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Cyanid – Wirkung, Vergiftung und Behandlung

Cyanid ist ein hochwirksames Zellgift, das die Zellatmung blockiert. Es kommt natürlich in einigen Lebensmitteln vor und wird in der Industrie eingesetzt.

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Wissenswertes über "Cyanid"

Cyanid ist ein hochwirksames Zellgift, das die Zellatmung blockiert. Es kommt natürlich in einigen Lebensmitteln vor und wird in der Industrie eingesetzt.

Was ist Cyanid?

Cyanid (auch: Zyanid) bezeichnet eine Gruppe chemischer Verbindungen, die das Cyanid-Ion (CN⁻) enthalten. Die bekannteste Form ist Blausäure (Cyanwasserstoff, HCN), eine flüchtige, hochgiftige Verbindung mit charakteristischem Bittermandelgeruch. Cyanide zählen zu den stärksten bekannten Zellgiften und sind sowohl in der Natur als auch in industriellen Prozessen anzutreffen.

Vorkommen und Quellen

Natürliche Quellen

Cyanid kommt in der Natur in Form von cyanogenen Glykosiden in verschiedenen Pflanzen vor. Diese Verbindungen setzen beim Zerkauen oder Verdauen Blausäure frei. Bekannte Quellen sind:

  • Bittermandeln und Aprikosenkerne
  • Kirsch-, Pfirsich- und Pflaumenkerne
  • Maniok (Cassava) – besonders in rohem Zustand
  • Holunderbeeren (roh)
  • Leinsamenschalen

Industrielle und umweltbedingte Quellen

Industriell wird Cyanid in der Galvanotechnik, der Goldgewinnung, der Kunststoffproduktion und in der Pharmaindustrie eingesetzt. Zudem entsteht Cyanwasserstoff beim Verbrennen von stickstoffhaltigen Kunststoffen (z. B. Polyurethan, Polyacrylnitril), was bei Bränden eine erhebliche Vergiftungsgefahr darstellt.

Wirkmechanismus – Wie wirkt Cyanid im Körper?

Cyanid ist ein Hemmer der Cytochrom-c-Oxidase, eines zentralen Enzyms der mitochondrialen Atmungskette. Es bindet irreversibel an das Eisen(III)-Ion des Enzyms und blockiert damit den letzten Schritt der zellulären Energiegewinnung (oxidative Phosphorylierung). Die Folge ist eine innere Erstickung: Die Zellen können trotz ausreichender Sauerstoffversorgung keinen Sauerstoff mehr verwerten. Besonders betroffen sind Organe mit hohem Energiebedarf wie Herz und Gehirn.

Symptome einer Cyanidvergiftung

Die Symptome einer Cyanidvergiftung sind abhängig von der aufgenommenen Menge und treten rasch auf:

  • Leichte Vergiftung: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen
  • Mittelschwere Vergiftung: Verwirrtheit, Angst, starke Schwäche, Blutdruckabfall
  • Schwere Vergiftung: Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Atemstillstand, Tod

Charakteristisch ist, dass das venöse Blut hellrot erscheinen kann, da der Sauerstoff nicht von den Zellen verwertet wird. Außerdem kann ein Bittermandelgeruch der Atemluft wahrnehmbar sein.

Diagnose

Die Diagnose einer Cyanidvergiftung erfolgt klinisch anhand der Symptome, der Expositionsanamnese (z. B. Brandereignis, Ingestion verdächtiger Substanzen) und laborchemischer Parameter. Wichtige Befunde sind:

  • Erhöhte Lactatwerte im Blut (Laktatazidose) als Zeichen des anaeroben Stoffwechsels
  • Geringe arteriovenöse Sauerstoffdifferenz (Sauerstoff wird nicht verbraucht)
  • Direkter Nachweis von Cyanid im Blut (in spezialisierten Laboren)

Behandlung der Cyanidvergiftung

Eine Cyanidvergiftung ist ein medizinischer Notfall und erfordert sofortiges Handeln:

Sofortmaßnahmen

  • Entfernung aus der Gefahrenzone (Eigen- und Fremdschutz beachten)
  • Notruf (112) und sofortige medizinische Hilfe
  • Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage oder Reanimation
  • Keine Mund-zu-Mund-Beatmung ohne Schutzmaske

Medizinische Gegenmaßnahmen (Antidote)

  • Hydroxocobalamin (Vitamin B12-Vorstufe): Bindet Cyanid-Ionen und bildet ungiftiges Cyanocobalamin – Mittel der ersten Wahl
  • 4-DMAP (4-Dimethylaminophenol): Bildet Methämoglobin, das Cyanid bindet – schnell wirksam, aber mit Nebenwirkungen
  • Natriumthiosulfat: Fördert die Umwandlung von Cyanid in das weniger toxische Thiocyanat
  • Sauerstoffgabe: Hochdosierter Sauerstoff unterstützt die Behandlung

Cyanid in Lebensmitteln – Gesundheitsrisiko im Alltag?

Der gelegentliche Verzehr kleiner Mengen cyanogener Lebensmittel (z. B. ein einzelner Aprikosenkern) ist für gesunde Erwachsene in der Regel unbedenklich, da der Körper geringe Mengen Cyanid durch das Enzym Rhodanese entgiften kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt jedoch, bittere Aprikosenkerne nicht zu konsumieren und Produkte mit hohem Cyanidgehalt zu meiden. Besonders gefährdet sind Kinder, Schwangere und Personen mit eingeschränkter Leberfunktion.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Bittere Aprikosenkerne sind kein Lebensmittel – Stellungnahme Nr. 023/2016. Berlin, 2016.
  2. Borron SW, Baud FJ: Antidotes for acute cyanide poisoning. In: Current Opinion in Pharmacology, 2012; 12(3): 209–217.
  3. World Health Organization (WHO): Cyanide in Drinking-water – Background document for development of WHO Guidelines for Drinking-water Quality. Geneva, 2004.
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