Cumarin: Wirkung, Vorkommen & Risiken
Cumarin ist eine natürlich vorkommende aromatische Verbindung, die in vielen Pflanzen enthalten ist. In hohen Dosen kann es die Leber schädigen.
Wissenswertes über "Cumarin"
Cumarin ist eine natürlich vorkommende aromatische Verbindung, die in vielen Pflanzen enthalten ist. In hohen Dosen kann es die Leber schädigen.
Was ist Cumarin?
Cumarin (auch: Coumarin) ist eine natürlich vorkommende organische Verbindung aus der Gruppe der Benzopyrone. Es kommt in zahlreichen Pflanzen vor, darunter in Zimtbaumrinde (besonders im preisgünstigen Cassia-Zimt), in Waldmeister, Tonkabohnen, Lavendel und Süßkleepflanzen. Die Substanz hat einen charakteristischen süß-vanilleartigen Duft und wird deshalb auch in der Parfum- und Lebensmittelindustrie eingesetzt.
Vorkommen und Quellen
Die wichtigsten natürlichen Quellen von Cumarin sind:
- Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia): enthält sehr hohe Mengen an Cumarin
- Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum): enthält deutlich weniger Cumarin
- Waldmeister (Galium odoratum): typische Zutat in Maibowle
- Tonkabohnen: beliebt als Gewürz in der gehobenen Küche
- Lavendel und verschiedene Kleepflanzen
Wirkmechanismus und pharmakologische Eigenschaften
Cumarin selbst hat keine direkte antikoagulante (blutverдünnende) Wirkung. Es wird jedoch im menschlichen Körper metabolisiert, wobei verschiedene Stoffwechselprodukte entstehen. Bei empfindlichen Personen können bestimmte Abbauprodukte des Cumarins – insbesondere Orthohydroxyzimtsäure und deren Folgeprodukte – lebertoxisch wirken. Cumarinderivate wie Warfarin oder Phenprocoumon hingegen sind als Arzneimittel bekannt und werden als Gerinnungshemmer eingesetzt; diese sind jedoch chemisch verschiedene Verbindungen.
Gesundheitliche Bedeutung und Risiken
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Bei einem Erwachsenen mit 60 kg entspricht das 6 mg pro Tag.
Wird dieser Wert regelmäßig überschritten, kann es zu:
- Lebertoxizität: erhöhte Leberwerte, Leberzellschäden bei empfindlichen Personen
- Kopfschmerzen und Schwindel
- Gastrointestinalen Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen
- In hohen Dosen möglichen karzinogenen Effekten im Tierversuch (Relevanz für den Menschen wird diskutiert)
Besonders gefährdet sind Kinder, da sie bezogen auf ihr Körpergewicht mehr Cumarin aufnehmen, sowie Personen mit vorbestehenden Lebererkrankungen.
Regulierung in der Europäischen Union
In der EU ist Cumarin als Lebensmittelzusatzstoff verboten. Als natürlicher Bestandteil von Lebensmitteln und Gewürzen sind jedoch Höchstmengen festgelegt. Gemäß der EU-Aromenverordnung (EG) Nr. 1334/2008 gelten spezifische Grenzwerte für verschiedene Lebensmittelkategorien, z. B.:
- Bis zu 50 mg/kg in Karamellwaren und einigen Backwaren
- Bis zu 2 mg/kg in alkoholfreien Getränken
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, den Konsum von Cassia-Zimt-haltigen Produkten wie Zimtsternen und anderen Weihnachtsgebäcken zu mäßigen.
Cumarin in der Medizin und Forschung
Cumarinderivate spielen eine bedeutende Rolle in der Pharmakologie. Synthetische Cumarinverbindungen werden in der Medizin als Antikoagulanzien (z. B. Warfarin, Phenprocoumon) eingesetzt. Darüber hinaus werden Cumarinderivate in der Forschung auf mögliche antimikrobielle, antiinflammatorische und antitumorale Eigenschaften untersucht.
Quellen
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Coumarin in flavourings and other food ingredients with flavouring properties – Scientific Opinion, EFSA Journal 2008;6(10):793.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Cumarin in Zimt und Zimtzubereitungen – Stellungnahme Nr. 043/2006, Berlin 2006.
- Lake BG: Coumarin metabolism, toxicity and carcinogenicity: relevance for human risk assessment. Food and Chemical Toxicology. 1999;37(4):423–453.
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