, L., Jutley, G., Crawley, L.: Ophthalmology at a Glance. 2. Auflage. Wiley-Blackwell, 2014.
- Bhutto, I., Lutty, G.: Understanding age-related macular degeneration (AMD): Relationships between the photoreceptor/retinal pigment epithelium/Bruch's membrane/choriocapillaris complex. Molecular Aspects of Medicine, 33(4), 295–317, 2012. PubMed PMID: 22542780.
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