Cisatracurium – Muskelrelaxans in der Anästhesie
Cisatracurium ist ein nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans, das in der Anästhesie eingesetzt wird, um die Skelettmuskulatur zu entspannen und Intubationen zu ermöglichen.
Wissenswertes über "Cisatracurium"
Cisatracurium ist ein nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans, das in der Anästhesie eingesetzt wird, um die Skelettmuskulatur zu entspannen und Intubationen zu ermöglichen.
Was ist Cisatracurium?
Cisatracurium ist ein nicht-depolarisierendes neuromuskuläres Blockmittel (Muskelrelaxans), das in der Anästhesie und Intensivmedizin eingesetzt wird. Es gehört zur Gruppe der Benzylisochinolin-Verbindungen und ist ein Stereoisomer von Atracurium. Im Vergleich zu Atracurium ist es etwa drei- bis fünfmal potenter und verursacht deutlich seltener die Freisetzung von Histamin, was es zu einer gut verträglichen Wahl für viele Patienten macht.
Indikationen
Cisatracurium wird in folgenden klinischen Situationen eingesetzt:
- Endotracheale Intubation: Entspannung der Kehlkopf- und Atemmuskulatur zur Erleichterung der Intubation.
- Muskelrelaxation während chirurgischer Eingriffe: Zur Aufrechterhaltung einer ausreichenden Erschlaffung der Skelettmuskulatur während der Allgemeinnarkose.
- Intensivmedizin: Kurzfristige Muskelrelaxation bei maschinell beatmeten Patienten, z. B. bei schwerem ARDS (Akutes Atemnotsyndrom des Erwachsenen) oder zur Vermeidung von Beatmungs-Dyssynchronie.
Wirkmechanismus
Cisatracurium wirkt als kompetitiver Antagonist an nikotinischen Acetylcholin-Rezeptoren der neuromuskulären Endplatte. Es blockiert reversibel die Bindungsstellen des Neurotransmitters Acetylcholin, wodurch die Muskelkontraktion verhindert wird. Die Wirkung ist dosisabhängig und vollständig reversibel.
Ein besonderes Merkmal von Cisatracurium ist der sogenannte Hofmann-Eliminationsweg: Der Wirkstoff wird im Blutplasma bei physiologischem pH-Wert und Körpertemperatur spontan chemisch abgebaut, unabhängig von Leber- oder Nierenfunktion. Dies macht es besonders geeignet für Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion.
Dosierung und Anwendung
Cisatracurium wird ausschließlich intravenös verabreicht. Die genaue Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht, dem klinischen Einsatzzweck sowie der individuellen Reaktion des Patienten:
- Intubationsdosis: In der Regel 0,15 mg/kg Körpergewicht intravenös.
- Erhaltungsdosis: Typischerweise 0,03 mg/kg als Bolus oder kontinuierliche Infusion von 1–2 µg/kg/min.
- Intensivmedizin: Kontinuierliche Infusion, individuell angepasst nach neuromuskulärem Monitoring.
Die Wirkdauer nach einer Intubationsdosis beträgt in der Regel 40–75 Minuten. Eine Antagonisierung der Wirkung ist mit Cholinesterase-Hemmern wie Neostigmin möglich, sobald eine spontane Erholung begonnen hat.
Nebenwirkungen
Cisatracurium wird im Allgemeinen gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen umfassen:
- Kardiovaskulär: Selten Blutdruckschwankungen oder Bradykardie.
- Histaminfreisetzung: Im Vergleich zu Atracurium sehr selten; gelegentlich leichte Hautrötungen möglich.
- Restrelaxation (Residualkurarisierung): Anhaltende Muskelschwäche nach der Operation, wenn keine ausreichende Antagonisierung erfolgt.
- Überempfindlichkeitsreaktionen: In seltenen Fällen allergische Reaktionen möglich.
Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
Cisatracurium ist kontraindiziert bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Benzylisochinoline. Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen (z. B. Myasthenia gravis), da diese eine erhöhte Empfindlichkeit aufweisen können.
- Gleichzeitiger Anwendung von Medikamenten, die die neuromuskuläre Blockade verstärken können (z. B. bestimmte Antibiotika, Magnesiumsalze).
- Patienten mit Verbrennungen oder Immobilisation, bei denen die Wirkstärke verändert sein kann.
Besondere Vorteile von Cisatracurium
Cisatracurium zeichnet sich durch mehrere klinische Vorteile aus:
- Organunabhängiger Abbau durch Hofmann-Elimination – ideal für Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz.
- Geringe Histaminfreisetzung – besser verträglich als Atracurium, geeignet auch für atopische Patienten.
- Vorhersehbare Wirkdauer – erleichtert das neuromuskuläre Management im OP und auf der Intensivstation.
Quellen
- Naguib M, Lien CA. Pharmacology of muscle relaxants and their antagonists. In: Miller's Anesthesia. 8th ed. Elsevier; 2015.
- European Medicines Agency (EMA): Nimbex (Cisatracurium) – Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. Verfügbar unter: www.ema.europa.eu
- Papazian L et al. Neuromuscular blockers in early acute respiratory distress syndrome. N Engl J Med. 2010;363(12):1107–1116.
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